Bookmarks - Lesetipps Juli

Die Lesetipps des Monats

art-Redakteurin Ulrike von Sobbe stellt Ihnen in unserer Rubrik "Bookmarks" jeden Monat zehn spannende neue Kunstbücher vor. Diesmal mit Andreas Gursky, verrückten Künstlergeschichten der Renaissance und Bildtheorie nach Mitchell.

Andreas Gursky. Architektur.

Ob ein Wohnblock am Montparnasse in Paris, die Handelsbörse in Chicago oder der Bahnhof von São Paulo – Lebensräume und Orte der globalisierten Welt werden im Werk des Düsseldorfer Fotokünstlers (Jahrgang 1955) zu faszinierenden Bildfindungen kultureller Identität. In dem Katalog zur Ausstellung in der Mathildenhöhe Darmstadt (bis 7. September) werden die einzelnen Fotografien erstmals von Texten renommierter Autoren begleitet und kommentiert, darunter Dieter Bartetzko, Elisabeth Bronfen oder Wolfgang Pehnt (Hatje Cantz Verlag. 112 S., 94 Abb., 39,80 Euro).

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John McEwen: Paula Rego. Behind the Scenes.

Die Macht der Sexualität, die sich hinter gesellschaftlichen Riten versteckt, hat die portugiesische Malerin (Jahrgang 1935) zum zentralen Thema ihrer stark symbolischen Gemälde und Installationen gemacht. Der soeben erschienene, großzügig bebilderte Band gibt Einblick in die Arbeitsweise der Künstlerin und zeigt Werke, die seit 1994 in ihrem Londoner Atelier entstanden sind (Phaidon Verlag. 216 S., 120 Ab., 59,95 Euro).

Alexander Rodtschenko.

Er war eine der Schlüsselfiguren der russischen Avantgarde und einer der wichtigsten Vertreter des russischen Konstruktivismus. Mit seinen Collagen, Fotomontagen und Schwarzweißaufnahmen von der Schönheit technischer Objekte, moderner Architektur oder der Bewegung menschlicher Körper entwickelte Rodtschenko (1891 bis 1956) eine bahnbrechende, unverwechselbare Bildsprache. Der Begleitband zur Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau (bis 18. August) dokumentiert die vielen Facetten seines fotografischen Werks (Nicolai Verlag. 224 S., 264 Abb., 39,90 Euro)

200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München.

Der zum Jubiläum erschienene gewichtige Bildband zu drei Ausstellungen in der bayerischen Hauptstadt (siehe auch http://www.art-magazin.de/kunst/7673/200_jahre_kunstakademie_muenchen_jubilaeumsschau), erzählt anschaulich die wechselvolle Geschichte der Institution. Im Katalogteil (Haus der Kunst, bis 31. August) wird das beeindruckende Spektrum der ehemaligen Lehrer und Schüler der Akademie dokumentiert, darunter Wassily Kandinsky, Günther Baselitz oder Sean Scully. Die heute lehrenden Professoren und Werkstattleiter liefern mit künstlerisch gestalteten Statements Ausblicke auf die zukünftige Ausrichtung des Hauses (Hirmer Verlag. 589 S., 280 Abb., 49,90 Euro).

Giorgio Vasari: Jeder nach seinem Kopf. Die verrücktesten Künstlergeschichten der Renaissance.

Raffael, Pontormo oder Tizian waren nicht nur geniale Maler, auch in ihrer Lebensführung neigten sie nicht selten zu Exzentrik. Der große Historiker Vasari hat viele Anekdoten gesammelt und mit großem Charme nacherzählt: eine hübsche leichtgängige Lektüre für zwischendurch (Verlag Klaus Wagenbach. 96 S., 15,90 Euro).

Robert Häusser. Das Moortagebuch. Fotografien und Notizen.

Als der Künstler, der in Deutschland zu den Wegbereitern der zeitgenössischen Fotografie zählt, 1984 den Kunstpreis der Stadt Nordhorn erhielt, der auch einen Arbeitsaufenthalt vor Ort einschließt, entwickelte er dort drei Wochen lang ein fotografisches und schriftliches Tagebuch, das nun für die Zeit eines Jahres im Zeughaus C5 der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim (bis 30. April 2009) ausgestellt und von einem sensibel gestalteten Buch begleitet wird, das die poetischen Schwarzweißfotografien Häussers seinen jeweiligen Aufzeichnungen gegenüberstellt (Verlag Schnell + Steiner. 72 S., 26 Abb., 29,95 Euro).

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Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland, Band VII., Hubertus Kohle (Hrsg.): Vom Biedermeier zum Impressionismus.

Vor zwei Jahren startete der Prestel Verlag sein ehrgeiziges Unterfangen, ein vollständiges Nachschlagewerk zur deutschen Kunstgeschichte vorzulegen, das alle Epochen von den Karolingern bis zur Gegenwartskunst umfasst. Nach vielbeachteten Bänden zu den Themenkomplexen „Gotik“, „Spätgotik und Renaissance“, „Klassik und Romantik“ sowie „Expressionismus bis heute“ werden nun in der neuesten Publikation der Reihe künstlerische und historische Zusammenhänge des 19. Jahrhunderts behandelt (Prestel Verlag. 640 S., 600 Abb., 140 Euro. Vorzugspreis bei Komplettabnahme aller acht Bände, 920 Euro, je 115 Euro).

W.J.T.Mitchell: Bildtheorie.

Was sind Bilder? Worin liegt ihre Faszination? Wie beeinflussen sie unser Leben? Der Kunsthistoriker, der an der Universität Chicago lehrt, hat in zahlreichen Aufsätzen unsere visuelle Kultur in Literatur, bildender Kunst und Massenmedien untersucht. Seine Texte sind nun erstmals auf Deutsch erhältlich (Suhrkamp Verlag. 497 S., 32,80 Euro).

Auf dem Weg nach Babylon. Robert Koldewey – Ein Archäologenleben.

Sein Name ist untrennbar verbunden mit Babylon. Er war es, der diesen sagenumwobenen Ort ausgegraben und dafür mehr als 17 Jahre forschend in der irakischen Wüste verbracht hat. Ihm war es zu verdanken, dass die Grabungsfunde nach Berlin kamen, wo die Rekonstruktion des Ischtar-Tores im Vorderasiatischen Museum bis heute Scharen von Besuchern anzieht. Der Band zeichnet die faszinierende Lebensgeschichte von einem der bedeutendsten deutschen Archäologen (1855 bis 1925) nach und bietet damit eine spannende Begleitlektüre zur großen Babylon-Schau in Berlin (Pergamonmuseum bis 5. Oktober. Verlag Philipp von Zabern. 192 S., 126 Abb., 24,90 Euro).

Baedeker: Deutschland. Die 32 deutschen Welterbestätten.

Ein Führer für alle, die in den Ferien die kulturellen Orte des eigenen Landes erkunden möchten. Der praktische Band gibt über 600 Empfehlungen für Reisen quer durch Deutschland, über 90 Karten zeigen den Weg zu geschichtsträchtigen Landschaften, Baudenkmälern und kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten, Tipps für Übernachtung und Restaurants natürlich inklusive (Baedeker Verlag. 1321 S., zahlr. Abb., 14,95 Euro).