Unser e.V.

Hartware MedienKunstVerein Dortmund

Unser e.V. – der Hartware MedienKunstVerein Dortmund
Die aktuelle Ausstellung "Waves - The Art of the Electromagnetic Society" im Dortmunder Hartware MedienKunstVerein (Foto: Jens Sundheim)

UNSER E.V. – DER HARTWARE MEDIENKUNSTVEREIN DORTMUND

Von der Hamburger Kiezwohnung bis zur Bremer Kunsthalle: In Deutschland existiert eine weltweit einmalige Landschaft von über 250 Kunstvereinen, die sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst verschrieben haben. Wir stellen Ihnen jede Woche einen neuen Kunstverein vor. Diesmal: Zehn Fragen an den Hartware MedienKunstVerein Dortmund.

1. Über welche Ausstellung wurde am meisten gestritten? Und warum?

Jetzt gerade gab es eine spannende Frage zum Titel der aktuellen Ausstellung "Waves – The Art of the Electromagnetic Society": Wer sei denn bitte schön die elektromagnetische Gesellschaft, die hier ausstellen würde? Ein produktives Missverständnis – denn die Ausstellung handelt natürlich von unserer aller Gesellschaft, die zunehmend auf elektromagnetischen "Füßen" steht, ohne sich dessen immer bewusst zu sein.

2. Und welches war Ihre bestbesuchte Ausstellung?

Die Ausstellung "Reservate der Sehnsucht" 1998 in der ehemaligen Union-Brauerei in Dortmund, die von Hans D. Christ und Iris Dressler kuratiert wurde. Innerhalb von sechs Wochen kamen über 10 000 Besucher.

3. Wenn Sie eine eigene Sammlung haben: Wo liegt der Schwerpunkt? Und welches ist das teuerste Exponat?

Der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) besitzt keine eigene Sammlung. Die Themenausstellungen handeln von Zeitgenossenschaft in unserer zunehmend digital geprägten Alltagswirklichkeit. Dazu werden internationale Künstler eingeladen und teilweise auch Arbeiten neu produziert. Das teuerste Exponat, das wir ausgeliehen haben, waren wohl die Installation von Frédéric Moser & Philippe Schwinger, "Unexpected Rules", die wir im Rahmen von "History Will Repeat Itself" 2007/08 gezeigt haben. In der Arbeit geht es um die Clinton-Lewinsky-Affaire. Die Installation besteht aus einem mit 1300 Glühbirnen ausgestatteten Raum und einer HD-Rückprojektion. Die Installation ist ursprünglich für die Biennale von São Paulo 2004 entstanden und hatte bei uns in der Phoenix-Halle Dortmund "Europa-Premiere".

4. Welche Künstler würden Sie gerne einmal ausstellen?

Es gibt viele Künstlerinnen und Künstler, mit denen wir bereits gearbeitet haben und von denen wir gerne weitere Arbeiten zeigen würden oder mit denen wir auch gerne neue Projekte entwickeln würden, weil wir von deren Arbeit überzeugt sind. Dazu gehören unter anderem Daniel García Andújar, Jan Peter E.R. Sonntag, Marko Peljhan und Carl Michael von Hausswolff, um nur einige wenige zu nennen. Der HMKV ist ein sehr "treuer" Verein. Wir verfolgen auch recht hartnäckig bestimmte Themen, die uns wichtig erscheinen. So behandelt zum Beispiel unsere nächste Ausstellung das Thema Kunst und Copyright im digitalen Zeitalter.

5. Wohin führte Sie die letzte gemeinsame Reise?

Die aktiven Mitglieder des Vereins besuchten im November 2007 gemeinsam die Julia-Stoschek-Collection in Düsseldorf.

6. Was war die bislang höchste Spende?

Die höchste Spende liegt in der jüngsten Vergangenheit: 82 000 Euro spendete die Sparkasse Dortmund für das aktuelle Ausstellungsprojekt in der Phoenix-Halle Dortmund mit dem Titel "Waves – The Art of the Electromagnetic Society".

7. Was würden Sie Ihrem Verein generell wünschen?

Ein Wunsch weist oft Derivate auf. Die bisherige Geschichte des HMKV von 1996 bis 2008 wurde gerade in einer Publikation festgehalten. Es ist festzustellen, dass viele Ideen umgesetzt werden konnten, dass die Aktivitäten sich ausgeweitet haben und die Struktur stabilisiert werden konnte. Verglichen mit anderen Vereinen sind wir natürlich noch jung. Wir wünschen uns weiterhin so gute Förderer und Wegbegleiter wie in den letzten Jahren. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit der großen überregionalen Tages- und Wochenzeitungen könnte auch nicht schaden. Irgendwie scheinen in diesen Medien Ruhrgebiet und zeitgenössische Kunst einander auszuschließen.

8. Wenn Sie kein Kunstverein wären, was für ein Verein wären Sie dann?

Ein Medienkunstverein im postmedialen Zeitalter? Ein Wanderverein durch neue elektronische Landschaften des "Augmented Space"? Wer weiß!

9. Wo sehen Sie den Verein in den nächsten zehn Jahren?

Im Jahr 2010 ist das ganze Ruhrgebiet unter dem Titel Ruhr 2010 die Kulturhauptstadt Europas. In Dortmund wird zu diesem Anlass ein neuer Standort für Medienkunst gegründet: ein Zentrum für Kunst und Kreativität in dem Gebäude der ehemaligen Union-Brauerei, kurz: U-Turm. Dorthin wird der HMKV seinen Standort verlagern. Bisher fanden die Ausstellungen und die weiteren Veranstaltungsformate in der 2200 Quadratmeter großen Phoenix-Halle im Süden Dortmunds, in Hörde, auf einem ehemaligen Stahlindustriegelände statt. Der HMKV möchte seine Aktivitäten auf einen Ganzjahresbetrieb ausweiten und sich zusammen mit weiteren Institutionen im Zentrum für Kunst und Kreativität den Herausforderungen der Kultur- und Kreativwirtschaftswelle stellen.

10. Drei Gründe, bei Ihnen Mitglied zu werden?

Aktiv an der Gestaltung unserer aller Zukunft mitarbeiten. Sich mit Themen auseinanderzusetzen, die für uns alle wichtig sind. Das Ruhrgebiet entdecken. Zeitgenosse sein.

Zahlen, bitte: Gründungsjahr: 1996. Mitgliederzahl: 21. Altersdurchschnitt: ca. 34 Jahre. Jahresbeitrag: 30 Euro. Ausstellungsfläche: 2 200 Quadratmeter. Jahresbudget: Grundförderung von 239 000 Euro durch die Stadt Dortmund, zu denen noch substantielle Projektmittel hinzuakquiriert werden müssen.

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