Nicolaus Schafhausen

Deutscher Pavillon

"Deutsche Themen aus nichtdeutscher Sicht"
"Man muss dem Publikum auch Dinge zumuten, die nicht vollkommen eingängig sind", sagt Nicolaus Schafhausen. (Foto: Steffen Jagenburg)

"DEUTSCHE THEMEN AUS NICHTDEUTSCHER SICHT"

Schon jetzt ist seine Entscheidung umstritten: Nicolaus Schafhausen, zum zweiten Mal Kurator des deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale von Venedig, hat sich für den britischen Künstler Liam Gillick entschieden. "Wird jetzt im britischen Pavillon Carsten Höller gezeigt?", fragte der Kunstkritiker Thomas Wulffen polemisch – und der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU, Wolfgang Börnsen, hält die Entscheidung schlichtweg für "falsch", weil die Länderpavillons "Schaufenster des künstlerischen Schaffens ihrer jeweiligen Heimatländer" seien. Einige Kritiker werfen Schafhausen "Kunstklüngel" vor, weil er bereits seit Jahren mit Gillick zusammenarbeitet und wieder andere halten Gillicks Arbeiten für zu sperrig. Viele offene Fragen – und Zeit für ein großes art-Interview.
// ALAIN BIEBER

Herr Schafhausen, gibt es zu wenig gute deutsche Künstler – oder warum haben Sie sich für einen Briten entschieden?

Nicolaus Schafhausen: Es gibt sehr viele gute deutsche Künstler; eine Entscheidung für Liam Gillick möge man bitte nicht als Absage an die Qualität zeitgenössischer Kunst aus Deutschland missverstehen. Ich finde es allerdings an der Zeit, auch einmal das Nachdenken über deutsche Themen aus nichtdeutscher Sicht zuzulassen. Liam Gillicks Kunst versteht sich als offene Struktur, die auf verschiedenen Ebenen gesellschaftliche, politische, ökonomische oder auch institutionelle Veränderungen diskutiert. Damit steht er zwar nicht alleine da, gehört aber ohne Zweifel zu den herausragenden Künstlern. Und überhaupt sind diese Fragen gerade für ein Megaevent wie die Venedig-Biennale wichtige Fragen.

Möchten Sie mit dieser Ernennung das Konzept der Länderpavillons aufbrechen?

Das Konzept der Länderpavillons scheint in Zeiten des globalisierten Kunstbetriebs sicherlich ein wenig veraltet, gleichwohl liegt jedoch gerade der Reiz der Venedig-Biennale daran, sich mit diesem Konzept produktiv auseinanderzusetzen. Die Nominierung von Liam Gillick ist eine Form dieser Auseinandersetzung – auf inhaltlicher Ebene wird es durchaus um deutsche Gegenwart gehen, allerdings diesmal nicht von einem deutschen Künstler formuliert. Generell habe ich den Eindruck, dass sich das Konzept der nationalen Repräsentation langsam modifiziert. Der Erfolg der Kunststadt Berlin hängt ja auch mit der großen Präsenz internationaler Künstlerinnen und Künstler, die dort leben und arbeiten, zusammen.

Glauben Sie, dass Gillick als Brite einen anderen Zugang zu dem umstrittenen "Nazi-Tempel" hat?

Gillick wird den deutschen Pavillon kaum als neutralen Ort wahrnehmen, dafür hat sich die Geschichte dieser Architektur viel zu sehr eingeschrieben. Auch sonst reflektiert seine Kunst stets auch den Ort, an der sie stattfindet. Eine im weitesten Sinne orts- und geschichtsspezifische Herangehensweise wird für ihn selbstverständlich sein – wie sie eigentlich für alle Künstlerinnen und Künstler, die dort ausgestellt haben, selbstverständlich war.

Sie arbeiten seit vielen Jahren mit Liam Gillick zusammen, seine größten Erfolge und Ausstellungen hat er Ihnen zu verdanken. Haben Sie keine Angst, dass man Ihnen "Kunstklüngel" vorwirft?

Mit Isa Genzken hatte ich auch schon öfter zusammengearbeitet. Der deutsche Pavillon ist nicht gerade einfach zu bespielen und die Venedig-Biennale insgesamt eine Herausforderung für jeden Künstler. Dass man jemanden wählt, dem man vertraut und dessen Arbeit man kennt, hat schon bei fast allen meinen Vorgängern eine wichtige Rolle gespielt. Da Gillick sich mit jeder Ausstellung ein Stück weiterentwickelt, war es mir wichtig, ihn an den verschiedenen Orten meiner Karriere – Künstlerhaus Stuttgart, Frankfurter Kunstverein, Witte de With und zahlreichen freien Projekten – zu präsentieren. Venedig mit seiner hohen Herausforderung an den Künstler, aber auch an die zahlreichen Besucher ist da nur konsequent.

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1 Leserkommentar vorhanden

Raimund08

21:57

27 / 05 / 08 // 

Obst

Liam Gillick ist ein Apfel, aber kein Künstler!

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