Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit „Berlin. Status (1)“, Katharina Koppenwallner, Jan Albers, N55 und Alexandra Bircken.

Berlin: Status (1)

Letztes Jahr entzweite der Streit um die "Leistungsschau" getaufte Überblicksausstellung "Based in Berlin" die Kunstwelt der Hauptstadt. Die Kunst werde als Werbung für die Stadt und ihren Bürgermeister missbraucht, zudem fehle ein kuratorisches Konzept war die häufig geäußerte Kritik. Die Kuratoren Christoph Tannert und Sven Drühl setzen dem Hype um die Metropole Berlin nun eine mit 53 Künstlern ähnlich ambitionierte Ausstellung entgegen.

Sie zweifeln daran, dass die Stadt entscheidend ist, sondern halten das "individuelle Vermögen, das in jedem herausragenden Künstler steckt" hoch. Unter diesem Label haben sie so unterschiedliche Künstler versammelt wie die Bildhauerin Stella Hamberg oder den leicht megalomanen Installations- und Zeichenkünstler Ralf Ziervogel, aber auch heiße Talente wie den Maler Jan Muche.

Künstlerhaus Bethanien. 13. April – 6. Mai 2012>

Hamburg: Traditionelle Mode aus aller Welt, an einem Ort versammelt

Ihre Suche nach traditionellen Garderoben verschiedener Völker führte Katharina Koppenwallner (geb. 1966) auf eine Reise durch die Peripherien der Welt. Zu finden waren die Trachten und in Handarbeit entstandenen Stoffe in den abseits gelegenen Regionen, fernab der großen Städte. Das Ergebnis der langen Reise ist "International Wardrobe". Die Ausstellung präsentiert Kleidungsstücke, die teilweise Jahrzehnte alt sind und die Spuren ihres ursprünglichen Trägers aufweisen, für den sie oft maßgeschneidert wurden. Diese Exponate verkörpern ein Stück Kulturgeschichte, verraten aber auch vieles über die ganz individuelle Lebensgeschichte ihres einstigen Besitzers. So findet sich unter ihnen etwa eine ungarische Trachtenjacke aus Kalotaszeg (Rumänien), deren feine, gut erhaltene Perlenstickereien auf die Achtsamkeit ihrer Trägerin verweisen könnten. Auf der Ausstellung können die Kleider begutachtet und anschließend erworben werden.

Kunstverein Hamburg. 12. April – 25. April 2012

Neuss: Dreidimensionale Bilder

Jan Albers (geb. 1971) bricht mit dem traditionellen Bildbegriff: Aus Metall, Keramik, mit Farbe besprühtem oder mit Blattsilber beklebtem Papier, Holz oder Reißzwecken erschafft er Bild-Objekte. Er "baut Bilder", die aus dem Rahmen heraus in unseren Raum eintreten. Von Weitem wirken die in Plexiglasboxen präsentierten Werke, als überschritten die abstrakten Kompositionen nicht ihre Bildgrenze. Je näher man ihnen kommt, desto stärker wird jedoch ihr Objektcharakter. Dies könnte das Bedürfnis wecken, die Werke anzufassen, was jedoch dadurch verhindert wird, dass bedrohliche, in den Raum ragende Metallkonstruktionen die Arbeiten umrahmen. Sie gehören zu Jan Albers’ "ParcOurs mOrtale", der den langgestreckten Oberlichtsaal des Weiteren durch dunkelgraue Felder strukturiert.

Langen Foundation. 15. April – 24. Juni 2012

Cuxhaven: Spaceframe Vehicle

Zugegeben, das "Spaceframe Vehicle" ist nicht das hübscheste Liegerad. Aber man kann es selbst bauen, mit Standard-Aluminiumrohren aus dem Baumarkt, die Anleitung dazu gibt es frei und kostenlos auf der Website der dänischen Künstlergruppe N55. Im Cuxhavener Kunstverein werden die Liegeräder nun in der Ausstellung "N55 – Kunst als Teil des alltäglichen Lebens" präsentiert. Warum Kunstverein und nicht Fahrradladen? Weil Ion Sorvin und Ingvil Aarbakke seit 1994 eine ganze Reihe von Objekten und Projekten gebaut haben, die das Erbe von Künstler-Erfindern wie Buckminster Fuller fortführen: kleine Häuser, Häuser auf Stelzen, Freiluft-Bäckereien, Solartankstellen und Pflanzenmodule für urbane Landwirtschaft.

N55. Kunst als Teil des alltäglichen Lebens. Bis 13. Mai. Cuxhavener Kunstverein

Bonn: Aus Metall gestrickt

Erst baute sie mit Wollfäden Installationen für Ausstellungsräume, jetzt strickt sie mit Metall. Ihr unkonventioneller Umgang mit Textilien machte Alexandra Bircken nach ihrem Modestudium in London international bekannt. Nun lotet sie die physikalischen Grenzen von Metall aus und spielt mit Geschlechterklischees: Das Metall wird als Werkstoff der Industrialisierung und als Sinnbild der Männlichkeit seinem Kontext enthoben und zu einem Strickmuster verarbeitet. Das Wandrelief "Unknit Bonn" wird bis zum Jahresende im hellen Foyer des Bonner Kunstvereins zu sehen sein, sodass auch das sich in den Jahreszeiten wandelnde Licht, welches die glatten Maschen reflektieren, die Wirkung auf die Betrachter beeinflusst. Zusätzlich werden Birckens Arbeiten in den kommenden Monaten unter anderem in der Gruppenausstellung "Made in Germany 2" in Hannover gezeigt, für die Joachim Gauck die Schirmherrschaft übernahm.

Bonner Kunstverein. 17. April – 25. November 2012