Bookmarks - Lesetipps Dezember

Kunstbücher zum Verschenken

art-Redakteurin Ulrike von Sobbe hat für Sie einen Nikolaus-Sack mit den schönsten Bildbänden, Katalogen und Lesebüchern des Herbstes gepackt.
Kunstbücher zum Verschenken:die Buchtipps für den Monat Dezember

Zum Lesen, Schauen und Genießen: Die schönsten Bücher des Herbstes 2009

Barbara Klemm: Straßen Bilder

Der einzigartige Moment: "Es gibt", schreibt Hans Magnus Enzensberger, "keine Zivilisation ohne die Straße. Selbst zur Hütte des Einsiedlers führt eine Spur." Barbara Klemm, die vier Jahrzehnte lang als Redaktionsfotografin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in allen Weltgegenden unterwegs war, folgt in ihrem neuesten Band vielen Spuren, die eine kleine Welt bedeuten.

Jedes ihrer Schwarzweiß-Fotos erzählt seine eigene Geschichte, in jedem bewahrt sie wie in einer Schatulle einen einzigartigen Moment. Eine Wechselstube in einem schäbigen Wohnwagen in Lemberg, zwei herausgeputzte Frauen, die in Krakau achtlos an einem knienden Bettler vorbeilaufen, ein mürrisch dreinblickender dicker Herr auf einer Rikscha in Kalkutta – Klemms Fotografien machen Abgründe, Verlockungen und alltägliche Schicksale auf der Bühne der Straße sichtbar. Dabei erhebt sich ihr Blick nie über die Menschen, sondern begegnet ihnen auf Augenhöhe. Nicht etwa "Straßenbilder", sondern "Straßen Bilder" heißt der wunderbare Band, weil sich hier nicht nur all die Dramen des Alltags abspielen, sondern auch die Bilder dazu finden lassen. (Nimbus Verlag. Texte von Barbara Catoir und Hans Magnus Enzensberger. 256 S., zahlr. Abb., Euro 54) Thomas Wagner

Xavier Tricot: James Ensor. Die Gemälde

Der Masken-Maler: Der Belgier (1860 bis 1945) zählte neben Vincent van Gogh und Edvard Munch zu den Avantgardisten des Nordens, er war aber auch Wegbereiter der deutschen Expressionisten und der französischen Surrealisten. Mit seinen grotesk-karnevalesken Szenen wurde er als "Maler der Masken" berühmt. Wie vielfältig sein Werk tatsächlich ist, lässt sich anhand des umfangreichen und großzügig bebilderten Werkverzeichnisses der Gemälde entdecken. Eine illustrierte Chronologie liefert zusätzlich ausführliche Hinweise zu Leben und Werk. (Hatje Cantz Verlag. 480 S., 1029 Abb., 178 Euro bis 31.12.09, danach 198 Euro)

Ed Ruscha: Fifty Years of Painting

Der Realität auf der Spur: Mit Stilfragen hat sich Ed Ruscha nie lange aufgehalten. Ob Pop Art oder Surrealismus, Konzeptkunst oder Postmoderne: Unbekümmert probierte der inzwischen 72-jährige Amerikaner, der auch als Fotograf, Filmemacher und Grafiker arbeitete, auf seinen Bildern neue Mittel aus, um der Realität auf die Spur zu kommen. Welch erstaunliche Bandbreite er dabei erreichte, belegt jetzt eine Wanderausstellung, die Anfang 2010 auch ins Münchner Haus der Kunst kommt und zu der dieser (nur englischsprachige) Katalog erschienen ist. (Verlag der Buchhandlung Walther König. 192 S., 180 Abb. 39,80 Euro)

Henri Matisse. Cut-outs. Zeichnen mit der Schere. 2 Bde

Kostbare Papierschnipsel: Zu krank um einen Pinsel zu führen, begann Henri Matisse in hohem Alter, mit der Schere Formen in leuchtend buntes Papier zu schneiden. Diese Scherenschnitte gehören heute zum Schönsten, was die Moderne hervorgebracht hat. Die aufwändige Publikation des Taschen-Verlages ist dieser letzten Werkphase des großen Franzosen gewidmet. Der Schuber birgt eine originalgetreue Edition des Künstlerbuches "Jazz" sowie einen weiteren Band, der sich der Entstehungsgeschichte der Scherenschnitte widmet, ergänzt durch Schlüsselwerke seines letzten Lebensabschnitts und selten gezeigte Fotoporträts des Künstlers von Henri Cartier-Bresson oder Brassai. (Taschen Verlag. 486 S., zahlr. Abb., 150 Euro)

Gegen jede Vernunft. Surrealismus Paris-Prag

Die Freiheit des Denkens: "Dass der Surrealismus auf internationaler Ebene agieren muss", forderte einst sein Anführer André Breton, und seine leidenschaftlichsten Mitstreiter fand der charismatische Franzose ab Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in der Tschechoslowakei. Wie lebhaft man sich alsbald in Paris und Prag mit der surrealistischen Idee – aber auch miteinander – beschäftigte, dokumentiert eine Retrospektive in Ludwigshafen (bis 14. Februar 2010) mit opulentem Katalog. (Belser Verlag. 359 S., zahlr. Abb., 29,90 Euro)

Stefan Gronert: Die Düsseldorfer Photoschule

Unsere Besten: Das Düsseldorfer Fotografen-Ehepaar Bernd und Hilla Becher wurde zu den Begründern der dokumentarischen Industriefotografie, und seit Bernd Becher 1976 den ersten deutschen Lehrstuhl für Fotografie bekam, gelang es ihm, eine ganze Schar heute weltberühmter Fotografen entscheidend zu beeinflussen, darunter Candida Höfer, Andreas Gursky und Axel Hütte. Der Kunsthistoriker Stefan Gronert schildert knapp und kenntnisreich die Erfolgsgeschichte der "Düsseldorfer Photoschule" und stellt die Lehrer und zehn "Schüler" mit einer kleinen Werkauswahl vor (Ausstellung bis 14. Februar 2010 in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München). (Schirmer/Mosel Verlag. 320 S., 162 Abb. 78 Euro)

Frank Zöllner: Botticelli

Publikumsmagnet: Die große Schau des genialen Malers der italienischen Frührenaissance (1445 bis 1510) im Frankfurter Städel zieht die Besucher in Scharen an. Wer sich darüber hinaus am Werk des Florentiners erfreuen möchte, findet hier einen grandiosen Katalog mit sämtlichen Gemälden – für Fachleute und Laien gleichermaßen geeignet. (Prestel Verlag. 320 S., 240 Abb., 39,95 Euro)

Hamburger Ansichten. Maler sehen die Stadt

Städtetrip um 1900: Der legendäre erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, fühlte sich so leidenschaftlich seiner Stadt verbunden, dass er ab 1890 über Jahrzehnte zeitgenössische Künstler einlud, in die Hansestadt zu kommen und das urbane Leben an der Alster oder das Treiben im Hafen in Bildern einzufangen. Mit der so entstandenen Sammlung, darunter auch Werke von Max Liebermann, Lovis Corinth oder Pierre Bonnard, begründete er die moderne Abteilung seines Hauses, verbunden mit der Hoffnung, über die vertrauten Stadtmotive dem eher konservativen Bürgertum künstlerisches Neuland nahe zu bringen. Zu einer Ausstellung zusammengefügt, erzählen nun 90 Gemälde und zahlreiche Fotografien von der Geschichte einer Stadt am Wasser um die vorletzte Jahrhundertwende (Hamburger Kunsthalle bis 14. Februar). (Wienand Verlag. 208 S., über 120 Abb., 29,80)

Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder. 1900 bis 1949. 1949 bis heute. 2 Bde

Faszinierende Zeitreise: Dass die Geschichte des 20. Jahrhunderts "wesentlich von visuellen Medien mitgestaltet wurde", beweist der Historiker Gerhard Paul in diesem zweibändigen Wälzer eindrucksvoll. Er präsentiert eine spannende Zeitreise in Bildern und setzt sich dabei souverän über Grenzen hinweg: Eine Coca-Cola-Anzeige besitzt für ihn ebenso viel Aussagekraft wie ein "Spiegel"-Titel, das verwackelte Foto vom Kennedy-Attentat erzählt ebensoviel über die Zeitläufte wie das psychedelische Plakat zu einem Jimi-Hendrix-Konzert. Wer also mehr über Bilder und ihre Wirkung wissen will, hier wird er fündig. (Vandenhoeck & Ruprecht 822 S., 798 S., ca. 1000 Abb. je 39,90 Euro)

Christopher Thomas: New York Sleeps

Traumhaft schön: Dass New York niemals schläft, gehört zu den Weisheiten, die es schon in die Hitparaden gebracht haben – dass sie falsch ist, will der Fotograf Christopher Thomas beweisen. Und tatsächlich: Die Aufnahmen, die er vor Tagesanbruch oder im Morgengrauen für seinen stimmungsvollen Bildband gemacht hat, zeigen eine menschenleere Metropole, die wie unter einem Zauber zu schlummern scheint. Ob Fifth Avenue, Grand Central Station oder Brooklyn Bridge – so idyllisch haben Stein und Stahl im "Big Apple" kaum jemals für eine Kamera vor sich hingeträumt. (Prestel Verlag. 144 S., 70 Abb. 29,95 Euro)

Alan Hess/Alan Weintraub: Oscar Niemeyer – Bauten für die Öffentlichkeit

Üppiger Auftritt für einen großen Avantgardisten: Mit seinen inzwischen fast 102 Jahren zählt er längst zu den Großmeistern der internationalen Architektur-Moderne. Oscar Niemeyer verblüffte die Welt seit den Dreißigern mit immer neuen Entwürfen, in denen schwungvolle Kurven und amorphe Formen über den rechten Winkel triumphierten und die schließlich in dem Gesamtkunstwerk der neuen brasilianischen Hauptstadt Brasilia kulminierten. Jetzt sind alle seine öffentlichen Bauten in diesem Bildband zu besichtigen, und dass er so üppig daherkommt, ist diesem kühnen Avantgardisten nur angemessen. (Deutsche Verlagsanstalt. 368 S., 425 Abb., 89,95 Euro)

Laure Adler: Endlose Liebe. Leidenschaftliche Frauen von Tizian bis Warhol

Starke Gefühle: Sie sind der Magie verfallen oder von Hass getrieben, der Liebe hingegeben oder von Macht durchdrungen. Von Tizians Venus über Goyas Maja bis zu Dalis Gala wurden die sensibelsten, die gefährlichsten und die verführerischsten Frauen der Kunstgeschichte für diesen Band versammelt und mit knappen, aber ebenso unterhaltsamen wie kundigen Texten versehen. "Was gibt es Schöneres als über Frauen nachzudenken", fragte schon Auguste Rodin. (Elisabeth Sandmann Verlag. 160 S., 130 Abb., 24,95 Euro)

Zahi Hawass: Die verbotenen Gräber in Theben

Betreten verboten: Seit der Entdeckung des Grabs von Tutanchamun ist das Tal der Könige zum Anziehungspunkt für Ägyptenbegeisterte aus aller Welt geworden. Im thebanischen Massiv gibt es aber noch viele weitere Grabstätten mit spektakulären Malereien und Reliefs. Doch man kann sie nicht betreten. Sie sind für den Publikumsverkehr geschlossen und nur für Forscher zugänglich. Zusammen mit dem Fotografen Sandro Vannini hat Zahi Hawass, der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, exquisite Beispiele für diesen Band ausgewählt. Der Leser spaziert nun durch diese eindrucksvollen ägyptischen Grabstätten, die nie auf dem Programm einer Studienreise zu finden sein werden. Die gestochen scharfen Aufnahmen des renommierten Fotografen Sandro Vannini ermöglichen in erstklassiger Druckqualität ein authentisches Betrachtungserlebnis von ägyptischer Kunst und Kunstfertigkeit. (Verlag Philipp von Zabern. 288 S., 20 Klapptafeln, 300 Abb., Einführungspreis bis 31.1.2010 69,90 Euro, danach 89,90 Euro)

Michel Comte: Thirty Years and Five Minutes

Augenfreude pur: Wenn sich die Schönen und Großen dieser Welt mal richtig ins Bild setzen lassen wollen, dann ist dafür der Fotograf Michel Comte gern die erste Wahl. So ist der Schweizer im Laufe der vergangenen 30 Jahre vom Autodidakten zu einem der besten Glamour-Fotografen der Welt geworden. Zu einer repräsentativen Retrospektive in Zürich (bis 3.1.2010 Museum für Gestaltung) ist jetzt ein ebenso repräsentativer Bildband mit seinen besten Aufnahmen erschienen. (TeNeues Verlag. 304 S., 208 Abb., 128 Euro)

Edition Giorgio Vasari

Anspruchsvolles Lesevergnügen: Ohne seine Erzählungen wüssten wir heute kaum etwas über das Leben der großen italienischen Meister. Giorgio Vasari (1511 bis 1574), eigentlich Architekt und Hofmaler der Medici, gilt durch seine biografischen Schriften über zeitgenössische Meister, darunter Leonardo da Vinci, Raffael und Michelangelo, als einer der ersten Kunsthistoriker. Der Berliner Wagenbach Verlag hat vor einigen Jahren begonnen, seine riesige schriftliche Hinterlassenschaft neu zu übersetzen und als Edition herauszugeben. 24 Titel des Opus magnum sind bereits erschienen. 21 weitere werden noch folgen, vier Bände pro Jahr. Diesen Herbst gab es "Das Leben des Michelangelo". (Wagenbach Verlag. 576 S., zahlr. Abb., 24,90 Euro)

Die Vatikanischen Gärten

Spaziergang im Verborgenen: Was tausenden Pilgern verwehrt bleibt, möchte dieser exquisite Bildband erlebbar machen: die stille Oase, die sich wie ein grüner Gürtel um den Petersdom legt, aber nur dem Papst und seinen Mitarbeitern offen steht. Dabei haben Fotograf und Autor ihre Aufmerksamkeit besonders auf die Gartenarchitektur gerichtet, die jene tausendjährige Geschichte des Ensembles spiegelt. Manieristische Blumenrabatten im französischen Stil, englische Parkanlagen oder Brunnen, Statuen und Pavillons aus fünf Jahrhunderten fügen sich zu einem einzigartigen Naturdenkmal. (Verlag Schnell + Steiner. 240 S., über 300 Abb., 49,90 Euro)

Design-Atlas. Von 1850 bis heute

Die Dinge des Lebens: Warum ist die Toblerone dreieckig? Der Band blättert das riesige Panorama der Designobjekte mit rund 900 Abbildungen auf. All die Gegenstände, die uns ständig begleiten, ihre Herkunft, ihre Markengeschichte werden vorgestellt: Möbel Elektrogeräte, Autodesign, Kleidung oder Verpackungen. Schönes und weniger Schönes - ein Überblick über 150 Jahre Kultur und Geschmack. (DuMont Buchverlag. 424 S., zahlr. Abb., 24,95 Euro)

Eva-Lotta Fast und Jutta Götze: Auf Reisen mit Picasso

Für Kids: Freude am Malen, Kleben, Schnitzen, Zeichnen und Erkunden anderer Techniken sollte ein Kind schon haben, wenn es dieses von Grafikerin Eva Dalg einfallsreich gestaltete Buch über Pablo Picasso richtig auskosten möchte. Denn die Autorinnen stellen nicht nur die wichtigsten Lebensstationen des großen Meisters und natürlich bedeutende Werke vor. Ein Großteil des Buches besteht vielmehr aus Anregungen, selbst kreativ zu werden: Wie mache ich ein Sandbild oder eine Montage aus Fundstücken? Ausführliche Anleitungen dazu und etliche weitere Tipps, um Picassos Techniken praktisch zu erproben, sind hier versammelt. Allerdings sind die Aufgaben auf hohem Niveau angesiedelt und für Sechsjährige – ab dieser Altersstufe wird das Buch angeboten – ohne tatkräftige Unterstützung kaum zu meistern. Angelika Kindermann. (Coppenrath Verlag. 128 S., mit Abb., 19,95 Euro)

Gabriele Cadringher: Schiffsplakate 1873–1962

Die Königinnen der Meere: Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert haben die großen Schifffahrtsgesellschaften mit großem Aufwand das Reisen auf ihren Ozeanriesen beworben. Dabei sind Plakate entstanden, die bis heute mit gigantischen Schiffskörpern und exotischen Hafenstädten faszinieren und so zu einem begehrten Objekt für Sammler geworden sind. Der Prachtband im Überformat präsentiert über 200 Plakate aus 100 Jahren – Fernweh pur. (Hirmer Verlag. 199 S., 206 Abb., 75 Euro)

Bauhaus Streit 1919–2009

Disput über Form: Das 90-jährige Bauhaus-Jubiläum war eines der großen Themen dieses Jahres (siehe art 7/2009). Keine andere kulturelle Bewegung war jedoch gleichzeitig so umstritten und gefeiert. Wer sich über Kontroversen und Kontrahenten der politischen und künstlerischen Auseinandersetzung um die berühmte Schule befassen möchte, findet in diesem Buch 15 kluge Essays. (Hatje Cantz Verlag. 312 S., 31 Abb., 20 Euro)

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