Kunstverein vs. Literaturhaus - Köln

Kölnischer Kunstverein unter Beschuss

Laute Stimmen und viel Tumult – in Köln geraten Kunstverein und Literaturhaus aneinander. Der Grund ist ein abgesagter Umzug.
Aus für gemeinsame Pläne:Kölner Kunstverein und Literaturhaus im Streit

Außenansicht: "Brücke"-Gebäude Köln, Architekt: Wilhelm Riphahn, Erbaut: 1949/50

Im März schien die Sache bereits beschlossen: Der Kölnische Kunstverein wollte das Kölner Literaturhaus als Untermieter in der "Brücke", einem städtischen Gebäude in der Innenstadt, aufnehmen. Davon sollten beide Seiten profitieren: Das Literaturhaus würde durch den Umzug aus der Peripherie ins Zentrum rücken, und der Kunstverein könnte sich mehr Leben ins Haus holen und vielleicht neues Publikum gewinnen. Seit Ende Juni ist es mit der Einigkeit vorbei: Der Kunstverein erklärte die seit über einem Jahr laufenden Verhandlungen für gescheitert und erntete teils wütende Reaktionen aus dem Kuratorium der Literaturhauses. Im Kulturausschuss des Kölner Stadtrats wurde offen gefordert, dem Kunstverein die städtischen Zuschüsse zu kürzen und den bis 2030 laufenden Mietvertrag der "Brücke" nicht zu verlängern. Für das Literaturhaus ist die Absage besonders misslich, weil ihm der jetztige Vermieter als Reaktion auf die laufenden Verhandlungen zum Herbst dieses Jahres gekündigt hat.

In einem offenen Brief vom 4. Juli hat der Vorstand des Kölnischen Kunstvereins nun die Gründe für seine Absage präzisiert. Dem Brief zufolge würden die Betriebskosten durch den neuen Untermieter in einem Maße steigen, das die Existenz des Kunstvereins bedrohen könne; auf die unverbindliche Zusage der Stadt, die Mehrkosten zu übernehmen, will sich der Kunstverein nicht verlassen. Der zweite Grund ist kuratorischer Natur: Moritz Wesseler, seit 1. Juli neuer Leiter der Kölnischen Kunstvereins, will die "Brücke" selbst stärker nutzen und die Künstlerateliers erhalten, die für das Literaturhaus in Büroräume umgewandelt werden sollten. Zudem wirft der Vorstand dem Literaturhaus vor, mit falschen Angaben eine rufschädigende Kampagne gegen den Kunstverein lanciert zu haben. Am 8. Juli wies das Literaturhaus diesen Vorwurf zurück und forderte den Kunstverein auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Letzteres ist auch der erklärte Wunsch der Stadt. Doch selbst wenn es zu neuen Gesprächen käme, ist schwer vorstellbar, wie sich die zerstrittenen Parteien unter einem gemeinsamen Dach vertragen sollen.

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