Klaus A. Schröder - Albertina Wien

Die Krise ist bei den Museen angelangt

art-Korrespondentin Almuth Spiegler sprach mit dem Direktor der Wiener Albertina, Klaus Albrecht Schröder, über die "drohende Katastrophe": zwölf Millionen Euro müssen in den nächsten Jahren eingespart werden. Ein Gespräch über Kunst in Zeiten der Krise, erste Sparmaßnahmen und düstere Zukunftsaussichten.
"Die Krise ist bei den Museen angelangt":Albertina-Direktor über Kunst und Krise

"Ich habe nicht geglaubt, dass ich das einmal erleben werden muss", sagt Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Wiener Albertina.

Herr Schröder, Sie haben in "The Art Newspaper" über eine Katastrophe für die Albertina gesprochen, nachdem Ihnen wegen der Wirtschaftskrise zwei Millionen Euro Sponsorengelder ausgefallen sind. War das nicht leicht übertrieben?

Klaus Albrecht Schröder: Wenn man auf Englisch ein Gespräch führt, wird das fallen gelassene Wort "catastrophe" schnell zur Headline. Aber ich will die Situation weder klein reden noch übertreiben. Zwei Millionen Euro weniger sind ein herber Rückschlag, den wir aus Sicht unserer Sponsoren aber absolut nachvollziehen können. Aber das sind alles Freunde, die uns sicher in einigen Jahren wieder ihre Treue zeigen werden.

Kommen diese zwei Millionen Euro von mehreren Personen, und waren es reine Geldzuwendungen?

Eine Million wäre direkt in Cash wirksam gewesen, eine andere Million betraf Schenkungen. Es sind mehrere Personen beteiligt. Dazu kommt jetzt noch ein entgangener Ertrag aus den Vermietungen, wir rechnen mit 300 000 Euro weniger.

Das ist auch bei einer Top-Veranstaltungs-Location wie der Albertina so?

Gerade. Wie Discounter im Lebensmittelhandel die Gewinner sind, sind sie es auch im Veranstaltungsbereich.

Werden Sie mit den Preisen also heruntergehen?

Nein, wir haben da keine große Preisflexibilität.

Spüren Sie auch bei den Besuchern schon einen Rückgang? Sie hatten durch die Van-Gogh-Ausstellung ja ein Top-Jahr hinter sich, fast eine Million Besucher.

Ja, wir spüren den Rückgang schon bei den Touristen. Aus der Finanzmarktkrise ist eine Wirtschaftskrise und dann eine Tourismuskrise geworden – und die ist jetzt auch bei den Museen angelangt.

Und von den Wiener Museen spüren Sie es am stärksten, von Ihren 18 Millionen Jahresergebnis sind nur fünf Millionen vom Staat finanziert. War der großteils aus privaten Geldern finanzierte Ausbau der Albertina im nachhinein gesehen ein Fehler?

Es war natürlich kein Fehler, die Albertina könnte auch heute noch genau so gut dreimal so groß sein bei unserer eine Million Exponate reichen Sammlung. Ganz im Gegenteil, jetzt können wir eine permanente Schausammlung zeigen und mit Sonderausstellungen zurückfahren, das entlastet uns bei den Kosten enorm. Gerade in der Krise zeigt sich, dass unsere Drei-Säulen-Strategie richtig war: Früher gab es nur Grafik, jetzt haben wir ein auf Grafik und Fotografie konzentriertes Ausstellungsprogramm und wir konnten mit der Sammlung Batliner eine Privatsammlung integrieren, die wir ab Mai permanent zeigen können. Außerdem haben wir als dritte Säule die Prunkräume des historischen Palais aus dem 18. Jahrhundert, der Gründungszeit der Albertina. Diese Aufteilung macht uns unempfindlicher.

Bei den Sonderausstellungen wollen Sie radikal einsparen, haben Sie gesagt. Wie wird das aussehen?

Insgesamt müssen wir in den nächsten Jahren zwölf Millionen Euro einsparen, das ist ein schmerzhafter Schnitt. Man muss jede einzelne Aktivität auf den Prüfstand stellen, und da fallen erst einmal die Studienausstellungen weg. 30 waren es in den letzten Jahren, sie waren nur ein Kostenfaktor.

Wie lange wird Ihrer Meinung nach die Krise dauern?

Ich glaube, dass die Krise die Landschaft weiter verdüstern wird. Es wird drei, fünf Jahre dauern, bis sich die Kunstwelt wieder erholt haben wird. Ich habe nicht geglaubt, dass ich das einmal erleben werden muss.

Sie beobachten immer auch genau den Kunstmarkt. Wie wird sich die Krise hier auswirken?

Der Kunstmarkt ist extrem betroffen. Künstler wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Gerhard Richter sind aber sicher krisenresistenter als Hypekünstler wie Jeff Koons oder Damien Hirst. Und die liegen noch klar vor Eintagsfliegen aus China oder Leipzig. Trotzdem werden wir uns größere Ankäufe auch weiterhin nicht leisten können, auch die Museen werden ja noch weniger Geld zur Verfügung haben.

Sie stellen von 23. bis 27. September einige Räume der Albertina für eine neue Kunstmesse zur Verfügung, die "Art Albertina". Steht der Termin weiterhin?

Bis jetzt halten alle daran fest, die Vorverträge sind unterzeichnet. Aber natürlich verstehe ich, dass alle Händler am Ende des Tages noch einmal darüber nachdenken werden.

Werden Sie zur Kunstmesse TEFAF nach Maastricht fahren?

Nein, das tue ich nur selten. Ich mag Kunstmessen überhaupt nicht, ich halte sie für kunstfeindliche Veranstaltungen.

Und trotzdem die "Art Albertina"?

Das ist eine kleine Spezialmesse für Grafiken. Das ist etwas anderes, da kann man sich in einzelne Werke noch vertiefen und muss nicht über tausende Quadratmeter voll unterschiedlichster Kunst taumeln, die sich nicht miteinander verträgt.

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