Gib mir zwanzig! - Tipps für die Feiertage

Tipps für die Feiertage

Keine Lust mehr auf Lebkuchen, Weihnachtssterne und Glühwein? Dann genießen Sie doch einfach Kunst. Wir haben für Sie 20 Kunst-Höhepunkte für die Feiertage zusammengestellt, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Die großen Retrospektiven von Bacon bis Kandinsky, ein Film über festliches Rokoko und eine Silvesterparty in der Temporären Kunsthalle Berlin.

Wien: Retrospektive Christian Schad

Christian Schads Bilder haben etwas Magnetisches: Man will sie aus ganzer Nähe sehen und seine Figuren berühren. Eine umfangreiche Retrospektive widmet sich jetzt im Leopold Museum dem Werk Schads. Insgesamt werden 130 seiner Arbeiten zu sehen sein, die nicht nur sein Schaffen als deutscher Hauptvertreter der neuen Sachlichkeit zeigen. Auch seine frühen Werke, die geprägt von dadaistsichen und kubistischen Einflüssen waren, und seine späten Arbeiten, die sich der Pop-Art annäherten, werden bis zum 6. Januar in Wien zu sehen sein.

Wuppertal: James Ensor "Schrecken ohne Ende"

"Schrecken ohne Ende" heißt der Titel der Ausstellung, die jetzt in Wuppertal Arbeiten des belgischen Künstler James Ensor zeigt. Seine Bilder sind horrend, so viel ist sicher, oft finden sich Skelette und Totenschädel darin, und selbst seine Porträts haben etwas Gespenstisches. Überraschend modern wirken seine Arbeiten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden. Zu sehen sind seine Werke bis zum 8. Februar im von-der-Hedyt-Museum Wuppertal.

Aachen: Hartmut Ritzerfeld

Eine Entdeckung ist in Aachen zu machen: der Maler Hartmut ("Hacky") Ritzerfeld (Jahrgang 1950), der, wollte man ihn in einer stilistischen Richtung zuordnen, noch am ehesten in der Art Brut beheimatet wäre. Die wilden, ungestümen, mit ungeheuer kraftvollem und sicheren Pinselstrich hingehauenen Menschenbilder des ehemaligen Meisterschülers von Joseph Beuys sind bis zum 10. Januar in der Galerie S im Herzen der Altstadt (Hof 3) zu sehen.

Imst: Künstlerkollektiv AES+F

"ubuntu – die Kulturinitiative von SOS-Kinderdorf – setzt das 'Recht auf Kindsein' in allen kulturellen Kontexten um", so heißt es auf der Website der SOS-Kinderdörfer. Ubuntu präsentiert ab dem 18. Dezember in der Galerie Theodor von Hörmann (Imst) die Ausstellung "Mixed up Childhood", eine Bildtrilogie des russischen Künstlerkollektivs AES+F, die sich Kindern widmet, "die von Filmemachern manipuliert und von Agenten kokett verhöh(w)nt werden." Sie zeigen die "gestohlenen kinder der informationsgesellschaft" mit einer filmtrilogie zum erlkönig-thema und zu dem computerspiel "action half life". (bis 30. Januar)

Filmtipp: "Festliches Rokoko – Der Maler Matthäus Günther"

55 Jahre lang hat sich der bayrische Maler und Grafiker Matthäus Günther der Rokokomalerei verschrieben. Bis 1787 schuf er so insgesamt 70 Fresken und 25 Tafelbilder für Kirchen im süddeutschen Raum. Seine überbordende und festliche Malerei findet sich unter anderem in der Stiftskirche Tirol, die bei Kunstexperten als eine der schönsten Barockkirchen überhaupt gilt. Passend zu den festlichen Tagen über Weihnachten zeigt der TV-Sender BR-alpha am 27. Dezember um 20.15 Uhr die Dokumentation über Günthers Rokokomalerei.

Hamburg: Justin Bennett

"Ist es möglich Töne sichtbar zu machen? Was passiert mit unseren Gedankenprozessen und unserer emotionalen Wahrnehmung, wenn Klangbewegungen sich in einem Raum entfalten oder Töne gar manipuliert werden?" Fragen über Fragen, die die Ton- und Lichtinstallation des Engländers Justin Bennett, Jahrgang 1964, beantworten soll. Er untersucht den Klangverlauf von Kanonenschüssen, die daraus entstandene raumspezifische Installation ist bis zum 11. Januar im P40, einer ehemaligen Pathologie in der Friedrichsberger Straße in Hamburg zu erleben.

Basel: "Venedig – Von Canaletto und Turner bis Monet"

Venedig, ohne Zweifel eine der schönsten Städte der Welt, steht im Mittelpunkt einer Ausstellung der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel: Erstmals werden Venedigbilder von berühmten Malern wie Canaletto, Francesco Guardi, William Turner, James McNeill Whistler, John Singer Sargent, Edouard Manet, Pierre Auguste Renoir, Odilon Redon und Paul Signac gemeinsam gezeigt. Höhepunkt sind Gemälde, die Claude Monet 1908 in Venedig angefertigt hat. Eine Ausstellung zu schön um wahr zu sein, die man sich nicht entgehen lassen sollte (verlängert bis 15. Februar)

Wien: "Western Motel – Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst"

Der deutsche Filmemacher Wim Wenders beschreibt die Bilder von Edward Hopper so: Seine Bilder handeln "nicht nur an der Oberfläche von Amerika, sie graben sich tief ein in den amerikanischen Traum, untersuchen radikal dieses zutiefst amerikanische Dilemma von Schein und Sein." Gerade das gleichzeitige Bejahen des Scheins wie seine Entlarvung, ist es, auf die Hoppers großer Einfluss auf die zeitgenössische Kunst zurück zu führen ist. Referenzen auf seinen Metarealismus finden sich unter anderem bei Rachel Whiteread, David Claerbout bis hin Philip-Lorca diCorcia und Tim Eitel. Die Kunsthalle Wien zeigt bis zum 15. Februar Arbeiten von Edward Hopper neben den Arbeiten anderer Künstler, die seine hyperrealistische Bildsprache aufnehmen.

Stuttgart: "Matisse – Menschen Masken Modelle"

Die Staatsgalerie Stuttgart widmet sich in ihrer aktuellen Ausstellung "Matisse – Menschen Masken Modelle" der persönlichen Seite des großen französischen Künstlers Henri Matisse. In der Ausstellung soll deutlich werden, wie er sich seinen Modellen annäherte. Durch Abstraktion und Konzentration auf die Charakterzüge eines Menschen machte er das Wesentliche sichtbar. Neue Erkenntnisse zu Matisse` Familienverhältnissen, zu anderen Künstlern und zu seinen Modellen werden dabei miteinbezogen. Insgesamt zeigt die Ausstellung, die bis zum 18. Januar 2009 um eine Woche verlängert wurde, das breite Spektrum der Porträtkunst von Matisse.

Frankfurt: "Der Meister von Flémalle"

Der Meister von Flémalle (häufig mit dem in Tournai tätigen Künstler Robert Campin gleichgesetzt) und Rogier van der Weyden (der nachweislich zwischen 1427 und 1432 in der Campin-Werkstatt tätig war) sind neben den Brüdern van Eyck für die Entstehung und Entwicklung der niederländischen Malerei von zentraler Bedeutung. Dabei ist es Forschern bis heute ein Rätsel, wer dieser Meister von Flémalle überhaupt war. Er steht im Mittelpunkt einer Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum, die auch die Rolle von Rogier van der Weyden untersucht (bis 22. Februar, Gemäldegalerie Berlin 20. März bis 21. Juni).

Hamburg: "Europäischer Manierismus"

Die Platznot hat ein Ende – das Bucerius-Kunstforum am Hamburger Rathausmarkt hat eine zweite Etage hinzu bekommen. Und schöner konnten die neuen Räume kaum eingeweiht werden – mit einer großen Ausstellung zum Europäischen Manierismus. Die Werke von Jacopo Tintoretto, Giorgio Vasari, El Greco, Jan Brueghel d.Ä., Agnolo Bronzino und vielen anderen stammen aus dem Szépmüvészeti Múzeum in Budapest. (bis 22. Februar)

Hamburg: "Maloney, Meyerowitz, Shore, Sternfeld"

Mit den Arbeiten der vier Amerikaner Joe Maloney, Joel Meyerowitz, Stephen Shore und Joel Sternfeld präsentiert das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen vier Fotografen, die die Farbfotografie der Siebziger Jahren nachhaltig geprägt haben. Shore löst urbane Situationen aus ihrer scheinbaren Banalität. Ihm gegenüber finden sich romantisch anmutende Farbfeldkompositionen, die Meyerowitz auf Cape Cod in der "blauen Stunde" entdeckte. Die sensible, erzählerische Kraft von Sternfeld kommentiert zurückhaltend und doch ironisierend sozio-politische Strukturen amerikanischer Landschaft und ihrer Bewohner, während Maloney mit einer bewusst verfremdeten Farbwiedergabe den Realitätsbegriff zugunsten einer surrealen Wahrnehmung irritiert. (bis 11. Januar)

Hannover: "Jake und Dino Chapman"

Eigentlich sind die britischen Brüder Jake und Dinos Chapman ja die bösen Buben der Kunstszene, die ihre Zuschauer mit oft drastischen Inszenierungen schocken. In der Hannoveraner Kestnergesellschaft hingegen legen sie eine Art listiger Niedlichkeit an den Tag und überraschen mit Wellpappendinos, Schweinen, Hasen, Schafen und Ziegen, die wacklig auf Toilettenpapierrollen stehen und den Besucher herzensbrecherisch mit ihren Styroporkugelaugen anschielen. (bis 1. März)

Köln: "Gerhard Richter"

Der Maler Gerhard Richter hat in der jüngsten Vergangenheit Hochkonjunktur – Ausstellungen von London bis Peking, von Bonn bis Liechtenstein. Das Museum Morsbroich in Leverkusen zeigt mit den übermalten Fotografien eine bislang weitgehend unbekannte Werkgruppe Gerhard Richters: private Schnappschüsse mit bunten Farbresten besprenkelt (bis 18. Januar). Parallel dazu präsentiert das Kölner Museum Ludwig mit der Ausstellung "Abstrakte Bilder" (bis 1. Februar) rund 40 Gemälde aus den Jahren 1986 bis 2006.

Köln: "Künstlerpaare - Liebe, Kunst und Leidenschaft"

Dem Thema "Künstlerpaare" widmet das Kölner Wallraf-Richartz-Museum eine große Schau: Frida Kahlo (1907 bis 1954) mit ihrem Mann Diego Rivera (1886 bis 1957), Marianne von Werefkin (1860 bis 1938), und Alexej von Jawlensky (1864 bis 1941) oder Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) und Otto Modersohn (1865 bis 1943) – wobei dies eines der wenigen Beispiele ist, wo die Frau erfolgreicher war als der Mann. Insgesamt 170 Künstlerpaare seit der Renaissance sind mit Arbeiten vertreten. (bis 8. Februar)

Berlin: "Culture Clash"

Warum nicht mal Kunst und Vergnügen miteinander verbinden: Die temporären Kunsthalle macht`s möglich. "Culture Clash" heißt die große Silvesterparty, die am 31. Dezember ab 19.30 Uhr mit dem Sturm aufs Buffet beginnt. Einlass zur eigentlichen Party ist dann um 22 Uhr – DJ Jeep groovt ins Neue Jahr. Der Vorverkauf findet direkt in der Temporären Kunsthalle Berlin statt. Und damit neben der Feierkultur auch die Hochkultur nicht zu kurz kommt, gibt es für zwei im Vorverkauf erworbene Silvesterkarten eine Eintrittskarte für die Kunsthallen-Ausstellung "Candice Breitz – Inner + Outer Space" gratis dazu.

Filmtipp: "Emil Nolde – Farbe und Landschaft eines Malers"

Emil Noldes Landschaften liegen auf einem Grenzgebiet, genauer gesagt an der deutsch-dänischen Grenze, die einerseits trüb und doch farbenfroh auf seinen Bildern erscheint. Die Dokumentation von Hilfried Hauke, die am 27. Dezember um 20.30 Uhr auf Arte läuft, zeigt Haus und Garten Noldes in Seebüll und folgt 50 Jahre nach seinem Tod dem künstlerischen Leben Noldes.

München: "Wassily Kandinsky - Absolut. Abstrakt"

Wassily Kandinsky gilt als der Erfinder der abstrakten Malerei. Nun haben sich gleich drei große Kunstinstitutionen, die auch die größte Sammlung von Kandinsky besitzen, für eine große Retrospektive des russischen Künstlers zusammengeschlossen: Die Städtische Galerie im Lenbachhaus München, das Centre Georges Pompidou Paris und das Guggenheim Museum New York zeigen die Hauptwerke seiner wichtigsten Schaffensperioden. Im Lenbachhaus München startet die Werkschau, beginnend bei der Zeit des "Blauen Reiter" über seine Werke, die während der Zeit der russischen Revolution entstanden, bis hin zu den Bildern aus Kandinskys Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau. Ingesamt sind rund 90 Gemälde Kandinskys zu sehen. Ergänzt wird die Bilderschau durch sein druckgrafisches Werk. Bis zum 22. Februar wird die Aussstellung noch in München zu sehen sein. Im Anschluss wird sie in Paris (April – August 2009) und New York (September 2009 – Januar 2010) gezeigt.

London: "Francis Bacon"

In der Tate Britain ist bis zum 4. Januar 2009 eine Retrospektive des 1992 gestorbenen Malers Francis Bacon zu sehen. Alle Phasen Bacons, von seinen düsteren Anfängen in den Nachkriegsjahren bis hin zu seiner letzten Schaffensperiode, werden in London gezeigt. Seine Bilder, die immer wieder den menschlichen Körper und seine Degeneration zum Mittelpunkt haben, nehmen bis heute Einfluss auf die junge Künstlergeneration. Bacon besaß einen für das Medium Malerei außergewöhnlichen Mut zur Drastik, ohne dabei Effekthascherei zu betreiben.

Berlin: "Mercedes Heinwein"

Eine gewisse Beziehung zur Kunst des berühmten Vaters Gottfried Helnwein lässt sich nicht leugnen – auch Mercedes Helnwein pflegt einen nahezu fotorealistischen Stil. Ihre Motive sind häufig junge Frauen mit absurden Accessoires wie Spielzeug, Masken, Geweihen oder kleinen Haushaltsgeräten. Die Pool Gallery (Tucholskystraße 38) in Berlin Mitte zeigt bis zum 27. Januar ihre schwarzweißen und farbigen Zeichnungen.