Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit der Sammlung Haubrok, Sockelskulpturen von Cheyney Thompson und den Preisträgern der Nordwestkunst 2011.

Hamburg: Dialog unter Sammlungen

Sie verdeutlichen zwei repräsentative Standpunkte der postmodernen Gegenwartskunst: die Sammlung Falckenberg und die Sammlung Haubrok.

Barbara und Axel Haubrok konzentrieren sich auf die konzeptionelle Kunst während Harald Falckenberg sich auf eher provokative Positionen spezialisiert hat. Nun ist die Berliner Sammlung zu Gast bei der Hamburger Sammlung. Der Titel der Ausstellung "No Desaster" geht auf eine lapidare Zeichnung von Georg Herold zurück, ein Künstler, der in beiden Kollektionen vertreten ist. Mit diesem Titel soll gleichzeitig verdeutlicht werden, dass das Zusammentreffen von zwei sehr unterschiedlichen Auffassungen keinesfalls im Chaos enden muss. Es werden Arbeiten von bekannten Künstlern wie Martin Boyce, Carol Bove, Christoph Büchel, Martin Creed, Haegue Yang und Heimo Zobernig gezeigt.

Die Ausstellung "Sammlung Haubrook bei Falckenberg. No Desaster" ist vom 8. Dezember bis zum 24. Februar 2013 in der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg zu sehen.

Niebüll: Hanne Nagel-Axelsen

Seit mehr als 50 Jahren malt Hanne Nagel-Axelsen innovative Stillleben und phantastisch erscheinende Figurenbilder. Die Inhalte für ihre Werke entdeckt sie meist eher zufällig, denn sie lässt die Farbe erst einmal fließen, verteilt sie hauchdünn oder sehr dick auf der Leinwand und kann dann in diesen lebendigen Strukturen Gestalten erkennen. Diese erinnern Nahel Axelsen oft an Tiere. Die Künstlerin nimmt beim Malen Abstand von einer fest definierten Struktur und ersetzt sie durch einen Zustand gesteigerter Wachheit. Dieser meditativ begründete Prozess führt dann dazu, dass Figuren an die Oberfläche drängen.

Die Ausstellung "Hanne Nagel-Axelsen – 50 Jahre Malerei" ist vom 7. Dezember bis zum 19. Januar 2013 im Richard Haizmann Museum Niebüll zu sehen.

Braunschweig: function follows form

Mit Hilfe eines parametrischen Designprogramms fertigte der in New York lebende Künstler Cheyney Thompson sogenannte "pedestal sculptures" – Sockelskulpturen – an. Er greift damit die derzeitige Tendenz auf, Objekte digital zu konzipieren und zu realisieren. Thompson, der eigentlich als Maler bekannt ist, erarbeitete für seine erste institutionelle Ausstellung eine für ihn völlig neue Werkreihe: 17 großformatige Sockelskulpturen, die zwar in ihrer jeweiligen Form gänzlich unterschiedlich sind, jedoch stets exakt die gleichen Gesamtflächenmaße von 3200 Quadratzoll aufweisen. Außerdem legte er innerhalb des parametrischen Designprogramms Regeln fest, die nur 17 Formen tatsächlich erfüllen konnten. Diese am Computer entwickelten Objekte hinterfragen nicht nur die Funktion eines Sockels, sondern gleichermaßen die Bedingungen, die aus einem Objekt ein Kunstwerk werden lassen.

Die Ausstellung "The Completed Reference: Pedestals And Drunken Walks" ist vom 8. Dezember bis zum 10. Februar 2013 im Kunstverein Braunschweig zu sehen.

Hamburg: All Change

Bei den Mikrodramen von Kerstin Cmelka handelt es sich um kurze dramatische Texte aus viel gespielten Stücken, zum Beispiel Henrik Ibsens "Nora. Ein Puppenheim" oder Arthur Schnitzlers "Liebelei". Wie der Name bereits vermuten lässt, entziehen sich Mikrodramen in ihrer Kürze ihrer Aufführbarkeit und unterwandern somit die Grenzen von Theater. Im Zentrum der ersten institutionellen Ausstellung Cmelkas steht die Aufführung von "Change" am Eröffnungsabend. Das Stück dreht sich um den Plan einer Manipulation hinsichtlich der Karriere eines Künstlers und ist voller Anspielungen auf Mechanismen und Strukturen der Kunstszene und des Kunstmarkts. Insgesamt werden vier Mikrodramen und eine weitere Filmarbeit als Videoinstallation im Ausstellungsraum gezeigt.

Die Ausstellung "Kerstin Cmelka: All Change" ist vom 7. Dezember bis 3. Februar 2013 im Kunstverein Harburger Bahnhof in Hamburg-Harburg zu sehen.

Wilhelmshaven: Tutti

Alle zwei Jahre schreibt die Kunsthalle Wilhelmshaven den Preis der Nordwestkunst aus. Die Preisträger der letzten Ausschreibung 2011, Axel Loytved und Marion Lehmann, geben nun eine Tandemausstellung. Beide Künstler arbeiten im Grenzbereich von Bildhauerei und Installation. Ihre Skulpturen entstehen erst durch einen längeren, verdichtenden Arbeitsprozess, der Kunst- und Alltagswelt miteinander verknüpft. Bei Lehmann ist Stapeln, Schieben, Legen und wieder Auseinandernehmen ein wesentlicher Teil der Arbeit, wogegen in Loytveds Werken die Überführung amorpher Alltagsdinge wie Socken, Fritten oder Papier in eine präzise bildnerische Ordnung im Mittelpunkt steht.

Die Ausstellung "Tutti: Die Preisträger der Nordwestkunst 2011 - Axel Loytved und Marion Lehmann" ist noch bis zum 20. Januar 2013 in der Kunsthalle Wilhelmshaven zu sehen.