Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Ines Meisner empfiehlt diese Woche Müllskulpturen, Kunst aus Detroit und eine Musikperformance.

Kiel: Sculpt-o-mania

Dass gute Ausstellungen nicht immer große Budgets brauchen, zeigt die Kieler Stadtgalerie. Dort hat Direktor Wolfgang Zeigerer mit bescheidenen Mitteln – denn sein Museum wird von der Stadtverwaltung ziemlich kurz gehalten – eine spannungsreiche Schau zum Thema "Neue Skulptur aus Deutschland" (bis bis 18. Januar 2009) auf die Beine gestellt.

Zwölf junge Bildhauer, alles relative Newcomer wie Antonia Low, Oliver Ross und André Tempel, bespielen die 1200 Quadratmeter großen Galerieräume. Nándor Angstenberger hat eine utopische Miniaturstadt aus Alltagsmüll aufgebaut – ganz in Weiß. Darüber brauen sich Dennis Feddersens schwarze "Sponger", organisch-wuchernde Schaumstoffskulpturen, wie drohende Gewitterwolken auf. Gegenüber wird man vor ein paar Gemäldeklassikern ausgelacht. Robert Barta hat die Bilder aus lokalen Sammlungsbeständen ausgeliehen und mit Lachkonserven präpariert. Kontemplatives Highlight der Schau ist Henrik Lörpers "Zelle mit Organ", ein transparenter Folienwürfel in Zimmergröße, der sich durch winzige Ventilatoren langsam aufbläst. Die Prozedur dauert etwa 30 Minuten. Das Warten lohnt: Wenn sich die knitterige Plastikhaut für einen flüchtigen Moment in einen kristallinen Kubus verwandelt, glaubt man wieder an die transzendentale Kraft der Kunst im dreidimensionalen Raum.

Wien: "Young and reckless 1"

Dröge Kunst an staubigen Wänden der Sparkasse? Es geht auch anders. In Wien erklärt die BAWAG P.S.K. eine ihrer ehemaligen Filialen kurzerhand zum Ausstellungsort. Ziel ist möglichst vielen jungen Wiener Künstlern einen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie ihre Arbeiten präsentieren können. Deshalb wechseln die Ausstellungen in den ehemaligen Finanzräumen auch monatlich. Die Reihe beginnt am 3. Dezember mit dem Künstler Christoph Weber, der sich selbst als "postpopneokonzeptueller Künstler". Für seine Arbeit "The first minutes of october" (2007) übersetzte er die ersten Szenen des Films "Oktober" von Sergei Eisenstein in ein Stahlobjekt. Die spitzen Eisenplatten, die zu einer Art auseinander berstenden Stern arrangiert sind, entsprechen der stillen und monumentalen Ästhetik des Films. Und seine Installation "Trauma" von 2008 besteht aus sieben Türen, die auf Kopfhöhe aufgeschlitzt wurden. Die Holzsplitter ragen bedrohlich in den Ausstellungsraum und verdeutlichen schnell auf welcher Seite der Tür sich der Betrachter befindet. Die Arbeiten von Weber sind bis Ende Dezember zu sehen.

Kunstverein Stuttgart: "Beyond vision"

Was wäre, wenn man hören könnte, was man sieht und wenn man sehen könnte, was man hört? Das Videokonzert "Beyond vision", das seine Premiere am 3. Dezember im Kunstverein Stuttgart hat, könnte darauf Antworten geben. Auf der Bühne werden je zwei Streichquartette um eine Gruppe von sieben LCD-Bildschirme gruppiert, die hinter einem Aufbau verschwinden, so dass der Zuschauer die Bildschirme als Gucklöcher wahrnimmt. Darauf zu sehen sind Ausschnitte aus einem Film. Bilder und Musik lassen Raum für die eigene Assoziation der Betrachter bzw. Zuhörer. Das Erleben und Verstehen der surrealen Traumwelten, die in diesem Konzert dargeboten werden, liegen eben ganz im Auge des Betrachters. Am 3. Dezember 2008, um 21 Uhr ist Premiere. Weitere Termine: 5. Dezember um 19 Uhr und um 21 Uhr.

Berlin: Made in Detroit – Changing Cities

Die Galerie Eva Bracke zeigt ab dem 29. November bis zum 4. Januar unter dem Titel "Made in Detroit – Changing Cities" Werke von 13 Detroiter Künstlern. Wie viele Großstädte, ist auch Detroit eine Stadt der Widersprüche: Nach einigen glanzvollen Aufschwungsjahren durch die in Detroit angesiedelte Automobilindustrie liegen jetzt, in Zeiten der wirtschaftlichen Rezession, ganze Wohngebiete brach. Das Detroiter Bürgertum pflegt dennoch ihr kulturelles Dasein. Die Arbeiten der Detroiter Künstler macht der genaue Blick in die Nischen und Winkel ihrer Stadt aus. Mit seiner Fotografie "Corner" (2008) zeigt Cyrus Karimipour eine Straßenszene, die auch in Berlin angesiedelt sein könnte: Ein junger Mann steht an einer Straßenecke, im Hintergrund verweisen Häuser und Straßen auf die zerfallende Stadt und ein alter Mann dreht dem Betrachter den Rücken zu. Karimipours Großstadtszene ist exemplarisch für die Arbeiten der Künstler, die Momente der Verwandlung offenbaren: Die Verwandlung vom Schönen und Vollständigen, hin zum Hässlichen und Unvollständigen. Die Sozialkritik schwingt dabei fast unbewusst mit und macht die gezeigten Werke zu einem wichtigen Stück Zeitgeschichte.

MKM Duisburg: Inside // Outside

Wer hat nicht schon sein Hotelzimmer oder den Innenraum einer Kirche fotografiert, um sich später an den besonderen Ort zu erinnern und um zu beweisen, dass er da gewesen ist? Die besondere Beziehung der Fotografie zum Thema Raum ist auf ihre dokumentarischen Charakter und ihre behauptete Objektivität zurückzuführen. Das Museum Küppersmühle für Moderne in Duisburg präsentiert unter dem Titel "Inside // Outside. Innenraum und Ausblick in der zeitgenössischen deutschen Fotografie" insgesamt 70 Arbeiten, die sich mit dem Thema Raum beschäftigen. Candida Höfer zeigt auf ihrer Fotografie "Teatro Municipal Rio de Janeiro II" (2005) den menschenleeren Saal des Stadttheaters von Rio de Janeiro. Die Abwesenheit der Menschen entlarvt den festlichen Raum als Ort, der auch ohne ihre Anwesenheit, von ihnen spricht. Zu sehen ist auch der einfache Blick aus dem Fenster, wie etwa bei Günther Förgs Arbeit "Villa Malaparte" (1990). Nur auf den ersten Blick ist dieser Ausblick malerisch. Eine Frage bleibt offen: Was sehe ich wirklich? Bei den gezeigten Fotografien verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Täuschung, zwischen Weite und Begrenzung. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. Januar 2009.

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