Banksy - London

Most Wanted – Phantombild eines Superstars

Meistens kommt er nachts und arbeitet heimlich – nicht mal sein echter Name ist bekannt. Dafür aber sind die Botschaften des britischen Guerilla-Künstlers Banksy weltberühmt: Er hinterlässt seine Graffitis auf Straßen, Mauern und anderen Bauwerken – weltweit. Jetzt geht in der Londoner Kunstwelt ein Foto um, das Banksy möglicherweise bei einer seiner letzten Aktionen zeigt

Ist er es, oder ist er es nicht? Jeans, Turnschuhe, dunkles Haar – sieht so Banksy, das meistgesuchte Phantom des Kunstbetriebs, aus? Das Alter käme hin, ungefähr Mitte 30 soll der britische Guerilla-Künstler sein. Es wäre das erste Foto, dass Banksy, von dem nicht einmal der vollständige Name bekannt ist, bei der Arbeit zeigt. Ein Passant fotografierte ihn in London mit der Handykamera.

Mit einem Topf gelber Farbe, einem dicken Pinsel und einem Assistenten ist der mutmaßliche Banksy dieser Tage im östlichen Stadtbezirk Tower Hamlet aufgetaucht, um gegen die Obrigkeit zu protestieren. „We need to be clear. Graffiti is a crime“, hatten die Bezirksoberen unlängst verkündet und damit klargestellt: Banksys Werke, die mittlerweile teilweise im sechsstelligen Bereich gehandelt werden – Hollywoodstars wie Angelina Jolie, Brad Pitt und Dennis Hopper sind Fans –, sind genauso illegal wie andere Graffiti-Schmierereien.

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Strecken Teaser

Passen würde es also, wenn Banksy die Behördenschelte auf seine Art kommentiert. Mit wenigen Strichen verlängerte er in Tower Hamlets die gelben Halteverbotslinien und ließ an deren Ende, an der Wand eines Eckhauses, eine Blume sprießen. Eine Aufforderung an die Bürokraten, es auch mal mit ein wenig Flower-Power-Gesinnung zu versuchen?

Die Londoner Kunstwelt rätselt. Einerseits könnte der Mann auf dem Foto wirklich Bansky sein. Andererseits: Würde er seine so streng gehütete Identität so leichtfertig aufs Spiel setzen und sich am helllichten Tag bei der Arbeit erwischen lassen? Seit er zu Beginn des Jahrzehnts anfing, den öffentlichen Raum mit seinen politisch aufgeladenen Schablonen-Graffiti zu bestücken, hat Banksy das Geheimnis um seine Person gewahrt: „Ich muss anonym bleiben, um bei meiner Arbeit nicht verhaftet zu werden.“ Bislang war er der Brite eher durch seine Nacht- und Nebel-Aktionen aufgefallen. Einmal brach er in den Londoner Zoo ein und hängte neben das Pinguinbecken ein Transparent mit der Aufschrift: „Wir sind es leid, Fisch zu essen.“ Auch die großen Museen fürchten Banksys Besuche. Im Louvre platzierte er unbemerkt eine Mona Lisa mit Smiley-Lächeln, und ins Museum of Modern Art schmuggelte er vor drei Jahren das Bild einer Tomatensuppendose – nur, dass sie nicht das Campell-Logo, wie bei Warhol, trug, sondern „Tesco“ darauf stand. Banksys Kommentar: „Nach dem ich das Bild aufgehängt hatte, beobachtete ich, was passieren würde. Hunderte Menschen kamen vorbei, starrten das Bild an und gingen mit einem leicht verwirrten und betrogenen Gesichtsausdruck weiter. Ich fühlte mich, wie ein wahrer moderner Künstler.“ Fast eine Woche lang hing das Bild in der Abteilung für Moderne Kunst, ehe die Aktion überhaupt auffiel.

Wie lange Banksys Primel noch in Tower Hamlets zu sehen sein wird, ist ungewiss. Der Bezirk hat ja schließlich gewarnt.

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