Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Regine Ehleiter empfiehlt diese Woche kaputte Walkmans, Hundesoldaten und Strick-Skulpturen.

München: Gregory Forstner

"The Waiting Rooms" heißt die neue Ausstellung des 1975 in Kamerun geborenen Künstlers, der heute in New York lebt. Lange in Wartezimmern und beim Verhör ausharren mussten auch die Terrorverdächtigen der amerikanischen Strafgefangenenlager, deren Schicksal Forstner als Anlass zu großformatigen Gemälden wie "Waterboarding (The Well)", 2008, genommen hat, bei dem vier treudoof schauende Hunde in grünen Uniformen ihr Opfer in einem Brunnen ertränken. Neben diesen politisch motivierten Arbeiten wird die Münchner Galerie Zink in der Ausstellung, die am 18. September eröffnet, auch noch historisch inspirierte Gemälde aus der Serie "L’Hostesse de l’Air" zeigen, in denen Forstner elegant gekleidete, maskierte Damen im Stil der 20er Jahre porträtiert.

Kraichtal: Alexandra Bircken und Simon Denny

Eigentlich sind es noch ganze fünf Wochen bis zur ersten Ausgabe der neuen Brüsseler Biennale, doch die beiden Kuratoren Nicolas Schafhausen und Florian Waldvogel geben mit einer Ausstellung in der Ursula-Blickle-Stiftung schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf ihren Brüsseler Beitrag: In Kraichtal zeigen sie noch bis zum 19. Oktober neue Skulpturen der in Köln lebenden Künstlerin Alexandra Bircken und des Neuseeländers Simon Denny. Passend zur ewig unabgeschlossenen Moderne, dem Themenschwerpunkt der 1. Brüssler Biennale, bedient sich Denny "eines Vokabulars der Leichtigkeit und des Billigen", wie er sagt. Seine Skulpturen haben etwas Nicht-Perfektes. Auch Birkens Objekte und Installationen stellen, so Waldvogel, "herkömmliche Erwartungen an Materialität in Frage".

Berlin: Don Martin

Seine Cartoons machten das US-amerikanische Satiremagazins "MAD" zur Kult- und Pflichtlektüre einer ganzen Generation: Don Martin, der im Januar 2000 mit knapp 70 Jahren gestorben ist, hat im Laufe seines Schaffens einen unverwechselbaren Zeichenstil entwickelt und darüber hinaus ein onomatopoetisches Lautsystem aus BOOMs, KLAKs und PSSSHs geprägt, das uns mittlerweile ganz selbstverständlich erscheint. Die Berliner Galerie Berinson zeigt noch bis zum 11. Oktober eine Auswahl an Illustrationen des Künstlers aus der Zeit zwischen 1959 und 1978.

Aachen: Nairy Baghramian

Die in Berlin lebende Künstlerin, die 1971 in Isfahan (Iran) geboren wurde, gab sich bei den "Skulptur Projekten Münster 07" minimalistisch und zeigte einen mit Stoff bespannten Metallrahmen vor Spiegelglas. Für die diesjährige Berlin-Biennale schlüpfte sie gleich ganz in die Rolle der Künstlerkuratorin und präsentierte die Werke von Janette Laverrière (Jahrgang 1909). Die Französin Laverrière und den dänischen Künstler Henrik Olesen hat Baghramian jetzt auch als Gäste für ihre neue Ausstellung im Neuen Aachener Kunstverein eingeladen, die am Samstag, 13. September, eröffnet. Dort wird sie speziell für den Ort entwickelte Bodenskulpturen mit den Arbeiten der beiden Künstler in Beziehung setzen.

Hamburg: Angelklub

Der neue Treffpunkt für die Hamburger Bohème heißt "Angelklub" – und befindet sich nur wenige Meter neben der Popkultur-Kultinstitution "Golden Pudel Club". Schon seit gefühlten Jahrzehnten gehört zum gepflegten Szene-Samstagabend die Afterhour im "Pudel" – und dann, am Sonntagmorgen, das Fischbrötchen-Frühstück am Fischmarkt. Neu in diesem eingespielten Duo ist nun der Angelklub: Aktuell zeigt hier die Hamburger Kunststudentin Tintin Patrone alias Christina Köhler ihre Sound- und Videoinstallation "Mein Walkman ist kaputt". Am Freitag gibt dazu eine "Oldschoolvideogamenight" mit einer Liveperformance von Frau Patrone – und am Samstag die "Magicvideonight" mit VJ Trikorder. Spiel, Spaß und Spannung wird also geboten – und wer die Kunstfischer einmal besucht, versteht dann auch deren Motto: "Das Beste hat immer ein Haken."