Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Andrea Graf einen Kaffeeklatsch mit Niki de Saint Phalle in Berlin, zerschnipselte Tageszeitungen in Leverkusen und die "Dreiviertler" aus der Wiener Architekturszene.

Frankfurt: Uwe Lausen "Ende schön alles schön"

"Denken ist ungesund", "Der deutsche Killer" und "Ich bin’s nur, euer Sohn": Werktitel dieser Art erscheinen ironisch und sollen wachrütteln. Uwe Lausen gilt als Revolutionär. Seine Rebellion als Einzelgänger richtete sich in den ersten Jahren seines nur 29-jährigen Lebens gegen sein Elternhaus, später gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Deutschland der sechziger Jahre. Den hereinbrechenden Einfluss der Pop Art übersetzt er in eine laute und zeitgemäße Sprache. Er thematisiert die Kehrseiten der Gesellschaft mit einer brutalen Expressivität und penetranten Direktheit, wie es bis dahin kaum einer gewagt hatte. Seine Motive stammen aus dem politischen Untergrund, der Aussteiger- und Drogenszene. Der Betrachter soll die dargestellten Zustände selbst hinterfragen. Die Schirn Kunsthalle widmet dem Künstler anlässlich seines 40. Todestages eine große Retrospektive (4. März bis 13. Juni).

Berlin: "Porträts und Stillleben" von Vera Mercer

Natürliche, vertraute Schwarzweiß-Porträts von internationalen Künstlern und inszenierte, gekünstelte Stillleben von Speisen in schrillen, satten Farben: Wie lassen sich derartige Exponate miteinander vereinen? Bei genauerer Betrachtung bildet die Stadt Paris den gemeinsamen Ausgangspunkt für dieses genrereiche Werkspektrum der deutsch-amerikanischen Künstlerin Vera Mercer.

Als Teil der Pariser Künstleravantgarde porträtierte sie in den sechziger Jahren Künstler wie Marcel Duchamp und Niki de Saint Phalle zum Beispiel im Café mit Eva Aeppli. Parallel lichtete sie die alten Pariser Markthallen ab und gelangte so zum eigentlichen Hauptsujet ihres künstlerischen Gesamtwerks, der Nahrung. Stillleben von Fleisch und Gemüse sowie Blumenfotografien werden zu bildgewordenen Irritationen arrangiert, Größenverhältnisse werden hintersinnig verdreht. Die sinnlich-surreale Ausstellung von 7. März bis 25. April in der Kommunalen Galerie Berlin gibt einen Überblick über nahezu ein halbes Jahrhundert Fotografie.

Bad Homburg: "Günther Förg - Aufbruch der Farben"

Vibrierende Farbfelder, geometrische Abstraktionen, unregelmäßige Gitter: Derart intensive Farbkombinationen mit oft landschaftlichen und floralen Anmutungen zeigt die Altana Kunststiftung im Sinclair-Haus von 5. März bis 30. Mai. Ausgestellt werden rund 100 Arbeiten des Malers, Bildhauers und Fotografen Günther Förg, der jegliche gestaltete Figuration aus seinen Bildern beseitigt. Abstraktion ist Förgs explizite Bildsprache. Die Energie der Farbe bringt er in ihrer reinsten Form zum Ausdruck und bietet durch das farblich-abstrakte Spannungsfeld genügend Freiraum für individuelle Assoziationen. Jede seiner Arbeiten und der Ausstellungsbesuch selbst versprechen einen spannungsvollen "Aufbruch der Farben".

Leverkusen: "Albrecht Schäfer. Ein Tag"

Eine Initiative des Museums Morsbroich animiert Künstler, die besonderen architektonischen Gegebenheiten des Museums zu reflektieren und diese für ihr künstlerisches Arrangement zu nutzen. Dieser Einladung ist Albrecht Schäfer gefolgt und spielt von 7. März bis 9. Mai mit den gebotenen Räumen. Licht und Dynamik stellen nicht nur wesentliche Elemente des Museumsgebäudes dar, sondern sind zugleich thematischer Schwerpunkt in Schäfers Werk. Zum Thema Tages- und Kunstlicht, Lampen und Schatten schafft er Arbeiten mit unterschiedlichen Medien wie Collage, Video, Installation. Die zum Teil eigens für das Museum konzipierten Exponate harmonieren hervorragend mit den örtlichen Ausstellungsräumen, die dem Ausstellungshaus den Titel "Museum des Jahres 2009" eingebracht haben. Inhaltliches und thematisches Konzept der Ausstellung stellt die Installation "Ein Tag" dar. Schäfer durchzieht das gesamte Museum mit einer einzigen Textlinie. Entnommen wurde der Text einer kompletten Ausgabe der Tageszeitung "Die Welt" und wurde Satz für Satz zerschnitten. Die entstandene Textlinie wird aus der Distanz betrachtet zum Horizont und unterstützt die architektonische Idee der Abfolge von Raum zu Raum.

Wien: x projekte der arbeitsgruppe 4

Architekturfans, ab nach Wien! Das Architekturzentrum Wien gewährt erstmals Einblick in Projektarbeiten der Arbeitsgruppe 4. Die "Dreiviertler", durch Ausstieg eines Gründungsmitglieds von vier auf nur noch drei Protagonisten reduziert, haben über die Architekturgrenzen hinweg Berühmtheit erlangt und gelten in der Wiener Szene als legendär: Wilhelm Holzbauer (der Name ist Programm), Friedrich Kurrent und Johannes Spalt. Besucher können von 4. März bis 31. Mai auf Entdeckungstour gehen und Entwürfe, Fotografien sowie Modelle bekannter Bauwerke im österreichischen Raum bestaunen. Um dem Namen "Dreiviertler" alle Ehre zu machen, dient ein Tisch, der drei Viertel der Ausstellungshalle einnimmt, als Präsentationsfläche für die exponierten Projekte.