Neue Fotobücher - Bookmarks

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art-Redakteurin Ulrike von Sobbe stellt neue, spannende Kunstbücher vor – diesmal mit: Annie Leibovitz' Pilgrimage und Paris im Fotobuch

Hans Michael Koetzle (Hrsg.): Eyes on Paris. Paris im Fotobuch. 1890 bis heute.

Eiffelturm, Champs Elysees, Seine-Ufer rechts und links: Gibt es eigentlich noch ein Stück Paris, das noch nicht geknipst worden ist? Kaum – und darum näherte sich das Hamburger Haus der Photographie der französischen Hauptstadt in diesem Jahr von einem anderen Standpunkt. Über das Fotobuch nämlich, das ab 1900 zum (so die Ausstellungsmacher) „unumstrittenen Botschafter fotografischer Strategien und Konzepte“ avancierte.

Das Ergebnis: ein höchst spannendes Stück Kulturgeschichte. "Eyes On Paris" stellt etwa 130 Bildbände zwischen 1890 und heute vor und dokumentiert dabei aufs Anschaulichste, wie unterschiedlich Brassaï, Willy Ronis, André Kertesz und viele andere die Metropole an der Seine gesehen – und wie nachhaltig sie unser Bild von der "schönsten Stadt der Welt" beeinflusst haben: ob bei Tag oder in der Nacht, verkommene Hinterhöfe oder mondäne Boulevards – sehr berührend die Erkundungen in den Bars und Cafés der zwanziger Jahre, Fotostudien, die so eindringlich sind, dass man meint, im Hintergrund Pianoklänge zu vernehmen. Und da es eine Schau über Fotobücher ist, wird der Begleitband dieser Ausstellung (bis 8. Januar 2012 in den Deichtorhallen) zum besonderen Genuss.

Hirmer Verlag. 418 S., 899 Abb., 49,90 Euro

Annie Leibovitz: Pilgrimage

Einst standen die Promis dieser Welt vor ihrer Kamera: Mick Jagger, George W. Bush, Bette Midler. Und nun? Auf den Bildern ihres neuen, schönen Bandes "Pilgrimage" ist kein einziger lebender Mensch zu entdecken. Stattdessen stürzen gewaltige Wassermassen in die Tiefe, ist ein alter Zylinder zu sehen oder eine vollgestopfte Werkstatt. Keine Frage: Annie Leibovitz, mittlerweile 62 und gefeierte Fotografin, hat sich auf eine ganz eigene Pilgerreise begeben, zu (Kult-)Orten amerikanischer Geschichte. Auf große Namen musste sie dabei allerdings auch nicht verzichten. Und so können wir nun die Handschuhe von Abraham Lincoln bewundern, den Plattenspieler von Elvis Presley und die Geweihsammlung von Thomas Jefferson. Ein bisschen eklektisch das Ganze und für deutsche Betrachter nicht immer leicht nachzuvollziehen, aber ebenso stimmige wie stimmungsvolle Meditationen über Vergänglichkeit und Erinnerung sind dabei allemal entstanden.

Schirmer/Mosel Verlag. 246 S., 128 Farbtafeln. 49,80 Euro

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