Gib mir Fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: Raketenbäume, Barrenturner, Steckdosen und "Un-Orte"

Göppingen: "Dead End Lopes"

Wie ein chinesischer Lampion schwebt der monotone Wohnblock unter einer Brücke, den der Hamburger Installationskünstler Jan Köchermann dort montiert hat. Eine Steckdose erinnert den Besucher an die Selbstverständlichkeit elektronischer Vernetzung.

Die Installation "Dead End Lopes" präsentiert sich als Raum im Raum, der begehbar und mit allen Sinnen erfahrbar ist. Dabei spielt die geografische und architektonische Umgebung eine besondere Rolle. Auch das Moment des Tunnels – einem eigentlichen "Un-Ort" wie Köchermann sagt, der lediglich zu durchschreiten ist, um an ein Ziel zu gelangen – greift er auf und führt es weiter. In seiner Arbeit lässt der Künstler neue Räume aus ihrem Zusammenhang gelöst entstehen und stellt so reale Erfahrungen in Frage.

27. November 2010 bis 16. Januar 2011 in der Kunsthalle

Berlin: "Higher"

Geometrische Schwarzweiß-Fotografien von Jugendlichen, die hoch hinaus wollen, gibt es ab dieser Woche in der Galerie Micky Schubert zu sehen. Der aus Georgien stammende Künstler David Meskhi inszenierte in dieser Bilderreihe junge Sportler und andere Heranwachsende. Ob Barrenturner oder Skateboardfahrer, alles ist in Balance. Die Innenaufnahmen zeigen unter anderem gestählte Körper von Athleten, die mit Disziplin ein Ziel verfolgen: Ein kunstvoller Salto, der letzter Klimmzug am Reck, der Moment kurz vor dem Sprung. Das Außen scheint ein unendlicher Horizont, minimalistisches Grau von Kreisen durchzogen, coole Kids mit Skateboard üben selbstvergessen und posieren am Kai.
Doch eine Gemeinsamkeit scheinen diese präzisen Konstruktionen aus Punkten und Linien zu haben: Sie fokussieren den Mensch in Augenblicken, in denen er kurz vor dem Schweben zu sein scheint.

24. November 2010 bis 11. Februar 2011 in der Galerie Micky Schubert

Leverkusen: "Neues Rheinland"

Eines haben die 30 Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung "Neues Rheinland. Die postironische Generation" im Leverkusener Museum Morsbroich gemeinsam: Sie kamen überwiegend in den siebziger Jahren zur Welt und leben und arbeiten im Rheinland. Wie der Installationskünstler Martin Pfeifle. Seine Arbeiten nehmen den Raum ganz ein und bewegen sich zwischen Oberfläche, Materialität, Form und Konstruktion. Die Künstlerzwillinge Gert und Uwe Tobias setzen neben Malerei, Aquarell, Keramik, Collage und Wandbemalung auf den Holzschnitt. Einflüsse aus der Popkultur sowie ein spezifischer Witz brechen den Aspekt des Volkstümlichen in den Arbeiten der beiden in Rumänien geborenen Künstler. Die Ausstellung zeigt eine Entwicklung in der rheinländischen Kunst auf – von der Ablehnung einer distanzierten, ironischen Haltung der achtziger Jahre, hin zu mehr Ernsthaftigkeit, Engagement und Humor.

28. November 2010 bis 13. Februar 2011 im Museum Morsbroich

Hannover: "Forst"

Wer nicht bis Weihnachten warten will, um herauszufinden, was man mit einem Baum noch so alles anstellen kann, sollte in der kommenden Woche die Ausstellung „Forst“ des Bildhauers Michael Sailstorfer besuchen. Neben einer raumgreifenden Installation, in der sich auf seltsame Art und Weise die natürliche Reihenfolge der Jahreszeiten umzukehren scheint, ist die Kestnergesellschaft Hannover stolz, ihren Gästen noch eine Reihe weiterer Skulpturen zu präsentieren. Die Monografie des bereits international erfolgreichen Newcomers erscheint zeitgleich im Distanz-Verlag.
Sailstorfer, der an der Münchner Akademie der Künste und dem Londoner Goldsmith College studiert hat, betreibt mit landschaftlichen Interventionen und Installationen, wie beispielsweise der eines Raketenbaums, durchaus eine neue Art der Feldforschung. Und falls man doch den Wald vor lauter Bäumen hier nicht sehen kann, da er sich gerade auf dem Weg zum Mond befindet, kann man sich immer noch in der parallel laufenden Ausstellung des dänischen Künstlers Joachim Koester auf die Suche nach sich selbst begeben, unter dem Motto "Ich bin selbst nur ein Aufnahmeapparat".

26. November 2010 bis 6. Februar 2011 in der Kestnergesellschaft

Leipzig: "TEXT, Neue Arbeiten"

Auf Spurensuche nach kunstgeschichtlichen Verwicklungen kann man sich in der Galerie Kleindienst in der Leipziger Baumwollspinnerei begeben. Dort stellt der ehemalige Professor für Fotografie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Timm Rautert, seine neuesten Arbeiten vor. Rautert war viele Jahre mit sozialkritischem Blick als Fotograf tätig und hat sich parallel dazu verschiedenen Langzeitprojekten gewidmet. Seine bildanalytischen Fotografien, die fragmentarisch kleine Geschichten erzählen, wie beispielsweise den Mord an dem französischen Revolutionsführer Jean Paul Marat, spielen mit dem Informationswert abfotografierter Gemälde und Zeitungsartikel, laden ein kühl zu analysieren oder verträumt neue Zusammenhänge zu entdecken. Mit Detektivischem Spürsinn kann man hier Text und Bildebene abgleichen, erkennen dass die Wahrnehmung der Realität stets variiert, und sich angeregt neue Bedeutungszusammenhänge erschließen.

27. November 2010 bis 24. Dezember 2010 in der Galerie Kleindienst