Ai Weiwei - Operation in München

Ich wäre beinahe gestorben

Der chinesische Künstler Ai Weiwei wurde im Münchner Klinikum Großhadern wegen innerer Blutungen operiert. Nach eigenen Aussagen stand der 52-Jährige bei seiner Einlieferung am vergangenen Montag kurz vor dem Koma. Die Verletzungen sind vermutlich Spätfolgen der Festnahme in der Provinz Sichuan, bei der der Künstler körperlich misshandelt wurde

"Ich wäre beinahe gestorben", beschreibt Ai Weiwei seinen Zustand. Der Documenta-Künstler wurde am Montag dieser Woche wegen Gehirnblutungen in München operiert. Die Verletzungen seien "das Ergebnis der Schläge" der chinesischen Polizei vor vier Wochen, wirft Ai Weiwei der chinesischen Regierung vor.

Diese hatte ihn am 12. August dieses Jahres festgenommen und körperlich misshandelt. Grund für die Festnahme war sein Einsatz für die Erdbebenopfer der Provinz Sichuan.

Im Mai 2008 wurden bei einem Erdbeben der Stärke acht auf der Richterskala Tausende Opfer verschüttet. Aufgrund der fahrlässigen Bauweise der Schulgebäude waren unter den Opfern besonders viele Schulkinder. Um die Aufklärung weiter voranzutreiben, veröffentlichte Ai Weiwei auf seinem Blog die Namen von über 4000 Schulkindern, die dem Erdbeben zum Opfer fielen. Die Regierung der Provinz Sichuan versuchte bisher vergebens die Untersuchungen Ai Weiweis zu verhindern, bis es am 12. August zu seiner Festnahme kam.

An diesem Tag bereitete sich Ai Weiwei in einem Hotel in Chengdu darauf vor, den Angeklagten Tan Zuoren durch seine Zeugenaussage vor Gericht zu verteidigen. Tan Zuoren hatte sich für die Untersuchung der eingestürzten Schulgebäude eingesetzt und war aus diesem Grund wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" angeklagt worden. Kurz vor der Verhandlung wurden Ai Weiwei und zehn seiner freiwilligen Helfer um drei Uhr morgens von bewaffneten Polizisten unter körperlicher Gewalt in ihrem Hotel festgenommen und erst nach elf Stunden wieder freigelassen.

"Die Ärzte haben mich gerettet, und mir geht es jetzt wieder gut"

Vergangene Woche flog Ai Weiwei von Peking nach München um seine Ausstellung "So Sorry" im Haus der Kunst vorzubereiten. Nach der Ankunft in München klagte er über stärkere Kopfschmerzen als zuvor und wurde am Montag in die Klinik in Großhadern eingeliefert, wo man ihn wegen innerer Blutungen sofort operierte. Nach der Operation fühlt er sich bereits besser. "Die Ärzte haben mich gerettet, und mir geht es jetzt wieder gut", sagte er in einem dpa-Interview. Bis Montag muss er noch zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Unterdessen dokumentiert der Künstler seine Verletzungen, die Untersuchungen sowie seinen Heilungsprozess für die Öffentlichkeit. Die Fotos veröffentlicht er auf seiner "twitter"-Seite. Damit verarbeitet er zum einen die Geschehnisse auf künstlerische Weise und setzt sich zugleich gegen die Zensur der chinesischen Regierung zur Wehr, die seinen Blog regelmäßig sperrt und zu verhindern versucht, dass er sich für die Aufklärung des Bauskandals einsetzt.

Ai Weiwei selbst spricht von seiner Heimat als gefährliches Land, in dem "auch 60 Jahre nach der Gründung der Volksrepublik immer noch abgelehnt wird, Fehler selbst im Angesicht von Wahrheit oder Gerechtigkeit einzugestehen".
Die Ausstellung "So Sorry" im Haus der Kunst wird wie geplant am 11. Oktober mit der Installation "Remembering", die an die Erdbebenopfer in Sichuan erinnert, eröffnet.

Ai Weiwei "So Sorry"

Termin: 12. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010 im Haus der Kunst, München
http://www.hausderkunst.de/

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