Brad Downey

Lacoste / KaDeWe

Crocodile Downey
Ungelogen: "Something outside will turn green" schrieb US-Künstler Brad Downey in seiner Projektbeschreibung (Foto: Richard Schwarz)

CROCODILE DOWNEY

Anlässlich des 75-jährigen Markenjubiläums lud das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) das französische Modelabel Lacoste ein. Und Lacoste wiederum wählte elf Berliner Künstler aus, um die KaDeWe-Schaufenster zu bespielen. Einer von ihnen war der US-Künstler Brad Downey – bekannt für seine radikalen Straßeninstallationen und –performances. Und man hätte sich schon denken können: Wer einen Rebellen einstellt, der bekommt auch einen Rebellen. Als Downey dann aber wie gefordert die Schaufenster bespielte, war man plötzlich alles andere als amüsiert.
// GUNNAR LUETZOW, BERLIN

Berlin sieht rot. Bisher hatte sich die Hauptstadt mit dem Ruf von "Spray-Athen" anstatt "Spree-Athen" arrangieren können – zumindest die Touristen mögen dieses urbane Flair. Doch seit einer Woche ist der Spaß vorbei. Ausgerechnet das Kaufhaus des Westens (KaDeWe), sakrosankter Inbegriff des West-Berliner Glamour-Konzepts, wurde Opfer einer mit einem Feuerlöscher ausgeführten Farbattacke: Großflächig grün erschien die Schaufensterfront.

Zeter und Mordio schrien da die einen, andere stießen schnell auf Informationen, die das Ganze nicht kriminell, sondern als Happening zwischen Werbung und Kunst erscheinen ließen.

Höchste Zeit, bei den Beteiligten nachzufragen: Da ist einerseits der in einem Hotel in Kudamm-Nähe residierende Monsieur Lacoste. Ein distinguierter älterer Herr mit Lacoste-Hemd und Lacoste-Uhr, flankiert von zwei eifrig mitschreibenden PR-Bodyguards. Gerne spricht der Vorstandsvorsitzende und Sohn des Firmengründers über den Wert einer Marke mit historischen Wurzeln, die nun aber auch in der Clubszene angesagt sei. Und sein Pressechef empfiehlt, auf Youtube nachzuschauen: Viele Musiker trügen das Krokodil auf der Brust oder am Schuh. Doch bei einer Frage blinzelt Monsieur Lacoste etwas indigniert durch die Gläser seiner Lacoste-Brille: Die Sache mit dem KaDeWe, davon habe er gehört. Doch: "So eine wichtige Farbe ist grün nun auch wieder nicht. Und wenn das jeder täte, würde morgen Hermès die Straßen orange ansprühen lassen."

Andererseits ist da der amerikanische Künstler Brad Downey, 28, der so gar nicht ins Bild des Sprüh-Bombers aus dem Underground passt. Überpünktlich erscheint er am anderen Ende der Stadt zur Pressekonferenz in einer Off-Galerie in der Nähe der Jannowitzbrücke und hat die akkurat geheftete Dokumentation seiner Till Eulenspiegel gewidmeten Aktion "Don´t worry about that shit, Rene" gleich mitgebracht. In den Unterlagen zu entdecken: Eine Projektbeschreibung in der es deutlich heisst: "Something outside will turn green." Dazu als Belege Kontoauszug und Korrespondenz.

Ebenfalls mitgebracht hat er eine klare Botschaft: "Ich war zu allen ehrlich. Das war keine radikale Aktion! Sie haben mich für das bezahlt, was ich beschrieben habe, und genau das haben sie bekommen. Nur dass es ihr Gebäude sein würde, habe ich nicht gesagt. Aber wenn sie mich für Vandalismus bezahlen, warum sollte es nicht ihr eigenes Gebäude sein?" Auf Nachfrage wird er auch deutlicher: "Keine Firma, ob groß oder klein, sollte Straftaten in Auftrag geben. Niemand." Darüber hinaus verweist er auf die um sich greifende Verschandelung des öffentlichen Raums in Berlin, wie sie derzeit beispielsweise durch die vom Mobilfunkbetreiber o2 gesponserte "o2-World" zu erleben sei.

Von all dem will man jedoch im KaDeWe, dessen Schaufenster jetzt mehr oder weniger ans Kroko-Logo erinnernde Installationen elf weiterer junger Künstler von Paul Snowden bis Anne Sofie Visten zieren, nichts gewusst haben. Das kommt bei der hippen Zielgruppe, die man mit der ganzen Aktion ins Zentrum West locken wollte, gar nicht an – und auch auf den Preis für den PR-Stunt des Jahres scheint man in der Tauentzienstraße verzichten zu wollen. Wahrscheinlich ist man dort in Sachen Guerilla-Marketing einfach noch etwas grün hinter den Ohren.

"Gallery 12.12 – ohne Brad Downey"

Termin: bis 12. Juli, Kaufhaus des Westens, Berlin.

http://www.kadewe-berlin.de

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1 Leserkommentar vorhanden

SUPASLALOM

23:40

03 / 06 / 08 // 

HE HE!

Das war die späte Rache für die fönfrisierten Popper aus den 80ern, die mit Ihren LaCoste-Shirts und Mokassins immer so auf doof gemacht haben. Das das heute in Clubs wieder angesagt sein soll, glaube ich einfach nicht ...

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