Der Kunstvernichter - Dienstleistung

Zurück in den Kreislauf

Der Künstler Stefan Riebel (32), künstlerischer Mitarbeiter an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, betreibt das Unternehmen ArtErasa zur Vernichtung von Kunst.

Herr Riebel, vernichten Sie tatsächlich Kunst?

Vernichten klingt so böse, wir vernichten keine Kunst, wir schaffen Freiraum.

Da Museen und Sammlungen an finanziellen Möglichkeiten kranken, gibt es ein Problem: Die Werke müssen präsentiert oder gelagert werden. Das kostet viel Geld. Da ist es naheliegend, dass man sich vom ein oder anderen trennen muss.

Das sie dann entsorgen?

Wir bieten an, Sachen auszusortieren, zu schauen, was nur ein kurzzeitiger Hype war oder nicht wert ist, aufzuheben. Da helfen wir mit.

Wie werden die Werke vernichtet?

Das richtet sich nach der Arbeit. Wir legen Wert auf Nachhaltigkeit und auf ökologisch-biologisches Abbauen der Materialien, zerlegen das Werk in seine Bestandteile und führen es wieder dem Kreislauf zu.

Ist das eine schlichte Dienstleistung oder ein künstlerisches Konzept?

Angefangen hat es als künstlerisches Konzept, aber mittlerweile ist es eine sachliche Dienstleistung. Museen zieren sich da noch ein bisschen. Aber allein im öffentlichen Raum stehen viele Skulpturen, die Pflege brauchen und Sicherheitsstandards erfüllen müssen. In solch einem Fall würden wir mit Experten ein Gutachten erstellen, ob es sich lohnt, die Skulptur aufzuarbeiten oder eben nicht.

Kunst zu zerstören ist bisher ein absolutes Tabu.

Es ist vielleicht ein etwas provokantes Statement, aber inzwischen sehe ich es als angenehme Lösung. Museen können Werke, die sie selbst erworben haben, ja nicht im Keller verbrennen. Da ist ein solcher Service doch eine schöne Möglichkeit, die Entscheidung auszulagern. Oder wenn der Ehemann stirbt, der gemalt hat – da ist es gut, jemanden ansprechen zu können, ob es Kunst oder Hobby war.

Hand aufs Herz: Hatten Sie überhaupt schon Kundschaft?

Wir hatten bisher wenige Kunden, also keine Sammlungen, Museen und Städte. Leider.