Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: DDR-Blockschokolade, Mauerkleider und jodelnde Künstler.

Graz: Robert Wilson – Voom Portraits

Mit experimentellem Theater wurde Robert Wilson zum Inbegriff der aufkommenden Avantgarde im Manhatten der Siebziger, es folgten monumentale Opern und schließlich Produktionen an den großen Häusern Europas. Er schuf dreidimensionale Objekte, Installationen, Bühnenbilder, Zeichnungen sowie Videoarbeiten, die er in seine Inszenierungen integrierte und weltweit in Museen ausstellte. Nun zeigt das Landesmuseum Janneum in Graz die Videoarbeit "VOOM Portraits", in der Wilsons künstlerische Strategien zu einer Art bildnerischem Gesamtkunstwerk kulminieren.

Die Porträts prominenter Persönlichkeiten wie Jonny Depp, Isabella Rossellini und Mikhail Baryshnikova, aber auch die von unbekannten Menschen und Tieren verbindet er mit eigens für die Arbeit komponierten Stücken von Musikern wie Tom Waits, Marianne Faithful und David Byrne. Alle Elemente seines Ausdrucksrepertoires – von Make-up und Kostüm über popkulturelle Aspekte bis zu Malerei und Design – optimiert er mit den technischen Möglichkeiten des HD-Fernsehens und treibt so seine pompösen Inszenierungen auf die Spitze.

Ravensburg: Säen und Jäten. Volkskultur in der zeitgenössischen Kunst

Wenn die Einkaufspassagen der Welt kaum noch voneinander zu unterscheiden sind, die Mango zum festen Aldi-Sortiment gehört und man problemlos von Land zu Land easy-jetsettet, dann lebt man im großen Globalisierungsland. Als Reaktion darauf tauchen immer häufiger regionale Symbole, Bräuche und Rituale in Mode, Werbung, Film und Musik auf. Und auch in der zeitgenössischen Kunst ist ein solcher Trend zu beobachten. So soll in der Städtischen Galerie Ravensburg gezeigt werden, wie Künstler sich auf verschiedene Weise mit ihrer Volkskultur auseinandersetzten: Diese wird einmal, angefangen mit Beuys, zum Stifter der eigenen sowie der kollektiven Identität, an anderer Stelle werden alte Handarbeitstechniken adaptiert und weiterentwickelt und es vermischen sich lokale und globale zu "glokalen Strategien". Oft bleibt aber auch nur der ironisch-distanzierte Blick auf die eigenen Wurzeln, dann etwa wenn Gabriella Oberkofler mit einem Dirndl bekleidet, die Stadthügel Stuttgarts erklimmt und von dort aus runterjodelt, was nicht mehr zurückzuholen ist: ein Gefühl von Heimat.

Kunst bei der Berlin Fashion Week

Dass die Grenze zwischen Kunst und Mode nicht klar zu ziehen ist, zeigt ab dem 1. Juli auch wieder die diesjährige Berlin Fashion Week. Hier will sich insbesondere die Showroom-Meile in Berlin-Mitte einem breiteren Publikum öffnen. Dabei stellen junge sowie renommierte Designer und Künstler in gastgebenden Showrooms aus: Die Seven-Star-Gallery etwa zeigt mit der Show der Gruppe "2nd Skin" wie Künstler, Illustratoren und Designer zu einem Kreativkollektiv verschmelzen und präsentiert darüber hinaus Arbeiten des Fotografen Rasmus Morgensen, während Modemacherin Sara Schlumpf parallel ihre Haute-Couture-Kreationen vorstellt. In der Königliche-Porzellan-Manufaktur-Galerie verbindet die Nachwuchsdesignerin Karolin Krüger Porzellan und Modeentwürfe zu einer gattungssprengenden Installation. In Zusammenarbeit mit Künstlern der Eastside-Gallery entwickelt Daniel Rodan so genannte "Mauerkleider" und der Fotograf Paolo Roversi widmet sich in einer Gegenüberstellung von Kennedys und Obamas der Stilfrage im Weißen Haus. Und da auch Barbie selbst mit ihren 50 Jahren noch formstabil in jeden Designerfummel passt, bleibt sie auch weiterhin Inspirationsquelle für diverse Designer, die im Rahmen einer Ausstellung in den Galeries Lafayette Accessoires für das Modepüppchen entwerfen.

München: Olaf Martens – Blockschokolade. DDR 1979–1989

Mit dem Fall der Mauer 1989 gelang auch dem Fotografen Olaf Martens (geboren 1963) der berufliche Durchbruch in Deutschland. Durch Zeitschriften wie den "Stern" oder das "FAZ-Magazin" wurde er zum Shootingstar des Ostens, seine Arbeiten aus der DDR-Zeit blieben bis heute jedoch einem breiten Publikum verschlossen. Nun aber hat Martens sein Archiv aufgearbeitet: In der Galerie f5,6 zeigt er Fotografien, in denen er all das ablichtete, was der Staat erlaubte: architektonische Stadtbilder, Landschaften, Porträts, auch die so genannte sozial engagierte Dokumentation und Reportage und Aktfotografie waren nicht verboten. Innerhalb dieser Grenzen und diese austestend, konnte er seine eigene, oft ironische Sicht auf die Dinge zum Ausdruck bringen und seinen für ihn so prägnanten, inszenierten fotografischen Stil entwickeln.

Düsseldorf: Bicepteur

Mit der Ausstellung "Bicepteur" in der Galerie Ruzicska Weiss zeigen die Künstler Niklas Nitschke und Miachel Hofstetter ihre künstlerische Umsetzung des gleichnamigen philosophischen Begriffs, den Slavoj Zizek mit Jacques Lacan in seinem Konzept "des Realen" beschreibt: Es handelt sich dabei um den Raum, der zwischen zwei sich begehrenden Personen entsteht, ein gemeinsamer Schnittpunkt, der beide jedoch ausschließt und voneinander entfremdet. Nitschke und Hofstetter übersetzten dieses Bild mit zwei Pietà-Figurengruppen, so dass drei dieser Zwischenräume entstehen: jeweils zwischen Christus und Maria und zwischen den Skulpturengruppen selbst. Indem die Lücke zum eigenen Akteur wird, stellen sich Fragen wie die nach der Offensichtlichkeit und dem nicht Sichtbaren in der Kunst oder aber die nach der Grenze zwischen Gewissheit und Fremdheit.

Mehr zum Thema auf art-magazin.de