Barbarenschatz - Raubgrabung

Es könnte der Nibelungenschatz sein

Ein Raubgräber hat in Rheinland-Pfalz einen ungewöhnlichen Schatz gefunden. Doch er ging so grob vor, dass wichtige Spuren für immer zerstört sind.
Fundstelle zerstört:Schatzgräber vernichtet wichtige Spuren

Ein zerstörter Silberteller (Detail) aus der Spätantike, Teil eines illegal in der Pfalz ausgegrabenen "Barbarenschatzes"

Der Schaden ist groß, die Freude überwiegt dennoch: Ein Raubgräber hatte im Februar in einem Wald in Rheinland-Pfalz einen bisher einmaligen Schatz gefunden: eine Silberschale, Schmuckstücke eines Zeremonialgewandes und auch Teile eines eisernen Klappstuhls, der mit kleinen Silberfiguren verziert war.

Die Stücke, die mehr als eine Million Euro wert sein sollen, sind vermutlich um 450 entstanden, also in jener Zeit, als sich das Römische Reich bereits in Auflösung befand und verschiedene Germanenstämme auf Wanderschaft waren. "Aus diesem Zeitraum wurden bisher keine Schätze dieser Art gefunden", sagt der Landesarchäologe Axel von Berg.

Die Polizei war auf den Raubgräber aufmerksam geworden und hat dessen Funde aus der Gegend von Rülzheim den Landesarchäologen übergeben. Trotz weiterer Nachgrabungen konnten von Berg und seine Kollegen aber nicht mehr viel über die historischen Umstände in Erfahrung bringen. "Der Fundort ist komplett zerstört", erklärt der Experte, und auch den schön verzierten Klappstuhl hat der Mann beim Graben zertrümmert. Das sei besonders bedauerlich, weil es sich um einen "ziemlich einzigartigen und besonderen Fund handelt", so der Archäologe, der es nicht für ausgeschlossen hält, dass man es sogar mit dem legendären Nibelungenschatz zu tun hat.

Von Berg vermutet, dass die Stücke einem ostgermanischen Würdenträger gehörten, der seinen Besitz möglicherweise auf der Flucht oder wegen eines Kampfes vergraben musste. Die auf den osteuropäischen Raum hinweisende Silberschale, die goldenen Gewandapplikationen und die Silberstatuetten des reich verzierten Klappstuhls seien aber nicht nur von hohem materiellem, sondern auch von archäologischem Wert, sagt von Berg und bedauert, dass viele Fragen zu dem sogenannten Barbarenschatz nun nicht mehr geklärt werden können.

Für Archäologen sind Raubgräber ein großes Problem, denn moderne Metallsonden machen es ihnen leicht, flächendeckend die Landschaft zu sondieren – teils aus kommerziellen Interessen, teils aus falsch verstandenem Geschichtsbewusstsein. "Es ist eine Fehlmeinung, dass wir Archäologen uns an schönen Funden freuen", sagt von Berg, "wir wollen stattdessen die Fundstellen intakt erhalten".

Die Ermittlungen wegen Unterschlagung gegen den Hobbyarchäologen aus der Südpfalz dauern unterdessen an. "Es ist nicht gut, wenn sich ein Staatsanwalt nur auf ein Geständnis stützt. Wir müssen es mit Beweisen unterfüttern“, so der Frankenthaler Oberstaatsanwalt Hubert Ströber. Deshalb soll nun für jedes Teil des Schatzes geklärt werden, ob der Beschuldigte es ausgegraben habe. Auch müsse untersucht werden, ob es noch um weitere Wertgegenstände gibt.

Der Barbarenschatz von Rülzheim

Präsentation im Landesmuseum Mainz
bis 29. Juni

http://www.landesmuseum-mainz.de/enid/Ausstellungen/Praesentation_Barbarenschatz_z7.html