Gib mir fünf - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Sanja Brandt visualisiertes Gehirnchaos in Krefeld, Sozialdesaster in München, Tristesse in Köln, Hybridwesen in Berlin und Pop Art in Tübingen.

Krefeld: Jan Muche – "Werkschau"

Jan Muche beginnt seine Bilder immer gelbgrundiert und seinen Atelieraufenthalt mit einer halben Stunde Zeitung lesen. Dieser Maler ritualisiert sein Künstlerdasein im Kleinen, bevor er seine Werke bunt explodieren lässt. Dann aber richtig! Auf den Bildern, die vom 23. Januar bis zum 6. März in der Galerie Börgmann (Südwall 55) zu sehen sind, lässt sich eine farbenfrohe Mischung aus Streetart, Popkultur und Werbeslogans ausmachen.

Jan Muche malt wie das Leben spielt: Manchmal lassen sich politische Themen finden, wie der 2001 in Genua ermordete linkspoltische Aktivist Carlo Giuliani, manchmal aber eben auch abstruse Dinge, kleine Begebenheiten. Seinen malerischen Prozess beschreibt er selbst als die Addierung von Details zu einem Ganzen. Er schafft damit große und kleine Bilder, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Manchmal erzählen die Werke Geschichten, manchmal verzaubern sie einfach nur mit ihrer Finesse. Seine Bilder richten sich gegen den Kulturbegriff, dass Kunst immer Sinn stiften muss, seine Bilder sind einfach Spiegel des Alltags, eine visualisierte Wiedergabe des Gehirnchaos´ eines Menschen, der einfach schöne Bilder malt.

München: Armando Lulaj – "Silent Sozial Corruption"

Ob Kapitalismuskatastrophen oder Sozialdesaster, Armando Lulaj versteht sich als Analytiker des Lebens und zielt mit seinen Werken direkt auf prekäre Umstände. Für ihn gibt es nicht nur die schlimmen Großmächte, sondern auch viel Kritik im Kleinen. Seine Fotografien der Reihe "Silent Sozial Corruption" sind im höchsten Maße inszeniert und immer Träger einer klaren Botschaft. So zeigen die Bilder ein Kampfhund, der dem Betrachter ins Gesicht zu springen scheint, ein Ölfass, das genauso platziert ist, dass es die Altstadt Roms spiegelt, oder auch mal einen Stern, das Symbol des Sozialismus in gedoppelter, brennender Variante. Der in Italien lebende Albane reflektiert mit einer ganz eigenen Bildsprache die Welt, bedient sich aber auch provozierender Worte, wie in seinem Bild "work sets you free". Die Anspielung auf Vernichtungslager deutet schon der Titel an, das Foto an sich zeigt fünf stehende Männer vor zwei liegenden Dobermännern, beide Seiten regungslos; Lulajs ganz eigene Interpretation von politischem Asyl. Diese poetische Politik ist vom 21. Januar bis zum 31. März im Lothringer-13 (Lothringer Straße 13) zu sehen.

Köln: Todd Hido – "House Hunting" & "Nudes"

Die Tristesse, die Todd Hido in seinen Bildern einfängt, könnte überall auf der Welt sein. Ortslosigkeit und Isoliertheit sind die Hauptthemen in seinen Fotografien, die ab dem 22. Januar bis zum 10. April in der Gallery for Contemporary Photography (Albertusstraße 26) ausgestellt werden. In der Serie "House Hunting" dokumentiert der Fotograf menschenleere Vororte und Straßenränder. Obwohl die Lichter in den Häusern von Menschen zeugen, suggerieren die Bilder Verlassenheit und Leere. Auch in seinen Frauenporträits "Nudes" schwingt die Einsamkeit permanent mit. Hido lässt den Betrachter nichts über Namen, Zeit und Ort wissen, er gibt Einblicke in Situationen, in denen nur die Atmosphäre wichtig scheint und nicht die Objekte. Diese Fotografien erzählen nicht die Geschichte von dem, was sie abbilden, sie zeigen lediglich ein unpersönliches Abbild eines anonymen Lebens. Doch genau durch diese Abbildung erzählen seine Bilder viel, die Erzählungen handeln von dem Schwund der Individualität, der Normierung von Orten und der Entwurzelung des Menschen. Genau für diese Themen braucht es auch keinen Ort, denn sie sind überall anzutreffen.

Berlin: Helle Mardahl – "Stage Power"

Der theatrale Charakter in den Arbeiten von Helle Mardahl führt die Besucher in eine Fantasiewelt, voller Farben und Humor. Pünktlich zur Berliner Fashion Week, präsentiert die Dänin zusammen mit einem eigens für sie arbeitenden Team, bestehend aus sieben Schneiderinnen, in der Circleculture Gallery (Gipsstraße 11) vom 20. Januar bis zum 6. März ihre Installation "Stage Power". Aus dem Spiel mit Mode, Kunst und Design ergibt sich eine facettenreiche Ausstellung aus Malerei, Zeichnung, Illustration, Textilcollage, Foto, Druck und Skulptur. Durch die Detailfülle und den filigranen, organischen Stil Mardahls erinnern die Werke oft an Kreaturen. Die scheinbare Lebendigkeit dieser Hybridwesen regt auf dem ersten Blick zum Träumen an, hinter dem farbenfrohen Glitzer und der ganzen Pracht verbirgt sich aber auch eine anklagende, kritische Seite. Adler, Feuer, Diamanten und Königsblau sind Symbole und Ikonen der Macht des dänischen Königshauses. Helle Mardahl lenkt die Wahrnehmung gezielt von der Fiktion hin zur Realität und führt den Betrachter so zu einer inhaltlich tieferen Ebene.

Tübingen: Mel Ramos - "50 Jahre Pop"

Wenn ein Mensch seinen 75. Geburtstag feiert und 50 Jahre dieses Lebens einer Kunstrichtung gewidmet hat, diese sogar maßgeblich mitbestimmt hat, dann wird es meistens Zeit für eine große Retrospektive. Mel Ramos ist einer der Hauptvertreter der Pop-Art, seine Aktmalereien und Darstellungen von Comichelden sind weltbekannt. Die Kunsthalle Tübingen (Philosophenweg 76) zeigt vom 23. Januar bis zum 25. April einen Querschnitt durch das Lebenswerk des Malers, das neben Gemälden auch Skizzen und Skulpturen umfasst. Zu sehen sind Arbeiten aus allen fünf Jahrzehnten der Pop-Art, angefangen mit der Suche nach Abstraktion, über dickgepinselte Comicfiguren bis hin zu seinen bekannten "Commercial Pin-ups", eine humorvolle Adaption der Werbepin-ups. Aber auch Arbeiten ganz anderer Art, wie Landschaftsmalereien gehören zur großen Werkschau. Abrundend zeigt die Kunsthalle aktuelle Bilder von Ramos, wie Gemälde aus den Serien "The Lost Paintings" und "Artist´s Studio", aber auch seine Kunstharzskulpturen, die wieder an seine Pin-ups aus den sechziger Jahren anknüpfen.