Tate Britain - London

Wie ein Spaziergang

Die um- und ausgebaute Tate Britain ist wieder eröffnet – sie will endlich aus dem Schatten der erfolgreichen Tate Modern treten.
Tate in neuem Gewand:die aufgehübtschte Tate Britain ist wieder offen

Der Blickfang: Eine Wendeltreppe führt vom Haupteingang zu den neuen Räumen der Tate Britain

Mehrere Jahre lang war die Tate Britain fast nur ein Schatten ihrer selbst. Immer wieder wurden Räume geschlossen, Werke mussten umgehängt oder ins Depot verbannt werden.

Überall wurde gebaut. Doch jetzt ist es soweit: Die Renovierung des ältesten Teils und die Erweiterung des Museums sind endlich abgeschlossen. Am 19. November wurde die "neue" Tate Britain der Öffentlichkeit vorgestellt.

45 Millionen Pfund haben die vom Londoner Büro Caruso St. John verantworteten Um- und Ausbauten gekostet. Die Architekten haben den vom Zuckermagnaten Henry Tate 1897 gestifteten Bau so weit wie möglich in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt, aber auch neue Räume geschaffen, in denen nun unter anderem Teile der Museumspädagogik untergebracht sind. Der klassizistische Haupteingang mit Freitreppe und Säulen erhielt wieder seine eigentliche Funktion, die historische Logik des Gebäudes mit seinen Galeriefluchten wurde so wieder hergestellt. Der rund um die elegante Rotunde laufende Balkon, der dem Publikum seit den Zwanzigern nicht mehr zugänglich war, wurde zum Café für die Freunde der Tate umgestaltet. In dem als "Grand Saloon" konzipierten Raum mit Blick auf die Themse sollen auch Seminare und Vorträge stattfinden. Das Restaurant im Souterrain, das der englische Maler Rex Whistler mit dem Fresko "The Expedition in Pursuit of Rare Meats" (1926/27) ausgeschmückt hat, wurde aufwendig restauriert und strahlt im alten Glanz.

Als ersten Schritt hatte die Tate Britain bereits im Mai eine Flucht von zehn renovierten Galerieräumen eröffnet, in denen die Neuhängung der Sammlung britischer Kunst von 1500 bis heute vorgestellt wurde. Die von Direktorin Penelope Curtis als "Spaziergang durch die britische Kunst" bezeichnete Anordnung bricht mit der langjährigen thematischen Hängung und kehrt zu einer mehr oder minder strengen Chronologie zurück. Von den Kritikern gab es dafür reichlich Lob, und das Publikum zeigte sich begeistert. Bleibt zu hoffen, dass es der "neuen" Tate Britain künftig gelingt, etwas mehr aus dem Schatten der lauten, erfolgreichen Tate Modern hervorzutreten und Besucher anzulocken.

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