Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit diskotanzenden Palästinensern, malerischen Synonymen und Inszenierungen der Realität.

Köln: Manipulation und Popkultur

Discotanzende Palästinenser, "The Smiths"-Fans aus aller Welt und Marxismus-Leninismus-Lehrer. Phil Collins Bilder erzählen wachsam von einer Kultur bestehend aus Mainstream, Unterhaltung und Popgeschichte.

Er beleuchtet, wie Medien manipulieren und diese Strategien in einem künstlerischem Kontext kritisch eingesetzt werden können. Aufgewachsen in Nordengland in den siebziger und achtziger Jahren, gilt sein Interesse der Musik, dem Fernsehen und der Popkultur, die in dieser Zeit entstand. Collins reist in weit entfernte Länder, häufig Gebiete des politischen Konflikts, wo sich Wandlungsprozesse vollziehen, die sein Interesse geweckt haben. Für seine aktuelle Ausstellung setzte er dieses Jahr eine ganz besondere Idee um, bei der er auf die Teilnahme der Bewohner der Stadt Köln angewiesen war. Dafür hatte er in der Obdachlosenunterkunft nahe dem Museums eine Telefonzelle installiert, die von den Gästen für kostenlose Ferngespräche 15 Minuten lang genutzt werden konnte, unter der Bedingung, dass die Gespräche aufgezeichnet und anonymisiert wiederverwendet werden durften. Das Material wurde von Musikern verarbeitet und musikalisch interpretiert. Die Besucher können sich nun während der Ausstellung in Hörkabinen zurückziehen und den auf Vinyl produzierten Werken lauschen.

Die Ausstellung "In every dream home a heartache" ist vom 18. April bis 21. Juli 2013 im Museum Ludwig in Köln zu sehen.

Köln: Hommage an die frühe Moderne

Tiefe, kräftige Farben und ein außergewöhnlich kleingehaltenes Format. Klare, einfache Formen und immer wieder das leuchtend auftauchende Rot. Die rauen Oberflächen sind sensibel und mindestens zehn bis 20 Mal aufwendigst übermalt. Diese Bilder stammen von dem jungen Maler und Bildhauer Lutz Driessen, der in den Niederlanden studierte und dessen Werke zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei pendeln. Die reduzierte Sprache seiner Bilder wirkt wie eine Hommage die Kunst der frühen Moderne. Driessen lässt Pinselspuren und Farbmaterie sichtbar stehen, so dass der Betrachter an den verschiedenen Stufen der Bildfindung in gewisser Weise teilhaben kann. Voraussetzung ist aber ein geduldiges Sich-Einlassen auf die Sprache des Bildes. Diese Anforderung an den Betrachter ist, angesichts des heutzutage allgegenwärtigen Bildkonsums, geradezu eine bewusste Provokation.


Die Ausstellung "Lutz Driessen ist vom 19.April bis 25. Mai 2013 in der Galerie Hammelehle und Ahrens in Köln zu sehen

Hamburg: Kopf ab! Leinen los!

Eine kalte Brise weht über das Deck der "MS Bleichen", weiße Leichensäcke wehen auf dem Deck des alten Schiffs, die mit Lichtern angestrahlt Morsezeichen in die Nacht versenden. Ein Schauer ergreift die Anwesenden. Die für das Kunstfestival "Wahrschau" inszenierte Installation des Künstlers Arne Lösekann spricht das in der Gesellschaft tabuisierte Thema "Tod" an. Er spielt mit dem individuellen Entsetzen, wenn der Betrachter entdeckt, was die weißen Segel wirklich sind. Unter Deck lauert die entwaffnende Installation der Künstlerin Felicitas Schäfer. Ein goldenes Maschinengewehr aus Latex und Kunststoff, aus dem Haare zu wachsen scheinen. Die Kuratorin und Künstlerin Friederike Schulz organisiert seit 2007 Veranstaltungen unter dem Namen "Freifrau von Schulz", dem Verein für Kunst und Kultur. Entstanden ist dadurch das Kunstfestival "Wahrschau!", das jährlich im Hamburger Freihafen stattfindet. Der namengebende Ruf aus der Seefahrt warnt dieses Mal vor künstlerischen Kollisionen rund um das morbid-absurde Thema Freibeuter und Piraterie. Als Kulisse hierfür dient das alte Museumsschiff die "MS Bleichen". Das Kunstfestival vereint Künstler aus ganz Deutschland die als Freigeister oder Grenzbrecher ihr Unwesen treiben. Sie zeigen raumfüllende Collagen, Malerei, Installationen – neue Werke, die extra für "Wahrschau!" entstanden sind.


Das Kunstfestival "Wahrschau" Freibeuter ist vom 12. April bis 30. April 2013 auf der Ms Bleichen im Hamburger Freihafen zu sehen

Neustadt: Heimspiel

Bernhard Prinz' Werke sind oft strenge, reduzierte, malerische Porträts. Akkurat, penibel und vor allem sensibel inszeniert. Titel sind für ihn essenziell. Wie kann man einem bereits perfekten Bild eine Wendung geben? Dieser Künstler findet Synonyme, verpackt diese malerisch und lässt den Betrachter immer entscheiden, ob er diese für sich nutzt, oder nicht. So entsteht niemals ein Zwang, vielmehr eine neue Perspektive auf seine Bilder. Prinz ist einer der bedeutendsten Fotografen und Künstler Deutschlands. Er entzieht sich mit seinen Arbeiten den Regeln, der modernen, künstlerischen Fotografie. Prinz hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen gewonnen und ist seit Beginn der achtziger Jahre in der internationalen Kunstszene tätig. Anlässlich seines 60. Geburtstages werden aus seinem umfangreichen Oeuvre ausschließlich neue Arbeiten präsentiert, die Bernhard Prinz exklusiv für die Ausstellungsräume im Haardter Schloss ausgewählt hat.


Die Ausstellung "heimspiel3: Bernhard Prinz" ist vom 20. April 2013 bis 11. August 2013 im Haardter Schloss in Neustadt an der Weinstraße zu sehen

Oldenburg: Die Inszenierung der Realität

Große Videoinstallationen flackern über schwebende Leinwände. Man sieht eine Überwachungskamera, die zwei Gefangene filmt, die zum Hofgang hinausdürfen. Sie fangen an miteinander zu kämpfen. Ein Schuss fällt. Einer der Beiden ist sofort tot. Diese Aufnahmen sind bedrückende Realität eines amerikanischen Gefängnisses. Harun Farocki, in Berlin lebender Künstler, Autor und Filmemacher zählt in Deutschland mittlerweile zu den bedeutendsten Vertretern des experimentellen Films. In seiner Ausstellung "Spiel und Spielregeln" zeigt er acht audiovisuelle Installationen und Filme, die scheinbar dokumentarisch, jedoch extrem analytisch zu betrachten sind. Er spielt mit Mustern, der szenischen Wiederholung und historischen Filmausschnitten. In den unteren Räumen der Galerie sieht man Aufnahmen, die inszenierte Rollenspiele verschiedenster Berufsgruppen zeigen, die kurz vor Ende der DDR gefilmt wurden. Wie üben wir Dinge ein? Und wann wird die Inszenierung zur Realität?



Die Ausstellung Harun Farocki "Spiel und Spielregeln" ist vom 12. April 2013 bis 9. Juni 2013 im Edith – Russ – Haus für Medienkunst in Oldenburg zu sehen