Tipps der Woche - Gib mir Fünf!

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: Eine Museumseröffnung, ein Filmfest, Endlosschleifen, konkrete Kunst und Straßenkultur

Kassel: 26. Dok-Fest

Streitbar, unterhaltsam und spannend soll es werden, das 26. Kasseler Dok-Festival (10. bis 15. November). Das umfangreiche Programm verheißt viele Höhepunkte: So werden 236 experimentelle, dokumentarische und kunstvolle Arbeiten von Filmemacher aus 29 Ländern vorgestellt. Darunter gleich mehrere Weltpremieren wie etwa Karin Jurschicks “Zertifikat Deutsch” – Der Film erzählt von den Schwierigkeiten, mit denen Ausländer zu kämpfen haben, wenn sie einen deutschen Einbürgerungstest absolvieren.

Neben dem großen und vielfältigen Film- und Videoangebot, das im Fimladen, dem Gloria-Kino und dem Bali-Kino gezeigt wird, gibt es zum Dok-Fest im Kasseler Kunstverein und im KulturBahnhof Performances und 16 Medieninstallationen zu sehen – darunter Arbeiten von so renommierten Künstlergrößen wie Marina Abramovic und Candice Breitz.

Berlin: "Backjumps Volume 4"

Adrian Nabi ist Deutschlands bester Street-Art-Kurator. Keiner kennt die Szene besser, keiner ist so leidenschaftlich und authentisch. Mitte der achtziger Jahre war er selbst noch Sprüher, im Jahr 1994 dann, als deutsche Graffiti und die Aerosolbewegung noch realtiv neu waren, gründete er "Backjumps – das Magazin für urbane Kommunikation und Ästhetik". Und seit 2003 gibt es auch immer wieder regelmäßige "Live-Issues": Ab dem 7. November (bis 29. November) präsentiert Nabi jetzt im Berliner Kunstraum Kreuzberg/Bethanien seine aktuelle Ausstellung "Backjumps, Volume 4, #1". Diesmal hat er sieben in Berlin lebende Künstler eingeladen – Brad Downey, Pigenius Cave, Matthias Wermke & Mischa Leinkauf und das Trio RZM – die sich mit Themen wie Freiheit, Autonomie und Urbanität beschäftigen. Die Ausstellung verspricht eine abenteuerliche Mischung aus Videokunst, Musik und Performance zu werden – und wo Nabi draufsteht, werden auch diesmal wieder garantiert mit voller Liebe die Straßenkultur und die Experimentierfreude im öffentlichen Raum zelebriert.

München: "Endlosschleifen. Leben im Loop"

Das Gefühl des Leerlaufs, das Festfrieren der Zeit, das Drehen um sich selbst, die Suche nach Zielen oder nach Fluchtpunkten – diese Phänomene behandelt die Ausstellung "Endlosschleifen. Leben im Loop" (6. November – 5. Dezember, Kuratiert von Verena Seibt und Christian Hartard) im "Lothringer13/Laden", einer Einrichtung des Kulturreferats der Stadt München. Die Künstler, die sich mit der Endlosschleife beschäftigen, sind Robert Barta (Berlin), Olga Chernysheva (Moskau), Sandra Filic (München), Claudia Kugler (Berlin), Alexander Laner (München), Angelika Middendorf (Berlin), Alexandra Navratil (Amsterdam), Michael Schrattenthaler (München), Nadim Vardag (Wien), Franz Wanner (München).
Eröffnet wird die Ausstellung am heutigen Donnerstag, 5. November, 20 Uhr, mit einer Performance von Sophia Süßmilch. Im Laufe der Schau gibt es unter anderem am Samstag, 14. November, 20 Uhr, einen Vortrag vom Harry Walter (Stuttgart) mit dem Titel „Ewig währt am längsten. Von wandernden Totpunkten und stehenden Endlosschleifen“. Zur Finissage am 5. Dezember befasst sich Klaus Linde mit dem Thema "Von Escher zu Einstein. Zur Mathematik endloser Schleifen und ihren physikalischen Freunden".

Dortmund und Hannover: Ulrich Behl

Einem internationalen Kunstpublikum stellte sich der Kieler Künstler Ulrich Behl 1995: Da errichtete er in der Sonderausstellung "Artelaguna" auf der Biennale von Venedig einen Wald aus 32 Aluminiumröhren, die er in strenger Formation in den Schlick der Lagune gesetzt hatte – der Stelenwald ragte fünf Meter aus dem Wasser. Ulrich Behl, Schüler von Raimund Girke an der Werkkunstschule Hannover, ist ein konsequenter Vertreter konkreter Kunst. In seinen Zeichnungen, Objekten und Materialbildern befasst er sich mit dem Licht als zentralem Thema. Seine plastischen Arbeiten entstehen häufig aus einer Membran, die er über konstruktiv angelegte Gerüste spannt. Die auf diese Weise entstehenden "oftmals konkav oder konvex angelegten Segmente modulieren nicht nur das Licht durch gleichmäßig angeordneten, partiellen Schattenwurf", schrieb Uwe Haupenthal, Richard-Haizmann-Museum, 2008 anlässlich des Landeschaupreises für Ulrich Behl, "sondern sie vermitteln durch das diaphane Weiß der Oberfläche gar den Eindruck, als gäbe es im Inneren eine zweite, unsichtbare Lichtquelle".
Behls Arbeiten sind derzeit in zwei Ausstellungen zu sehen: in der Galerie Dieter Fischer, Dortmund (6. November bis 15. Januar 2010) und in der von der Niedersächsischen Lottostiftung und dem Kulturamt Hannover getragenen Galerie „Vom Zufall und vom Glück“ (21. Oktober 2009 – 15. November 2009, zusammen mit Heiko Tappenbeck)

Potsdam: “1989” in der neu eröffneten Villa Schöningen

Kaum ein Spionagethriller, der in den Zeiten des Kalten Krieges spielte, kommt ohne sie aus: die Glienicker Brücke, zwischen dem alten West-Berlin und Potsdam. Hier fand der berühmt-berüchtigte Agenten-Austausch zwischen Ost und West statt. 20 Jahre nach dem Mauerfall ist direkt neben der Glienicker Brücke in einer alten Villa in privates Museum entstanden, das auch dieses Kapitel deutsch-deutscher Geschichte aufarbeitet, das vom Leben an und mit der Grenze erzählt und von der Mauer in den Köpfen.
Eine gewichtige Rolle spielt dabei auch die Kunst: “1989”, die erste Wechselausstellung im neuen Museum Villa Schöningen (9. November bis 14. Februar, erster Teil), ist eine Gemeinschaftsproduktion mit der Kunsthalle Wien. Zu sehen sind unter anderem Werke des aus der UdSSR emigriertenen Künstlerpaares Ilya und Emilia Kabakov. Der Pole Marek Piwowskis zeigt in seinem Film “Reijs” durchaus humorvoll, wie viele Menschen im Osten sich mit den Mühen und Tücken des sozialistischen Alltags plagten. Marcel Odenbachs Videoarbeit “Niemand ist mehr dort wo er hin wollte” beschreibt eindrucksvoll und enorm verdichtet den Weg zum Mauerfall. Josephine Mecksepers “Ikonographie des Konsums” trifft auf Bilder von Neo Rauch, der Leitfigur der Neuen Leipziger Schule.