Ruhr 2010 - Kunstführer

Kunstführer Ruhr 2010

Die Kunstmuseen des Ruhrgebiets planen gemeinsam Großes und rücken dafür enger zusammen. Im Jahr der Kulturhauptstadt treten sie erstmals unter dem Dach der neuen Marke "RuhrKunstMuseen" auf und präsentieren sich mit den Projekten "Mapping the Region" und "Collection Tours" dem Publikum. Auch sonst bietet das Kunstprogramm der Ruhr.2010 viel Sehenswertes. artstellt Ihnen die RuhrKunstMuseen sowie eine Auswahl herausragender Ausstellungen und Open-Air-Höhepunkte vor.

RUHRKUNSTMUSEEN

Kunstmuseum Bochum

Kortumstraße 147, Tel. (02 34) 9 10 42 30, Di–So 10–17, Mi bis 20

Frisch renoviert geht die Institution ins 50. Jahr ihres Bestehens. Der Fokus von Sammlung und Ausstellungsbetrieb liegt traditionell auf ost- und zentraleuropäischer Kunst, passend dazu wird im Sommer der Bogen zwischen islamischer und zeitgenössischer Kunst geschlagen ("Unerwartet/ Unexpected", 19.6.–10.10.). Ab 31.10. präsentiert das Museum herausragende Werke aus den Sammlungen im Ruhrgebiet ansässiger Unternehmen (bis Februar 2011).

Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum

Universitätsstraße 150, Tel. (02 34) 3 22 67 82, Di–Fr 11–17, Sa–So 11–18

Seit 1967 sammelt die junge Universität moderne Kunst von erster Güte, mit der Max Imdahl gewidmeten "Situation Kunst" (Nevelstraße 29c) ist 1990 ein architektonisch beeindruckender Ausstellungsort hinzugekommen. Im Stiftungsbau sind vier Jahrhunderte Landschaftsdarstellungen zu sehen ("Weltsichten", 1. Teil zu Malerei 8.5.–5.9., 2. Teil mit Installationen, Fotos, Videos 11.9.–21.11.), das Campusmuseum beherbergt ein Projekt von Mischa Kuball (28.10.–30.4.2011).

Josef-Albers-Museum Quadrat Bottrop

Im Stadtgarten 20, Tel. (0 20 41) 2 97 16, Di–Sa 11–17, So 10–17

Am quadratischen Grundriss zeigt sich die inhaltliche Ausrichtung des 1983 eröffneten Museums: Die Sammlung ist den Spielarten der konstruktiv-konkreten Kunst gewidmet und damit der perfekte Rahmen für die fotografischen Bergwerks- und Hüttenserien von Hilla und Bernd Becher (7.2.–2.5.).

Museum am Ostwall Dortmund

Rheinische Straße, Tel. (02 31) 5 02 32 47, Di, Mi, Fr, So 10–17, Do 10–20, Sa 12–17

Mit dem Umzug in das Dortmunder U bekommen die Sammlungen des Hauses den Platz, der ihnen gebührt. Herausragende Werke finden sich zum deutschen Expressionismus, zu Fluxus und Informel. Bevor das Museum im Herbst als künstlerisches "Kraftwerk" wieder eröffnet wird, erkunden Kinder und Jugendliche in "U-Westend" (9.7.–18.9.) den benachbarten Stadtteil.

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg

Philosophenweg 55, Tel. (02 03) 30 19 48 11, Mi 14–18, Do 11–18, Sa–So 11–18

Im einem umgebauten Mühlen- und Speicher-gebäude im Innenhafen der Stadt findet sich die Sammlung Ströher mit zahlreichen wichtigen Werken der deutschen Nachkriegskunst. Olaf Metzel setzt sich hier unter dem spöttischen Titel "Noch Fragen?" mit dem Duisburger Alltag auseinander (26.2.–24.5.), im Herbst ist die Eröffnung des spektakulären Erweiterungsbaus geplant.

Museum DKM, Duisburg

Güntherstraße 13–15, Tel. (02 03) 93 55 54 70, Fr–Mo 12–18

Das jüngste private Kunstmuseum im Ruhrge-biet geht auf die Initiative der Stifter Dirk Krämer und Klaus Maas zurück. Im März thematisiert Ai Weiwei in deren Galerie DKM im Duisburger Innenhafen (Philosophenweg 17a) das Erdbeben von Sichuan, der chinesische Künstler wird zudem im Museum der hauseigenen Sammlung eigene Arbeiten gegenüberstellen (19.3.– 20.9.).

Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg

Friedrich-Wilhelm-Straße 40, Tel. (02 03) 2 83 32 94, Di–Sa 11–17, So 10–18

Seinem Titel als Zentrum Internationaler Skulptur wird das Haus im Duisburger Kant-Park vollauf gerecht. Neben dem künstlerischen Nachlass des Namensgebers finden sich hier Werke quer durch die gesamte Geschichte der modernen Skulptur. Am 31. Januar eröffnet eine Ausstellung mit 120 Werken des Bildhauers Alberto Giacometti (bis 18. April).

Museum Folkwang, Essen

Museumsplatz 1, Tel. (02 01) 8 84 54 44, Di–So 10–20, Fr 10–24

Mit seinem prachtvollen Neubau kommt das auf Karl Ernst Osthaus zurückgehende Haus in der Gegenwart an (siehe Seite 36).

Kunstmuseum, Gelsenkirchen

Horster Straße 5–7, Tel. (02 09) 1 69 43 61, Di–So 11–18

Mitte der sechziger Jahre spezialisierte sich das städtische Museum erfolgreich auf Werke der kinetischen Kunst und benachbarter Gebiete. In der ständigen Sammlung finden sich zudem sehenswerte Arbeiten der Klassischen Moderne.

Emil-Schumacher-Museum Hagen

Museumsplatz 1, Tel. (0 23 31) 2 07 31 38, Di–Fr 10–17, Sa–So 11–18

Im letzten Jahr durfte Emil Schumacher, der abstrakte Expressionist und große Sohn der Stadt, in neue Räume umziehen. Nun nimmt Museumsleiter Alexander Klar mit einer Schau zur europäischen Abstraktion nach 1945 (9.2.–16.5.) und einer großen Geburtstagsausstellung für Schumacher (27.8.–17.10.) eine vorsichtige Neubestimmung vor.

Osthaus-Museum Hagen

Museumsplatz 3, Tel. (0 23 31) 2 07 31 38, Di–Fr 10–17, Sa–So 11–18

Mit dem Neubau des Emil-Schumacher-Museums ist in Hagen ein Kunstquartier entstanden, in dem auch das nach dem Krieg neu eröffnete Osthaus-Museum aufgewertet wird. Vom 9. Mai bis 25. Juli gastiert die Sammlung Huma Kabakçi mit türkischer Kunst der letzten 60 Jahre.

Gustav-Lübcke-Museum, Hamm

Neue Bahnhofstr. 9, Tel. (0 23 81) 17 57 14, Di–Sa 11–18, So 10–18

Die Sammlung vereint Kunstwerke und angewandte Kunst unter einem Dach und stellt aufschlussreiche Zusammenhänge her. Die Maler des rheinisch-westfälischen Informel sind gut vertreten, im Sommer schließt Andreas Siekmann an das Schaffen der Kölner Progressiven der 1920er Jahre an (30.5.–8.8.).

Emschertal-Museum der Stadt Herne

Karl-Brandt-Weg 5, Tel. (02323) 16 26 11, Di–Fr 10–13, 14–17, Sa 14–17, So 11–17

Neben dem frühbarocken Schloss Strünkede, dem Hauptgebäude des Museums, befindet sich im Schlosspark die Städtische Galerie mit ihrer umfangreichen Sammlung moderner und zeitgenössischer Zeichnungen und Arbeiten auf Papier. Bis Oktober wird in der Städtischen Galerie sowie in den Herner Flottmann-Hallen eine künstlerische Landkarte des "liquid area"-Ruhrgebiets erstellt.

Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

Creiler Platz, Rathaus, Tel. (0 23 65) 99 22 57, Di–So 10–18

In den vierziger Jahren wurden in der "grünen Industriestadt" die ersten großen Plastiken für den öffentlichen Raum angekauft, heute umgibt ein einzigartiger Skulpturenpark die wechselnden Ausstellungen im Glaskasten. Im Zentrum der Sammlung steht die Klassische Moderne, aber auch Künstler wie Richard Serra sind mit prominenten Arbeiten vertreten. Eine akustische Landschaft will hingegen die Klangkünstlerin Christina Kubisch erschaffen. Ihr "Soundscape" lässt sich vom 11.4. bis 6.6. beschreiten.

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Synagogenplatz 1, Tel. (02 08) 4 55 41 71, Di–Fr 11–17, Do bis 21, Sa–So 10–17

Das Kunstmuseum in der Alten Post bewahrt etliche schöne Werke der Klassischen Moderne und für zwei Monate das digitale Gedächtnis des Ruhrgebiets. Die Ausstellung "ÜberTage Pixelprojekt_Ruhrgebiet" (29.1.–21.3.) zählt zu den Höhepunkten im Fotografie-Schwerpunkt des Kulturhauptstadt-Programms.

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen

Konrad-Adenauer-Allee 46, Tel. (02 08)  4 12 49 28, Di–So 11–18

Unter dem Titel "Zu[m] Tisch!" zeigt die Städtische Galerie ausgesuchte Werke der Sammlung Ludwig, in denen es um den künstlerischen Umgang mit diesem Möbel geht (13.6.–12.9.). Bereits am 21.2. zieht regionale Gartenkunst ("Zwischen Kappes und Zypressen", bis 24.5.) ins Schloss, dessen hauseigene Sammlung vor allem mit grafischen Arbeiten des deutschen Impressionismus und der französischen Moderne imponiert.

Kunsthalle, Recklinghausen

Große-Perdekamp-Straße 25–27, Tel. (0 23 61) 50 19 35, Di–So 11–18

1948 wurde in Recklinghausen der erste kommunale Kunstpreis der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg gestiftet. Bis heute bilden die angekauften Werke der Preisträger (u.a. Heinrich Siepmann, Gerhard Richter) den Kern der in einem umgebauten Hochbunker untergebrachten Sammlung. Zwischen Juni und September präsentiert Tadashi Kawamata hier "Outsiderkunst". Auf dem Vorplatz steht eine begehbare Plastik des japanischen Künstlers.

Zentrum für Internationale Lichtkunst, Unna

Lindenplatz 1, Tel. (0 23 03) 10 37 70, Öffnungszeiten auf Anfrage

In den Gewölben einer in den siebziger Jahren stillgelegten Brauerei bietet die Finsternis von 2400 unterirdischen Quadratmetern der Lichtkunst eine Wirkungsstätte, wie sie nicht nur in Deutschland ihresgleichen sucht (siehe Seite 18). Das Zentrum ist Partner der Lichtkunst-Biennale (28.3.–27.5.), ab dem 23.10. werden in Unna Visionen für das 21. Jahrhundert aufgezeigt.

Märkisches Museum, Witten

Husemannstraße 12, Tel. (0 23 02) 5 81 25 50, Di–So 12–18

Die Leiter des ursprünglich heimatkundlich konzipierten Hauses hatten stets ein gutes Näschen für junge Kunst und konnten so trotz bescheidener Mittel eine Sammlung mit Werken von Nolde, Baumeister, Piene oder Mack zusammentragen.

HÖHEPUNKTE DES SONSTIGEN KUNSTPROGAMMS

Biennale für Internationale Lichtkunst 2010

Privatwohnungen im östlichen Ruhrgebiet, 28.3.–27.5., Mo–So 10–18

Unter dem Motto "open light in private spaces" wird die Biennale für Internationale Lichtkunst aus der Taufe gehoben. Rund 60 Werke bekannter Lichtkünstler (u.a. James Turrell, Dan Flavin, Olafur Eliasson) oder mit Licht arbeitender Künstler (u.a. Christian Boltanski, Olaf Nicolai) sind zu sehen, allerdings nicht im Museum, sondern in privaten Wohnungen und Häusern. Tickets sind bis zur Eröffnung nur online auf www.biennale-lichtkunst.de erhältlich.

Ruhrblicke

SANAA-Gebäude auf der Zeche Zollverein, Essen, 24.4.–24.10., Mo–So 10–19

Im Rahmen des Fotografie-Schwerpunkts suchen elf weltbekannte Künstler, u.a. Hilla Becher, Hans-Peter Feldmann, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Struth, nach Bildern jenseits der rauchenden Schlote und anderer Kohlenpott-Klischees.

ISEA2010 Ruhr

Essen, Dortmund, Duisburg, Laufzeiten auf www.ruhr2010.de/isea2010

Im 20. Jahr ihres Bestehens macht die Inter-Society for Electronic Arts erstmals in Deutschland Station. Ihr renommiertes Symposium mit Festivalcharakter lotet den aktuellen Stand der Medienkunst in Ausstellungen, Performances und Vorträgen aus.

Tobias Zielony

Dortmunder Kunstverein, 18.9.–7.11., Di–Fr 15–18, So 11–16

Der Berliner Künstler wurde mit Porträtreihen von Jugendlichen bekannt, die an den Rändern der Metropolen in den Tag hinein leben. Seine eindrucksvollen Fotografien sind im Rahmen des Projekts "GrenzGebietRuhr" zu sehen.

"Das schwarze Revier" von Heinrich Hauser

Ruhr-Museum, Essen, 26.9.–16.2.2011, Mo–So 10–19

Der Weltenbummler Heinrich Hauser schuf 1928 eine der ersten und immer noch besten Fotoreportagen über das Ruhrgebiet. Sein klassisches Porträt des "Schwarzen Reviers" wird in einer großen Sonderausstellung gewürdigt.

UMSONST & DRAUSSEN / KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM

2–3 Straßen

Dortmund, Duisburg, Mülheim an der Ruhr, ganzjährig, Besuch der Häuser nach Absprache

In Dortmund, Mülheim an der Ruhr und Duisburg ließ Jochen Gerz freie Wohnungen mietfrei an Bewerber abgeben, die dafür die Eindrücke eines Jahres in einem Tagebuch festhalten sollen.

Starke Orte

Luftschutzbunker Sodingen, Herne, Phoenix-Halle, Dortmund u.a., Laufzeiten auf www.ruhr2010.de/starke-orte

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ziehen sämtliche Künstlerbünde des Ruhrgebiets an einem Strang und erschließen 12 Industrieorte mit Installationen und Performances. Darunter sind architektonische Brocken wie der Hochbunker in Gelsenkirchen oder die Essener Kammgarnspinnerei am Ruhr-Stausee.

Emscherkunst 2010

Emscher-Insel, 29.5.–5.9., durchgehend geöffnet

Das größte Kunstprojekt der Ruhr.2010 schlängelt sich auf einer Länge von 34 Kilometern zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal hindurch. Auf dem Landstrich thematisieren 40 Künstler (u.a. Rita McBride, Jeppe Hein, Tobias Rehberger) den Wandel des Ruhrgebiets.

B1/A40 – Die Schönheit der großen Straße

Verschiedene Orte entlang der A40, 12.6.–8.8.

Markus Ambach will aus der A40 einen Ort zum Verweilen machen und hat international renommier­te Künstler und Stadtplaner eingeladen, die unmittelbare Nachbarschaft der Schnellstraße zu entdecken und Rastplätze, Wohnblocks, ein Autobahnkreuz und selbst einen Schlachthof zu bespielen.

Über Wasser gehen

12 Standorte, 13.6.–26.9.

In den letzten Jahren wurde die lange als Abwasserkanal missbrauchte Seseke mitsamt ihren Zuflüssen renaturiert. Nun sollen Landschaftskunst, Skulpturen und Projekte das aufwändige Projekt dauerhaft veredeln, u.a. von Thomas Stricker und Bogomir Ecker.

"Ruhr2010"

Alle Termin, alle Veranstaltungen, alle Infos:
http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/

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