HHole for Mannheim - Mannheim

Kein Werk von "überragender Bedeutung

Die Kunsthalle Mannheim will die Installation "HHole for Mannheim" im Zuge ihrer Umbaumaßnahmen abreißen. Die Künstlerin Nathalie Braun Barends zieht nun vor Gericht. Die Direktorin macht keinen Hehl daraus, dass sie die Arbeit für unbedeutend hält.
Wert eines Werks:Installation "HHole for Mannheim" soll zerstört werden

Sicherheitswache auf dem Stuhl: Nathalie Braun Barends "HHole for Mannheim" in der Kunsthalle Mannheim musste zu Öffnungszeiten von einem Feuerwehrmann bewacht werden, da Brandschutzvorschriften umgangen worden waren

Schon zu Beginn gab es Ärger. 2006 installierte die Künstlerin Nathalie Braun Barends in der Kunsthalle Mannheim mehrere Werke, eines aber sorgte über Jahre für Schlagzeigen. Das "HHole for Mannheim", ein Loch, das sich durch mehrere Decken des Athenetrakts des Museums zieht, brachte den damaligen Direktor Rolf Lauter in Verlegenheit: Denn es gefährdete die Sicherheit der Museumsbesucher. Ein Jahr lang musste ein Feuerwehrmann das Loch deshalb für viel Geld bewachen. Danach wurde es mit – wiederum teurem – Sicherheitsglas verschlossen.

Nun soll das Kunstwerk weichen – und die Künstlerin hat Klage dagegen eingereicht. Im Zuge des Neubaus für die Kunsthalle Mannheim wird auch der Athenetrakt "nach denkmalpflegerischen Vorgaben in historischem Geist in einer neuen Fassung rekonstruiert", sagt Ulrike Lorenz, die Direktorin der Kunsthalle. Im Rahmen dieser "absolut notwendigen Planung" werde das Loch abgerissen. Es sei schließlich als temporäre Installation angelegt gewesen. Da die Sanierung seit Jahren diskutiert wird, müsse man der Künstlerin "mitgeteilt haben, dass es keine auf Ewigkeit angelegte Installation sein kann", so Lorenz. Sie sieht sich auf der sicheren Seite. "Es gibt einen Kaufvertrag, wir sind die Eigentümer und haben das Recht, die Arbeit zu vernichten."

Das sieht die Künstlerin freilich anders. Die Sanierung sei nur ein Vorwand, ihre Werke zu zerstören. Denn das "HHole for Mannheim" befindet sich nicht im Mitzlaff-Bau, der durch einen Neubau ersetzt wird, sondern im Übergang zwischen Alt- und Neubau, der nur saniert wird. Auch der Altbau, in dem die zweite Arbeit von Braun Barends installiert ist, bleibt stehen. "Die Kunsthalle versucht, im Zusammenhang mit dem Abriss die Werke zu zerstören", sagt Braun Barends. "Ich verstehe, dass die neue Direktorin andere Vorstellungen hat, was sie mit den Räumlichkeiten macht. Aber die Werke könnten weiterbestehen."

Dass der Umbau für die Direktorin ein willkommener Anlass ist, um sich von den unliebsamen Arbeiten zu trennen, ist nicht ganz abwegig. Allein die Berichterstattung über das Werk habe "den Ruf der Kunsthalle alles andere als befördert", so Lorenz. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie das "HHole for Mannheim" für künstlerisch nicht allzu bedeutend hält. "Wir müssen entschieden der Darstellung entgegentreten, dass es sich um ein einzigartiges Werk von überragender künstlerischer Bedeutung handelt", sagt Lorenz. Nathalie Braun Barends sei "zumindest in Europa als Künstlerin nahezu unbekannt".

Ihr Vorgänger Rolf Lauter sah das anders. Er lud die Künstlerin als "artist in residence" nach Mannheim und nannte ihre Installation "weltweit einmalig". Nach ihrer Mannheimer Zeit sei Braun Bahrends aber "nicht mehr als Künstlerin aufgetreten", entgegnet Ulrike Lorenz. "Sie hat die Chance nicht genutzt, um im Kunstbetrieb weiterzumachen."

Lorenz hält ihre Entscheidung "für kunsthistorisch begründet und abgewogen" und wird auch keine Reinstallation des Lochs an anderer Stelle vornehmen. "Wir sind eine Institution, die Kunst und Künstler fördert", sagt Lorenz, "aber mein Verständnis geht nicht so weit, die Modernisierung der Kunsthalle zu blockieren." Deshalb wird sich das Landgericht Mannheim nun Mitte Juli mit dem Fall befassen. Im Rathaus ist man sich sicher, als Sieger hervorzugehen, während Nathalie Braun Barends immer noch hofft, ihr "HHole for Mannheim" retten zu können, "sofern es gerecht zugeht".

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