Echtwald AG - Thomas Grässlin

Bäume für die Welt

"Echtwald" ist das neue Projekt des Kunstsammlers Thomas Grässlin und seiner Partnerin Nanette Hagstotz. Internationale Nutzwälder sollen in naturbelassene Urwälder zurückverwandelt werden – und dabei helfen sollen Künstler wie Tobias Rehberger, Daniel Roth und Andreas Slominski. art sprach mit Thomas Grässlin über Ökologie und Kunst.
Bäume für die Welt:Thomas Grässlin über sein Projekt Echtwald

Entwurf einer Funktionseinheit von Jan Timme: "Spiral Staircase", 2009 – Modell einer baumhohen Wendeltreppe mit Stufen aus Holz

Herr Grässlin, vom Kunstsammler zum Baumsammler! Wie entstand die Idee zu Ihrem neuen Projekt "Echtwald"?

Thomas Grässlin: Ich sammle und beschäftige mich schon lange mit Bäumen. Wir haben bei uns in St. Georgen auch ein kleines Arboretum, also eine Sammlung diverser Bäume. Meine Überlegung war: Wie sieht eigentlich die Landschaft des 21. Jahrhunderts aus? Ich glaube, der Urwald ist die Gartenphilosophie der Jetztzeit.

Und wo sollen die Urwälder entstehen?

Das Projekt ist international angelegt. Das Pilotprojekt werden wir in der Region Schwarzwald/Bodensee beginnen – und das nächste Waldgebiet wird dann wahrscheinlich in Italien entstehen.

Was sind die Kaufkriterien für die Gebiete?

Sie müssen schon eine ausreichende Größe haben, damit daraus auch ein attraktives Stück Wald entstehen kann. 1000 Hektar wäre ideal. Die Verwandlung in Urwald wird dann zusammen mit Universitäten stattfinden, es findet also ein professionell begleitender Prozess statt. Dabei gibt es zunächst eine historische Erkundung. Es wird definiert und ermittelt, wie der Urwald in der Region vor der Besiedlung und Forstwirtschaft aussah, und dann werden wir zeitliche und räumliche Umwandlungskonzepte erarbeiten.

Für "Echtwald" arbeiten Sie auch wieder mit Künstlern zusammen.

Zehn Künstler, Tim Berresheim, Clegg & Guttmann, Tue Greenfort, Till Krause, Simon Dybbroe Møller, Tobias Rehberger, Daniel Roth, Andreas Slominski, Vincent Tavenne, Jan Timme und Ina Weber, von denen viele auch Teil der Sammlung Grässlin sind, werden Funktionseinheiten, wie zum Beispiel Hütten, in dem Gebiet gestalten. Till Krause möchte eine Ausstellungshalle bauen, in der wiederum andere Urwaldkonzepte thematisiert werden, quasi der Blick aus unserem Wald in die Welt. Denn es gibt ja bereits viele Renaturierungsprojekte. Aber die aktive Renaturierung in Verbindung mit Kunst ist in dieser Kombination neu.

Statt Skulpturenparks wird es also bald weltweit Skulpturenurwälder geben?

Ich mag den Begriff Skulpturenpark nicht. Ich würde eher von einer Ansiedlung sprechen, in der man auch übernachten kann. Man soll in den Hütten ja richtig Urlaub machen können. Wir möchten junge Familien aus Berlin oder Stuttgart erreichen, die naturnah in diesem Gebiet leben können. Deshalb werden die Urwälder auch an den Ballungsgebieten entstehen – sie müssen verkehrstechnisch gut erreichbar sein. Das Ziel sind künstlerische Naherholungsgebiete mit einer hohen Qualität von Natur.

Und gibt es neben ökologischen und künstlerischen auch finanzielle Interessen?

Das Projekt muss sich ja tragen. Deshalb gründen wir eine offene Gesellschaft, in der man Anteile erwerben kann. Ziel ist eine Aktiengesellschaft. Und die kleinste Einheit soll 20 Euro kosten. Wenn ein Kind geboren wird, kann die Mutter dann gleich einen Anteil an einem zukünftigen Urwald erwerben. Einkunftsmöglichkeiten sind außerdem auch der Holzertrag, die Vermietung der Funktionseinheiten und lokale Merchandising-Produkte, wie zum Beispiel der "Echtwald-Honig".

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