Hugo Boss Prize - Jacir

Kaviar-Häppchen in harten Zeiten

Politkunst und Glamour – man könnte meinen, es ließe sich kaum miteinander vereinbaren. Doch im New Yorker Guggenheim Museum scheint es geklappt zu haben. Emily Jacir heißt die in New York lebende Palästinenserin, die den diesjährigen, mit 100 000 Dollar dotierten, Hugo Boss Prize erhalten hat.
Politkunst und Glamour im Guggenheim:Emily Jacir erhält "Hugo Boss"-Kunstpreis

Eine strahlende, und um 100 000 Dollar reichere, Gewinnerin: Die in New York lebende Palästinenserin Emily Jacir

Der Champagner floss, es wurden Kaviar-Häppchen und Shrimps gereicht. Der DJ legte den Disco-Evergreen "I'm Coming Out" auf. Und New Yorks Kunstgemeinde hätte nicht dankbarer sein können für ein bisschen Glanz und Leichtigkeit.

Eine Stunde zuvor hatte das Auktionshaus Phillips de Pury als Abschluss der New Yorker Herbstauktionen ein trauriges Ergebnis hingelegt: 40 Prozent der Arbeiten fanden keinen Käufer, der Rest ging weit unter dem Schätzwerk weg. Statt angepeilter 23 Millionen machte das Downtown-Auktionshaus 9,6 Millionen Dollar. Doch im Guggenheim Museum auf Upper East Side wurde an diesem Abend gefeiert und der Gewinner des diesjährigen "Hugo Boss"-Kunstpreises prämiert.

Das in diesem Jahr auf die Summe von 100 000 Dollar verdoppelte Preisgeld ging an die in Palästina und New York lebende Künstlerin Emily Jacir. Während sich die 37-jährige im roten Kleid mit ihrem Preis fotografieren ließ, tranken sich die Gäste unbeirrt weiter durch den Abend und schlenderten, die Drinks in der Hand, Frank Lloyd Wrights Rotunde empor, die in den ersten beiden Stockwerken für die Party geöffnet wurde. Schauspielerin Julian Moore plauschte im VIP-Bereich mit Gloria von Thurn und Taxis, die den deutschen Junggaleristen André Schlechtriem im Schlepptau hatte. Neben Jacir waren die beiden Schweizer Künstler Christoph Büchel und Roman Signer, die Amerikaner Patty Chang und Sam Durant und der dänische Künstler Joachim Koester nominiert worden.

Vertreibung, Identität und Exil

Die festliche Stimmung stand im krassen Gegensatz zu den politisch aufgeladenen Arbeiten der in Bethlehem geborenen Emily Jacir. In Filmen, mit Fotografien, Malereien und Skulpturen beschäftigt sich die Künstlerin, die im vergangen Jahr bereits bei der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, mit der Vertreibung der Palästinenser, der verletzten Identität ihres Volks und dem Thema Leben im Exil. Bei ihrer Arbeit in Venedig zum Beispiel ging es um die Hinrichtung des palästinensischen Intellektuellen Abdel Wael Zwaiter. Er wurde von israelischen Agenten umgebracht, weil der Geheimdienst überzeugt war, dass er an den Attentaten auf Israels Mannschaft bei der Olympiade 1972 beteiligt war.

Vom 6. Februar bis zum 15. April 2009 wird Emily Jacir Arbeiten im New Yorker Guggenheim Museum zeigen. Vor ihr sind eine Reihe erfolgreicher Künstler mit dem seit 1996 existierenden Hugo-Boss-Preis ausgezeichnet worden. Dazu zählen Matthew Barney (1996), Douglas Gordon (1998), der Franzose Pierre Huyghe (2002) oder Tacita Dean (2006). Außerdem unterstützt das in Metzingen ansässige Modeunternehmen das Guggenheim seit 13 Jahren finanziell bei großen Ausstellungen wie auch bei der aktuellen Gruppenschau "theanyspacewhatever".

Viele Gäste dürften nach der bis ein Uhr nachts angesetzten Party mit einem Kater aufgewacht sein. Die Realität holt eben auch die finanziell angeschlagene Kunstwelt schneller ein, als so manchem lieb ist.

"Emily Jacir"

Termin: 6. Februar bis 15. April 2009, Guggenheim Museum, New York.
http://www.hugobossprize.com