Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfehlen art-Autorinnen Andrea Graf und Sanja Brandt die Philosophie der Schnüre in Chemnitz, Zeitreisen und das gläserne Leben in Berlin und Illusionsspiele und Elterngefühle in München.

München: "Für immer Dein" – eine Abrechnung/Hommage mit dem Elternhaus

"In der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein", lautet die These Paul Watzlawicks. Und Recht hat er. Wir werden zwar erwachsen, aber im Ansehen unserer Eltern bleiben wir dennoch ein Leben lang eins: (ihre) Kinder.

Für uns hingegen werden Mama und Papa oftmals zu seltsamen Leuten, mit denen man einmal unter dem gleichen Dach gewohnt und aus dem gleichen Napf gegessen hat. Im Erwachsenenalter tritt man ihnen dann oftmals mit eher gemischten Gefühlen gegenüber: Vertrautheit und Fremdheit, Zuneigung und Distanzierung, Bewunderung und manchmal auch Verachtung. Sieben deutsche und internationale Künstler haben das Verhältnis zu ihren Eltern zum Thema ihrer Arbeiten gemacht und stellen die Ergebnisse von 19. März bis 24. April in der Lothringer 13 in München aus. Neben einer Re-Inszenierung der eigenen Geburt und Videos mit der alkoholkranken Mutter ist eine berührende Dokumentation über eine letzte Reise mit der Urne des Vaters ausgestellt.

Berlin: "Wir können auch anders" – eine Zeitreise von 16 Kunststudenten

Die Geschichte ist unser Schicksal und ist nun mal passiert. Doch, halt: "Wir können auch anders!", rufen 16 Studenten der Universität der Künste und Kunsthochschule Weißensee ganz provokant unresigniert aus. Mit diesem Versprechen zeigen die jungen Künstler vom 20. März bis zum 15. April ihre gleichnamige Ausstellung in der Berliner Galerie Bourouina. Eine spannende Zeitreise durch das 20. Jahrhundert darf erwartet werden, mit allen Höhen und Tiefen, die ein ganzes Jahrhundert mit sich bringt, von kleinen bis großen Geschehnissen. Geschaut wird immer durch die Brille der nüchternen Gegenwart. Mit dem harten Urteil der Jugend und einer Prise Witz vereint die Ausstellung: "türkische Imbisskultur und Okkultismus, aber auch die stilistischen Geheimnisse von Architektur und Möbeln mit den Mythen von Malerei und Plastik."

Chemnitz: "Malerei ist eine Struktur" - Malerei von Gerhard Hoehme

Wir werden wohl niemals erfahren, was der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos von moderner Kunst gehalten hätte. Rund 2500 Jahre später jedenfalls halten Heraklits Gedanken Einzug in die moderne Kunst, denn für den 1989 gerstorbenen Maler Gerhard Hoehme war die Schnur "die plastische Form des heraklitischen Denkens". Immer wieder lassen sich Schnüre, Fäden und Bänder in den Werken Hoehmes finden: wild angeordnet, brav aufgereiht oder sogar das Bild überragend. Doch auch andere Alltagsgegenstände sind experimentell in den ganz eigenen Malstil mit untergebracht, vermischt mit Farbe lassen sich beispielsweise Damasttischdecken, PVC-Folien und Schnittmuster finden. Die Titel zu den Arbeiten, die zwischen 1951 und 1989 entstanden sind, tragen fragend philosophische oder heitere Namen wie "Wohin, Bürger?" oder "Böse Buben". Die Retrospektive des informellen Malers mit dem Titel "Malerei ist eine Struktur" ist vom 14. März bis zum 24. Mai in den Kunstsammlungen Chemnitz ausgestellt.

München: Per Mårtenssons Spiel mit der Illusion

Falls Sie sich im Vorbeigehen wundern, warum die Galerie Zink statt Kunst nun beachtlich viele Fenster schmückt, dann empfiehlt sich ein zweiter Blick in die Ausstellungsräume: Denn die vermeintlichen Glasscheiben mit Lamellenvorhängen sind eigentlich effektvolle Ölgemälde des schwedischen Künstlers Per Mårtensson. Vom 19. März bis zum 1. Mai entführen die Werke Mårtenssons den Betrachter in ein Spiel der Illusion, von realistischer Malerei bis hin zu raffinierten Kompositionen werden ganz neue Räume geschaffen, immer täuschend echt: Bitte passen Sie also auf wo Sie hintreten!

Berlin: "Teatr Laboratorium" – Performance von Spencer Sweeney

Angefangen hat alles im Herbst 2009, damals bewohnte Spencer Sweeney die New Yorker Galerie "Gavin Brown´s Enterprise", um in dieser Zeit seinem Publikum so nah wie möglich zu sein und Einblicke in die kreativen Prozesse seines Schaffens zu geben. Nun gibt es eine Fortsetzung des gläsernen Lebens: 43 Tage lang, vom 13. März bis zum 23. April, wird es sich Spencer Sweeney mit "Teatr Laboratorium" bei "Veneklasen Werner" gemütlich machen. Für diese Zeit wandelt der Performancekünstler die Räume der Berliner Galerie in Werkstatt, Labor, Studio und Bühne um. Während des Aufenthalts soll es immer wieder Performances geben, und Sweeney wird an seinem bei Gavins Brown angefangenem "Stück in drei Akten" weiter arbeiten, welches dann am letzten Tag seines Aufenthaltes – quasi als Auszugsparty- als Rockoper uraufgeführt wird.