Durch den Monat mit: - Susanne Pfeffer

Melancholie und Erwachen

In unserer neuen Serie präsentieren Kunstprofis jeden Monat ihre persönlichen Höhepunkte. Diesmal: Die Kuratorin der Berliner Kunst-Werke Susanne Pfeffer.
Melancholie und Erwachen:Kunstprofis präsentieren ihre Höhepunkte des Monats

Die Kuratorin Susanne Pfeffer wurde 1973 in Hagen geboren. Seit Anfang 2007 leitet sie die Kunst-Werke in Berlin, die im September eine Ausstellung der britischen Künstlerin Ceal Floyer zeigen

September. Es gibt den wunderbaren gleichnamigen Film von Woody Allen, ein tschechowartiges Kammerspiel, drei Frauen und drei Männer in einem Landhaus in Vermont, schrecklich melancholisch und furchtbar verwickelt: Jeder liebt jeden, ein Gewitter entlädt sich, es regnet, der Sommer ist vorbei. Herbst. Für die Künste hingegen ist der September stets ein frühlingshaftes Erwachen. Un­zählige Ausstellungseröffnungen, Biennalen und eine Messe, die neuen Spielzeiten der Theater und Opern und nicht zuletzt die Herbstprogramme der Verlage. Gleich am 1. September ein schöner Auftakt im Museum Ludwig in Köln: Küba/Paradise, zwei Video-Gruppenporträts des türkischen Künstlers Kutluğ Ataman.

Am 18. und 19. September findet im Castello di Rivoli in Turin die Documenta-Konferenz statt, zu der alle noch lebenden künstlerischen Leiter als Redner ge­laden sind. Kurz darauf eröffnet in Berlin die Ausstellung "Nationalgalerie" von Thomas Demand in der Neuen Nationalgalerie, die den Blick auf die junge und jüngste Zeitgeschichte Deutschlands richtet.

Dann nicht zu vergessen: die 11. Istanbul-Biennale, ausgerichtet von What, How & for Whom (WHW), und fast zeitgleich die 10. Lyon-Biennale, "The Spectacle of the Everyday", kuratiert von Hou Hanru. Ende September setzt das Ausstellungsprojekt Ohne uns den Fokus auf die Rolle, die Dresden zu Zeiten der DDR in der Gegenkultur inne hatte.

Und in der Londoner Serpentine Gallery sind Arbeiten des Künstlers und Aktivisten Gustav Metzger zu sehen. Eine Reihe ortloser Ereignisse muss auch noch erwähnt werden. Antichrist, der neue Film von Lars von Trier, wird Mitte September endlich auch in Deutschland in den Kinos zu sehen sein. Er soll in existenzielle Regionen vordringen, die man so noch nicht im Kino erleben konnte. Von diesem abgründigen Drama direkt zu einer philosophischen Abhandlung, die die Ausweglosigkeit in der Liebeserfahrung theoretisch fruchtbar macht: Marcus Steinwegs neues Buch mit dem schönen Titel Aporien der Liebe. Und dann freue ich mich auch schon auf den Oktober. Dass MMK in Frankfurt widmet Jack Goldstein eine große Einzelausstellung, und endlich erscheint Godards Histoire(s) du cinéma als DVD, den ich bisher nur als schlechte Raubkopie besessen habe. Ein Film, der nur in Bildern denkt.

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