Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit bauchrednerischer Selbstoffenbarung, der süßen Bitterkeit des Schmerzes und buntem Siebdruck in Op- und Pop-Art.

Dortmund: Stimme und Sprache

Sprache ist Macht. Sie kann einen beeinflussen, einem Halt geben, einem dazu verhelfen, andere zu beeinflussen. Sie ist Informationsträger und Kommunikationsmittel. Doch noch weit mehr. Identität.

Der HMKV Hartware Medien Kunst Verein zeigt 28 Videoarbeiten, Installationen und Performances, die sich mit dem Phänomen Sprache auseinandersetzen. Darunter Bühnenbild und Videodokumentation von Milo Raus Theaterperformance "Hate Radio", das den Boulevard-Radiosender RTLM und seine Aufrufe zum Völkermord in Ruanda aufgreift, und Asta Grötings "The Inner Voice", bestehend aus sechs Videos, die Bauchredner mit einer bleichen Puppe mit dunklen, kreisrunden Augen zeigen, und über die sie ihr Unterbewusstsein offenbaren.

Die Ausstellung "His Master´s Voice – Von Stimme und Sprache" ist vom 23. März bis zum 7. Juli im HMKV Hartware Medien Kunst Verein im Dortmunder U zu sehen.

Hamburg: Starke Bilder

Ein Telefon, eine Schreibmaschine und Schränke voller Schwarzweißfotografien – damit begann Hilaneh von Kories 1983 in Hamburg-Eppendorf. Ihre Bildagentur "Photoselection" birgt seither starke Porträts von Schauspielern und Musikern, Models und Politikern, Fußballern und Kulturträgern für die Medien. Besondere Bilder von Sophie Marceau etwa, die mit tiefgründigem Blick im Halbdunkel steht und deren Augen einen zu fixieren scheinen. Oder aber Bastian Pastewka, der vor einer Wand mit Schaufensterpuppenköpfen steht und das humorvolle Bild eines Freiwilds abgibt. Die seit 2005 bestehende Galerie Hilaneh von Kories zeigt die "HighLights" aus 30 Jahren Photoselection.

Die Ausstellung "HighLights: Photoselection – 30 Jahre" ist vom 21. März bis zum 24. April in der Galerie Hilaneh von Kories in Hamburg zu sehen.

Bremen: Süßbitter

Dass Schmerz auch etwas Süßes, beinahe lieblich Umhüllendes an sich haben kann, dürfte ein jeder noch von seinem ersten Liebeskummer in Erinnerung haben. In Trauer, Wut, Verzweiflung und auch Hassliebe schwelgend war man doch glücklich, fühlte man sich seltsam geborgen in diesem intensiven Gefühlschaos, das einen umgab. Nicht ohne Grund wird Schmerz seit der Antike in der Kunst aufgegriffen und seine Schönheit offenbart. Das Künstlerhaus Bremen präsentiert eine süßbittere Zusammenstellung von Videoarbeiten, die das zwiespältige Gefühl behandeln. Mit dabei die New Yorkerin Liz Magic Laser und der isländische Musiker und Universalkünstler Ragnar Kjartansson.

Die Ausstellung "Sweet Bitter Symphony" ist bis zum 19. Mai im Künstlerhaus Bremen zu sehen.

Stuttgart: Op und Pop

Geschichtlich gesehen ist Siebdruck die vierte Druckart. Ein Fakt, der die Op- und Pop-Art Künstler wohl kaum interessierte. Bedeutend für sie waren die Leuchtkraft der Farben und die neuen Möglichkeiten und bedruckbaren Materialien, die das Verfahren erschloss. Pop-Art-Künstler wie Keith Haring, deren bunte Figuren an Graffitizeichnungen angelehnt sind, und Robert Indiana, der sich mit einfachen Formen, Zahlen und Buchstaben aufs Wesentliche konzentriert, kommerzialisierten ihre Siebdruckarbeiten und rückten Kunst optisch und inhaltlich in die Nähe der Werbung. Die Staatsgalerie Stuttgart präsentiert 140 Werke amerikanischer Op- und Pop-Art-Künstler, darunter Andy Warhol.

Die Ausstellung "Op+Pop – Experimente Amerikanischer Künstler ab 1960" ist bis vom 23. März bis zum 16. Juni in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen.

Berlin: Willkommen im Westen

Das Ziel des transdisziplinären Forschungsprojekts "FormerWest" (2008 bis 2014) ist hoch gesteckt: eine kritische Neuinterpretation der Geschichte seit Ende des Kalten Krieges. Junge Künstler und Kunststudenten sowie Kuratoren und Theoretiker aus aller Welt haben sich dazu für eine Woche in Berlin zusammengefunden. Öffentliche Vorträge, Diskussionen und Gespräche kreisen um die Kommerzialisierung von Wissen, das Leben als Wettrennen gegen die Zeit und das Gedeihen von Kreativität. In den ausgestellten Kunstwerken und Installationen werden aktuelle Entwicklungen in Gesellschaft und Politik miteinbezogen und die Selbstidealisierung des Westens untersucht.

Das einwöchige Programm zum Forschungsprojekt "Former West – Dokumente, Konstellationen, Ausblicke" findet bis zum 24. März im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt.