Biennale - Venedig

Die Biennale bittet zur Kasse

Wer für seine Zusatzausstellung das begehrte Etikett "Eventi Collaterali" haben will, muss auf der Biennale tief in die Tasche greifen. Doch auch an anderen Stellen lauert die Kostenfalle.
Was kostet die Biennale?:Stattliche Gebühren auf der Biennale

Auch ein Collaterali: Aufblasbare Großversion von Marc Quinns Aktstudie einer Contergan-Geschädigten am Anleger von San Giorgio. Die Ausstellung wird organisiert von der Giorgio Cini Stiftung, die sich die Widerbelebung der Insel San Giorgio Maggiore zur Aufgabe gemacht hat

Vor jeder Kunstbiennale in Venedig läuft hinter den Kulissen ein harter Kampf ab um das Etikett "Eventi Collaterali".

Diese Zusatzausstellungen finden außerhalb von Giardini und Arsenale in über die Stadt verstreuten Räumen statt. In diesem Jahr erhielten 47 Ausstellungen, zehn mehr als auf der vergangenen Biennale, das begehrte Etikett. Und dabei kassieren die Organisatoren der Biennale ordentlich ab: Über den Schreibtisch von Biennale-Kurator Massimiliano Gioni wandern alle Bewerbungen für das Etikett der Collaterali. Fällt die Entscheidung positiv aus, ist an die Biennale ein Betrag von 20 000 Euro zu entrichten, plus Mehrwertsteuer.

Unter den rund 100 Bewerbern wurde auch die Arthena Foundation der Oldenburger Unternehmerin Monika Schnetkamp ausgewählt, die mit dem Projekt einer fiktiven psychiatrischen Klinik des Berliner Künstlers Thomas Zipp das Wohlgefallen Gionis gefunden hatte. Die Arthena Foundation hatte in Venedig ihren ersten Auslandsauftritt. Monika Schnetkamp ist stolz auf die Auszeichnung: "Als ob man einen Orden bekommen hätte." Ein mühseliger Weg liegt hinter ihr.

Wer sich für das Biennale-Logo bewirbt, muss ein detailliert ausgearbeitetes Projektkonzept vorlegen, den Kurator und das Pressebüro nennen sowie den Ausstellungsort angeben. Monika Schnetkamp, Künstler Thomas Zipp und Kurator Zdenek Felix entschieden sich nach langem Herumgondeln in Venedig für den pittoresken Palazzo Rossini am Campo Manin.

Sie waren nicht die einzigen Interessenten. Erst zwei Monate vor Beginn der Biennale kam die Zusage. Sechs Tonnen Material mussten für die Zipp-Ausstellung auf kleine Boote geladen werden. Während des Aufbaus gab es Hochwasser in Venedig. Ein zur Ausstellung gehörender Behandlungsstuhl musste wieder aus dem Kanalwasser gefischt werden.Die Biennale-Leitung hat auf ihrer Website einen Schaukasten eingerichtet, in dem rund 170 Räumlichkeiten aufgezählt sind, die für Ausstellungen zur Verfügung stehen.

So viel Kunst wie in diesem Jahr gab es in Venedig noch nie. Längst hat die Nachfrage nach Ausstellungsraum das Angebot überstiegen. Die Mietpreise sind im Vergleich zur vergangenen Biennale um 40 Prozent gestiegen. Ein einfacher Lagerraum kostet mittlerweile 10 000 Euro monatlich. Für ein paar Räume in einem Palazzo ist mit einer Monatsmiete von mindestens 40 000 Euro zu rechnen, und wenn der Palazzo am Canal Grande liegt, erhöht sich die Summe noch beträchtlich. 500 bis 1000 Euro kostet die Erlaubnis, ein Banner am Palazzo anzubringen. Dazu kommen noch Ausgaben für die Ausstellungseinrichtung, das Wachpersonal, die Unterkünfte, Empfänge, Werbung, Pressebüro und den Transport der Kunstwerke, der sich in Venedig besonders kompliziert gestaltet. Die Stiftung Prada hat während der Eröffnungstage ihrer Ausstellung im hauseigenen Ca' Corner allein für die Wassertaxis ihrer Gäste 25 000 Euro ausgegeben.

Für die Stadt Venedig ist die Kunstbiennale das große Geschäft. Gewinnbringender als Filmbiennale und Karneval zusammen. Die Stadt selbst bietet mittlerweile eigene Räume an, wie das leer stehende Kloster Santi Cosma e Damiano auf der Giudecca-Insel für 32 000 Euro. Privatleute überlassen für die Dauer der Biennale ihre Wohnung der Kunst, und Konservatorium, Kasernen und Schulen öffnen ihr die Räume. Sogar die Kurie profitiert von der Biennale. Ihre Angebote sind immer noch sehr preisgünstig. So kann man die kleine Kirche San Samuele oder San Lio schon für 15 000 Euro monatlich mieten. Längst sind es nicht mehr verarmte Adlige, die ihre Paläste zur Verfügung stellen und sich für einige Monate in die Dienstbotenzimmer zurückziehen. So organisiert die niederländische Global Art Affairs Foundation (art 6/2013) Ausstellungen in vier der schönsten Palazzi der Stadt: Palazzo Bembo, Palazzo Mora, Palazzo Michiel und Palazzo Rossini. Länder, die über keinen Pavillon in den Giardini oder dem Arsenale verfügen, lassen sich ihren Auftritt 100 000 bis 500 000 Euro kosten.

Kunstbiennale

bis 24. November,
Venedig
http://www.labiennale.org/en/art/index.html