Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Sabrina Rullert empfiehlt diese Woche alte Fotografieschätze in neuem Licht, künstlerische Konspirationen und junge chinesische Kunst.
Die Tipps der Woche:Fotografieschätze, Konspirationen und Vogelperspektiven

News

Köln: Alte Fotografieschätze in neuem Licht

Eine Pilgerreise zu den Meilensteinen der Kunst- und Kulturgeschichte der Fotografie bietet ein Besuch der "Meisterwerke aus der Fotografischen Sammlung" im Museum Ludwig in Köln. Robert Capas in Zweifel geratener fallender Soldat von 1936, Andé Kertész Ikone der Neuen Sachlichkeit, seine Aufnahme der "Gabel" von 1928, Alfred Eisenstaedts küssender Matrose auf dem Timesquare von 1945, und andere bekannte Werke von Größen wie Edward Weston, Alfred Stieglitz, Irving Penn und Henri Cartier-Bresson dürfen ab dem 1. August im Original bestaunt werden.

Die Fotografische Sammlung des Museums durfte bisher die konservatorisch heiklen Juwelen der Fotografiegeschichte nur in kürzeren Sonderausstellungen zeigen. Durch ein neues Lichtfiltersystem können die Bilder jedoch nun für längere Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Konstanz: Junge, chinesische Kunst aus der Vogelperspektive

Der 31-jährige Chinese Zhou Jinhua ist ein Aufsteiger der chinesischen Kunstszene. Erst im Jahr 2002 schloss er sein Malereistudium am Sichuan Institute of Fine Arts in Chongqing, China, ab. Im Stil traditioneller chinesischer Landschaftsmalerei hält er seine Gesellschaftsbeobachtungen aus der Vogelperspektive fest. Bunt und freundlich wirken die großformatigen Bilder auf den ersten Blick, konzentriert man sich jedoch auf Details, sind oft schockierende Szenen des chinesischen Alltagsleben zu entdecken: Schaulustige gaffen nach einem Verkehrsunfall statt zu helfen, eine Bande mordet während andere zuschauen. Nach Ausstellungen in China, unter anderem im National Art Museum in Peking, zeigte der Kunstverein Mannheim 2007 Arbeiten des Chinesen im Kontext anderer junger chinesischer Künstler. Mit "Alles war in Ordnung, bis das Unerwartete geschah" kann Zhou Jinhua nun im Kunstverein Konstanz ab dem 31. Juli eine große Einzelausstellung mit Gemälden und Videoprojektionen präsentieren.

Recklinghausen: Künstlerische Transformation der Vergangenheit

In den farbstarken, großformatige Aquarellen von Martin Dammann werden Menschen als Leerstellen dargestellt, so dass sie unidentifizierbare Fremde bleiben. Dammann, ein ehemaliger Meisterschüler von K. H. Hödicke, greift für die Motive seiner Malerei auf historische Fotografien zurück, die er aus einem Repertoire privater Bildnachlässe aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs bezieht. Als Vorlagen für seine Bilder wählt der Künstler nicht Motive aus, die das Kriegsgeschehen unmittelbar dokumentieren, sondern private Szenen des Soldatenlebens. "Es geht mir nicht um Vergangenheitsbewältigung, sondern um gegenwärtige Identität, das heißt, um die Frage, inwieweit Vergangenheit mein Selbstverständnis in der Gegenwart beeinflusst", erklärt Martin Dammann. Die Kunsthalle Recklinghausen zeigt bis zum 6. September Aquarelle, Zeichnungen, Fotografien und Videos des Berliner Künstlers unter dem Titel "Fremde Freunde".

Berlin: Soziale Plastik jenseits von Gedenkroutine

Das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls nähert sich. Der Berliner Kunstverein Artitude widmet sich in seinem Projekt "Write the Wall" der Mauer als "Ikone des welthistorischen demokratischen Wandels". Die Mauer war während des Bestehens der DDR auch ein lebendiges Zeugnis des Protests, eine Pinwand künstlerischer und politischer Statements. Der Kunstverein lässt nun 20 Mauersegmente in der Heidstraße im ehemaligen Grenzgebiet wieder aufstellen, um Künstlern wie Jim Avignon, BLU oder JR, aber auch allen anderen Besuchern, die Möglichkeiten zu geben, sich an der Gestaltung einer neuen "West Side Gallery" zu beteiligen. "Das Projekt öffnet über freies Gestalten einen ästhetischen Zugang zur Geschichte der dramatischen Umwälzung in Europa, verbindet Bildung und Kunst, Erleben und Gedenken", erklären die Initiatoren. Nur die Westseite der Mauer darf bei der Aktion bemalt, besprüht und beklebt werden, die Ostseite soll aber, zum Gedenken der damaligen Zustände, im tristen Betonlook bleiben. Die Veränderungen der Mauer werden bis November im Minutentakt von einer Kamera dokumentiert und im Internet veröffentlicht. Ein Rahmenprogramm mit Film- und Theaterabenden sowie Vorträgen und Workshops ergänzt die Aktion, die am 1.08 beginnt, am 13.08., dem Tag des Mauerbaus, einen Höhepunkt findet und bis November andauert.

Bern: Kulturelle Objekte als künstlerische Verschwörung

Die Ausstellung "The Conspiracy" der Berner Kunsthalle versucht einen öffentlichen Dialog anzustoßen über die Wahrnehmung und Rezeption von Kunst. Die Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generation wie Chris Evans, Raphael Julliard, Dora García, Ana Roldán und Falke Pisano sollen als Bespiele unterschiedlicher künstlerischer Kommunikationsstrategien das Thema für den Besucher greifbarer machen.
Was ist Verschwörung, was Verklärung? Die Berner Ausstellung hinterfragt die Legitimation der zeitgenössischen Kunst ab dem 1. August und orientiert sich dabei an Jean Baudrillards provokativem Text "Le Complot de l’Art" erschienen in der franzöischen Zeitung "Libération", der 1996 die Kunstwelt erzürnte. Baudrillard kritisierte darin, dass die Bedeutung eines kulturellen Objekts – eines Werks – oft nicht von seiner physischen Erscheinung, sondern von der Kunst bestimmt würde, die es durch Konzepte und Inszenierungen mit Inhalten auflädt. Die Kunst würde, so Baudrillard, dabei zu einem verschwörerischen "Insidergeschäft", dass für sich den Anspruch erhebe, Bedeutung generieren zu können.