Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art- Autorin Judith Behnk empfiehlt diese Woche den Großmeister der Streetartfotografie, Dokumente des sozialistischen Zusammenbruchs und Mixed-Media-Oasen.

Berlin: "Just taking pictures"

Die Berliner Galerie ATM in der Brunnenstraße 24 zeigt noch bis zum 13. November die Fotoausstellung "just taking pictures". Der Berliner Fotograf Just dokumentiert in seinen Bildern eine Welt, die im Graubereich zwischen Kunst und Kriminalität liegt – Streetart und Graffiti.

Seine eindringlichen Porträts der Streetartkünstler, wie Blu, Faith 47 und Nomad, laden den Besucher ein teilzunehmen, wenn Kunst im Schutz der Dunkelheit an Häuserwänden und Dächern entsteht und einmal mehr der Mensch sich einen Teil urbanen, persönlichen Freiraums zurückerobert. Die intimen Einblicke eröffnen sich dem Fotografen vor allem, da Just selbst Teil der Szene ist. Die Ausstellung findet im Rahmen des Wallart-Festivals der Zeitschrift "Modart" statt.

Berlin: "Anton Henning. Oase"

Gleich zwei Berliner Ausstellungshäuser widmen sich dem Werk des Malers und Möbeldesigners Anton Henning. Das Georg-Kolbe-Museum zeigt seine Installation mit dem Titel "Oase". Die Grundlage für die 2006 entstandene Gesamtplastik, deren Ausmaße 9 x 6 Meter betragen, ist sein Ölgemälde "Interieur No. 342". Die Plastik greift die farbigen rechteckigen Formen auf und übersetzt sie in einen gigantischen Teppich. Auf diesem Wollteppich, der von bunten geometrischen Mustern dominiert wird, sind 21 abstrakte Skulpturen aus Gips, Holz oder Bronze platziert. In einem ausgeklügelten Anordnungssystem ergibt sich das Gesamtbild einer fantasievollen Spielwiese. Henning schafft es in dieser Komposition ein Zusammenwirken von Architektur, Interieur, Design, Malerei und Skulptur zu schaffen. Bis zum 15. November kann man das Gesamtkunstwerk im Georg-Kolbe-Museum in Berlin betrachten. Im Haus am Waldsee ist zeitgleich in der Ausstellung "Gegengift" eine Auswahl seiner Zeichnungen zu sehen.

Hamburg: "Johannes Mengel: Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden"

Jeden Dienstag Abend präsentiert die Galerie der Hamburger Hochschule für Bildende Künste in der Ausstellungsreihe "Foto Folgen" die Arbeiten junger Fotografen. Am 20. Oktober ist es der Hamburger Fotograf Johannes Mengel, der über 50 Demonstrationen in Deutschland fotografisch begleitet hat. Ihn interessiert dabei vor allem "das Gefühl von Gemeinschaft, zusammen für ein Ziel unterwegs zu sein und gleichzeitig der fahle Beigeschmack, in der Masse gleichgeschaltet und auf allzu einfache Parolen reduziert zu sein". "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden", lautet der Titel der Ausstellung, die zum ersten Mal bei Foto Folgen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Der Künstler ist anwesend.

München: "Future Talks 009"

Am 22. und 23. Oktober findet in der Pinakothek der Moderne in München die Konferenz "Future Talks" statt. Hier werden Forschungsberichte von 19 Spezialisten aus aller Welt vorgetragen, die sich mit dem Umgang und der Konservierung von Designobjekten aus modernen Materialien und vor allem Plastik befassen. Die Neue Sammlung in München hat eine der größten und bedeutendsten Sammlung von industriellem Design, deshalb beschäftigt man sich hier seit Jahren mit dem Thema der Erhaltung von modernen Materialien. Die Designobjekte verlangen einen speziellen Umgang und eine spezielle Pflege, die mit normalen restauratorischen Mitteln nicht zu gewährleisten ist. Teilnehmen kann man an der in Englisch abgehaltenen Konferenz nach vorheriger Anmeldung. Ebenfalls in der Pinakothek der Moderne, kann man vom 2. Oktober bis zum 10. Januar 2010 die Ausstellung "Naked Nation" von Thomas Steffl besuchen.

Berlin: "Harald Schmitt. Sekunden, die Geschichte wurden"

Der Martin-Gropius-Bau präsentiert vom 3. Oktober bis zum 13. Dezember erstmals die Aufnahmen des Hamburger Fotojournalisten Harald Schmitt in der Ausstellung "Sekunden, die Geschichte wurden – Fotografien vom Ende des Staatssozialismus". Gezeigt werden 120 seiner fotografischen Arbeiten, die überwiegend in der ehemaligen DDR, in der Sowjetunion, der ehemaligen CSSR und China entstanden sind. Seine Bilder stammen aus einer Zeit, in der der gesamte Ostblock der Vorherrschaft der Sowjetunion unterworfen war, dominiert von Militär und Zensur. Den Zusammenbruch dieses militärisch-politischen Giganten dokumentieren die Bilder von Harald Schmitt. Seine einmaligen historischen Momentaufnahmen druckte damals vor allem die Zeitschrift der "Stern" ab. Im Laufe seines Lebens wurde die Arbeiten von Schmitt sechsmal mit dem "World Press Photo" Preis ausgezeichnet.