Niederlande - Staatliche Museen

Von "gut" bis "ungenügend

Führungsstil, Ausstellungspolitik, das pädagogische Programm und das Bemühen um neue Besuchergruppen entscheiden, welche Beurteilung ein Museum bekommt und wie viel es einsparen muss
Auf dem Prüfstand:Beurteilungen entscheiden über Höhe der Einsparungen

Die Kuppel ist neu – entgegen dem Trend wurde im Museum de Fundatie in Zwolle investiert, statt gespart

"Museen betrachten sich gegenseitig noch viel zu sehr als Konkurrenten", findet die niederländische Kultusministerin Jet Bussemaker. Würden sie stattdessen zusammenarbeiten, könnten sie gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: nämlich nicht nur sparen, sondern auch "schönere Ausstellungen machen und neue Besuchergruppen anziehen".

Museen, die sich diesen Ratschlag zu Herzen nehmen, will die Ministerin deshalb in Zukunft belohnen: Zwei Millionen Euro pro Jahr stellt sie bis einschließlich 2016 für besonders effektive Formen der Zusammenarbeit zur Verfügung.

Damit versucht es die niederländische Regierung zur Abwechslung einmal im Guten: In den letzten Jahren hat sie trotz heftiger Proteste drastische Einsparungen auf dem Kultursektor durchgesetzt: Die Höhe der Subventionen für den gesamten Kultursektor wurde um fast ein Viertel heruntergeschraubt von 900 auf 700 Millionen Euro pro Jahr.

Von den elf internationalen Instituten für zeitgenössische Kunst bekommen nur noch sechs Subventionen, darunter de Appel in Amsterdam und Witte de With in Rotterdam. Die 36 Reichsmuseen des Landes müssen nicht nur generell mit einer Budgetkürzung von fünf Prozent weiterleben, sondern fortan auch mit einem Malus von mindestens zwei bis maximal elf Prozent. Dazu wurden ihr Führungsstil und ihre Ausstellungspolitik in fünf Kategorien eingeteilt: von gut bis ungenügend. Ausschlaggebend sind zwei neue Kriterien: das pädagogische Programm und die Zusammenarbeit mit Schulen sowie das Anwerben neuer Besuchergruppen, da sich bislang 60 Prozent aller Niederländer selten oder nie im Museum blicken lassen.

Lediglich neun der 36 staatlichen Museen bekamen das Prädikat gut und damit den niedrigsten Malus von zwei Prozent, darunter das van Goghmuseum und das Kröller Müllermuseum in Otterloo. Zu den Instituten, die ein "Ungenügend" erhielten und damit den höchsten Malus von 11 Prozent, gehört das Mauritshaus in Den Haag. Und lediglich mittelmäßig schnitt das Amsterdamer Reichsmuseum ab mit einem Malus von 5,6 Prozent: "Anmaßend und nicht ernst zu nehmen!", schnaubte Direktor Wim Pijbes.

Mehr als zehn der insgesamt 400 niederländischen Museen mussten in den letzten beiden Jahren bereits schließen, neun weiteren droht die Schließung. 61 mussten Personal entlassen und 51 ihr Programm bescheidener gestalten. Und davon sind inzwischen nicht mehr nur die staatlichen, sondern auch die städtischen Museen betroffen: "Der Trend weitet sich aus", konstatiert die niederländische Museumsvereinigung.

Trotz dieser Malaise können die Niederlande im letzten Jahr mit gleich drei erweiterten Museen und einem neuen aufwarten: So hat "de Fundatie" in Zwolle auf das Dach ihres neoklassizistischen Baus noch eine spektakuläre eiförmige Kuppel bekommen, die mit 55 000 perlmutartigen Kacheln bedeckt ist. Letzten September eröffnet Königin Maxima in Leeuwarden das neue "Fries Museum" zur Geschichte, Kunst und Kultur der Provinz Friesland. Und in Herzogenbosch konnten nach drei Jahren Umbau zwei total unterschiedliche Museen unter einem Dach vereint werden: das Noordbrabants Museum und das Stedelijk. Womit der Beweis geliefert wurde, dass ein Museum für alte Kunst auch mit einem der Moderne effizient zusammenarbeiten und Geld sparen kann. Kultusministerin Bussemaker dürfte sich freuen.