Ata Macias & Partner - Frankfurt

Ata und seine Freunde

Kunst, Design, Möbel und Musik: Das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst feiert mit der Ausstellung "Give Love Back. Ata Macias und Partner" den Frankfurter DJ Ata Macias als Regisseur freier und angewandter Künste.

Langer, dunkler Bart und weite, bunte Baumwollhose. Der Frankfurter Gastronom und DJ Ata Macias könnte auch problemlos als Guru auftreten.

Doch noch fremdelt er. In dem großen, weißen Richard-Meier-Bau am Frankfurter Museumsufer scheint er sich noch nicht recht heimisch zu fühlen. Und das, obwohl er doch der Protagonist der neuen Ausstellung "Give Love Back. Ata Macias und Partner" im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt ist. Im vergangen Jahr hat der neue Direktor Matthias Wagner K die ständige Sammlung mitsamt Vitrinen aus dem Haus verbannt, um frischen Wind in die angestaubten Museumsräume zu lassen.

Und jetzt also Ata, der DJ. Die Ausstellung über den 1968 als Sohn spanisch-griechischer Eltern geborenen Frankfurter zeigt erstmals, welch weitgefassten Ansatz der Direktor und die beiden Kuratorinnen Eva Linhart und Mahret Kupka vertreten. "Wir sehen Ata als eine Art Knotenpunkt eines großen Netzwerks, als jemanden, der Menschen zusammenbringt, Prozesse anstößt und Atmosphären schafft."

Tatsächlich ist der Musiker so eine Art Tausendsassa in seiner Heimatstadt. Ata ist nicht nur als DJ international gefragt, auch der 1999 von ihm mitbegründete Club "Robert Johnson" ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Der Plattenladen Delirium und der Design-Store Bergmans, an denen er beteiligt war, existieren zwar schon lange nicht mehr, aber in Frankfurt sind sie Legende. Und seit dem sich Ata mit dem Café Plank und dem Restaurant Club Michel, in dem er auch selbst am Herd steht, im Frankfurter Bahnhofsviertel angesiedelt hat, gilt das Viertel der Prostituierten und Junkies plötzlich als hippe Ausgehmeile. Die amerikanische "New York Times" lobt die "Sexiness" des Viertels genauso wie das deutsche "Zeit"-Magazin. Die Redaktion des letzteren hat 2013 eine komplette Ausgabe, der Stadt und dem Viertel gewidmet. Das Cover-Bild zeigt, na was wohl? Eine Besucherin, die lässig am Eingang des Plank lehnt.

Und der, dem alles so scheinbar mühelos gelingt, soll nun auch vormachen, wie Museum geht. Oder zumindest verdeutlichen, "was angewandte Kunst heute sein kann." Das erstaunt. Am meisten wohl den DJ selbst. Ihn, der sich stets auf seine Intuition, sein Bauchgefühl verlässt und verlassen kann. Und der mal Interior-Designer werden wollte und jetzt die Interieurs seiner Clubs und Lokale selbst plant. "Wenn etwas fehlt, dann baue ich es selbst. Und wenn es meinen Freunden gefällt, baue ich es einfach noch mal." Die Kuratorinnen werden nicht müde zu betonen, dass sie Ata erst davon überzeugen mussten, dass das, "was er macht, angewandte Kunst ist."

Nun wird er im Kontext seiner Freunde und Wegbegleiter gezeigt. Am Beginn der Ausstellung liegen schwarz und weiß lackierte Bretterstapel auf dem Boden, – eine Arbeit des Konzeptkünstlers Michael Riedel. Schon 2004 hatte Riedel das Interieur des Robert Johnson nachgebaut, es kopfüber an die Decke der Frankfurter Galerie Neff installiert und die Musik eines Clubabends rückwärts ablaufen lassen. Nicht weit entfernt davon befinden sich die Fotos von Daniel Herrmann. Sie zeigen die tanzenden und mit grellem Blitz fotografierten Gäste des Robert Johnson. Allesamt verschwitzte, junge Leute mit verrutschter Schminke oder überraschtem Gesichtsausdruck. Momentaufnahmen längst vergangener Zeiten. Auch der Künstler Carsten Fock ist mit einer Tapete vertreten, die er bereits 2008 im Club realisierte. Im Archiv-Raum haben die Programmierer von Meso, die legendären Plakate, aber auch Plattencover, Fotografien und Grafiken zu einer digitalen Bilder-Show aufbereitet, direkt daneben kann man ausgewählte Musik von Labels hören, an denen Ata maßgeblich beteiligt war oder noch ist.

Am Ende gibt es dann neben all der Musik und bildenden Kunst doch noch Design. Gemeinsam mit Susanne Theißen vom Frankfurter Laden 2ndhome entwickelte Ata speziell für die Ausstellung einen eigenen Concept Store. Dort sind neben Entwürfen von Ata wie das Tischset "3 Freunde" und dem teilweise geschwärzten Spiegel "Be happy" auch zahlreiche Objekte wie etwa Mode, Möbel, Turnschuhe, Tischgeschirr, Ledertaschen und Accessoires von kleinen Manufakturen und großen Marken wie adidas zu sehen. Der Concept Store ist die charmante Umsetzung der Idee Eva Linharts, im Museum ausgestellte Konsumgüter auch "konsumierbar" zu machen. Hier ist alles käuflich. Selbst die große und 1,6 Tonnen schwere Plattensammlung des DJs. Und noch etwas wird im Store deutlich. Ata ist Unternehmer. Ein erfolgreicher Geschäftsmann, der dem kühlen Bankenstandort Frankfurt mit seinen Aktivitäten besondere Atmosphäre verleiht. Jetzt ehrt ihn die Kulturszene dafür.

Give Love Back. Ata Macias und Partner

bis 11. Januar 2015
Museum Angewandte Kunst, Frankfurt
http://www.museumangewandtekunst.de/item/id/149