Pompeji - Italien

Retter gesucht

Bauwerke stürzen ein, ganze Areale sind gesperrt – das antike Pompeji ist vor einem zweiten Untergang bedroht. Jetzt will die EU helfen.
Zwei Welten:Neuer Versuch: Pompejis Restaurierung

Eingestürztes Gladiatorenhaus in der antiken Stadt Pompeji

Aus dem antiken Pompeji kamen in den letzten Jahren nur schlechte Nachrichten: Mauern stürzten ein und große Teile der 44 Hektar umfassenden Ausgrabungsstätte mussten für Besucher gesperrt werden. Wegen des rapiden Verfalls verhängte die Regierung Berlusconi 2008 sogar den Notstand über die antike Stadt und setzte Marcello Fiori als Sonderkommissar ein. Zur Zeit läuft ein Prozess wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel gegen Fiori, der als Oberaufseher Pompejis zur Restaurierung bestimmte Gelder für andere Zwecke benutzt haben soll.

Doch jetzt soll Schluss sein mit Misswirtschaft und Korruption. Italien und EU wollen gemeinsam den "zweiten Untergang" Pompejis abwenden. Dazu genehmigte Brüssel 42 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und aus Rom kamen noch 63 Millionen Euro hinzu. Mit dieser stattlichen Summe von insgesamt 105 Millionen Euro sollen bis 2015 die dringendsten Arbeiten ausgeführt werden: Dazu gehört der Bau einer Kanalisationsanlage sowie die Sicherung von 36 Bauwerken, darunter fünf großen Villenanlagen. Vor wenigen Monaten besuchte der EU-Kommissar für Regionalpolitik, Johannes Hahn, die Grabungsstätte und machte den ersten Spatenstich für das "große Projekt Pompeji" im Haus der Dioskuren. Hahn versprach eine kontinuierliche Kontrolle seitens der EU über den Einsatz der genehmigten Mittel. Nur Unternehmer, die den Antimafia- und Korruptionstest überstehen, sollten zu den Ausschreibungen zugelassen werden. Die ersten zwei Restaurierungsvorhaben für das Haus der Dioskuren und das Haus des Kryptoportikus wurden inzwischen vergeben: Für beide Arbeiten erhielt die neapolitanische Firma Perillo Costruzioni Generali den Zuschlag, die ein Angebot gemacht hat, das über 50 Prozent unter der Ausschreibungssumme lag. Luisa Bossa, Abgeordnete der Linkspartei, warnte vergeblich vor diesem Dumping-Angebot. Sie befürchtet nun mangelnde Qualität bei der Ausführung der Arbeiten. Eine Sorge, die viele teilen.

Nur 15 Kilometer von Pompeji entfernt liegt die Ausgrabungsstätte Herculaneum. Währung Pompeji beim Vesuvausbruch 79 nach Christus im Ascheregen versank, ging Herculaneum damals im heißen Lavaschlamm unter. Wer heute das Areal dieser antiken Stadt besucht, ist angenehm überrascht: 80 Prozent aller ausgegrabenen Gebäude sind hier mit einem Dach versehen, Fresken und Mosaiken vor der Witterung geschützt, das Regenwasser kanalisiert, es liegt kein Müll herum und die Tauben werden durch den gezielten Einsatz von Falken verjagt. Wegen des harten Verschüttungsmaterials sind die Grabungen sehr viel mühseliger als in Pompeji. Aber Herculaneum hat einen Schutzgott: David W. Packard, der Erbe des Hewett-Packard-Konzerns. Er kam vor 13 Jahren erstmals zu der Grabungsstätte, sah den Verfall, die Bauten kurz vor dem Einsturz, und beschloss, zu helfen. Seitdem hat der US-Amerikaner, dessen Jugendtraum es war, Archäologe zu werden, schon 20 Millionen Dollar (rund 15,2 Millionen Euro) in den Erhalt der antiken Hafenstadt investiert. "Wir haben hier für Archäologen traumhafte Arbeitsbedingungen", sagt die Grabungsleiterin Maria Paola Guidobaldi, "Herr Packard kommt oft hierher und will über alles auf dem Laufenden gehalten werden." So ein David W. Packard würde Pompeji wohl auch gut tun.

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