Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Sara Maria Manzo Neurreiche in Mexiko, den Lügner unter Betrügern, eine Brötchenkruste, Zigarettenkippen hinter Plexiglas und eine Audiotour durch Berlin.

Kassel: Carlos Amorales und Navid Nuur

Die Arbeiten des mexikanischen Künstlers Carlos Amorales bewegen sich zwischen Performance, Installation, Zeichnung, Animation und Video. In der Kunsthalle Fridericianum in Kassel zeigt Amorales erstmals eine Übersicht seiner Werke: Fantasiewelten – wie der Besucher sie vielleicht aus Horrorfilmen und Thrillern kennt – mit Mischwesen, Wölfen, Totenköpfen und Affen, Spinnen, Vögeln und verdorrten Bäumen.

Mit dem Komponisten Julian Léde gründete Amorales vor fünf Jahren das alternative Plattenlabel "Nuevos Ricos", in Anspielung auf die noch junge Gesellschaftsschicht der Neureichen in Mexiko. Léde und Amorales verbinden Musik mit bildender Kunst. In den Räumen des Fridericianum haben die beiden daher auch eine Konzerthalle eingerichtet, auf der sie Installationen und Live-Performances präsentieren. Gleichzeitig zeigt der niederländische Künstler Navid Nuur in der Einzelausstellung "The value of void" seine Skulpturen und Installationen. Nuur nennt seine Werke allerdings lieber "Interimodule", um das Zeitweilige seiner Arbeiten zu betonen. Er beschäftigt sich mit dem Prozess, den ein Kunstwerk von der Idee bis zur Umsetzung durchläuft. Der Betrachter findet daher keine abgeschlossene Arbeit vor, sondern erhält einen Eindruck davon, wie Kunst entsteht. Für die Ausstellung in Kassel hat Nuur zum Beispiel eine Mauer aus 7000 Wasserflaschen in Kisten gebaut. Seine Forderung "Let us meet inside you" steht auf jeder Flasche. Die beiden Ausstellungen eröffnen diesen Freitag, 4. Dezember, um 19 Uhr, und laufen bis 14. Februar 2010.

Dresden und Berlin: "Im Westen nichts Neues" und "Der Lügner unter Betrügern"

Sieht aus wie eine Nachbildung von Pablo Picassos Gemälde "Guernica" über den Spanischen Bürgerkrieg in den dreißiger Jahren, aber irgendwas stimmt nicht. Das Bild wirkt, als verliefen die Farben auf der Leinwand. "RIPs" nennt die in Berlin lebende Künstlerin Tatjana Doll ihre Werke. Was im doppelten Sinn zu verstehen ist: für "Raster Image Processor", ein digitaler Vorgang im Druckprozess, und für "Rest In Peace". In der Dresdner Galerie Gebrüder Lehmann zeigt Doll ihre Version von "Guernica" in drei originalgroßen Remakes. Der ungewöhnliche Ausstellungstitel "Im Westen nichts Neues (Du hast den Farbfilm vergessen)" spielt auf Erich Maria Remarques Antikriegsroman an und gleichzeitig auf Nina Hagens ersten großen Hitparadenerfolg. In der Ausstellung zeigt Doll auch ihre Version von "Die große Nacht im Eimer" des Malers Georg Baselitz. Nach einer landläufigen Interpretation soll Baselitz’ Werk Hitler als onanierenden Jungen zeigen. Bei Doll verwischen die Farben, die vermutete Selbstbefriedigung ist nicht mehr zu erkennen. Zur selben Zeit stellt Doll weitere Werke in der Berliner Dependance der Galerie Gebrüder Lehmann aus. "Der Lügner unter Bürgern (West End Girls)" heißt die Schau dort. Nach einem der ersten Bücher zur Augenheilkunde von 1583, "Ophthalmoduleia", hat Doll ein gleichnamiges Piktogramm erstellt. Thüringens ehemaligem Ministerpräsident Dieter Althaus widmet die Künstlerin eine weitere Malerei, die einen stürzenden Mann vor Schneeflocken zeigt. Die Ausstellung in Dresden läuft bis 9. Januar und in Berlin bis 30. Januar 2010.

Hamburg: "On line" von Fotograf Peter Langer

Auf dem Rasen liegt die Kruste eines halben Brötchens, den weichen Teig in seinem Inneren hat jemand sorgfältig herausgepult. Das Foto ist eins von 366 Bildern, die der Berliner Fotograf Peter Langer zum Bildband "On line" zusammengetragen hat. Das Buch zeigt einen Auszug aus Langers Foto-Blog, den er seit zehn Jahren im Internet unter www.peterlanger.de betreibt. Die Idee dahinter: Jeden Tag schießt Langer ein neues Foto und stellt es ins Netz. Der Bildband zeigt die Sammlung aus dem Jahr 2008 und die persönliche Sicht des Fotografen auf die Welt. Im Hamburger Raum für Fotografie "Schmiede" zeigt Langer jetzt seine Fotos aus dem Buch. Die Ausstellung eröffnet am Freitag, 4. Dezember, um 20 Uhr, und läuft bis 9. Dezember.

Mannheim: Tobias Rehberger, Ausstellung zum Hector Kunstpreis 2009

Zigarettenkippen hinter Plexiglas, bunt geringelte Säulen, blütenweiß lackierte Boxentürme: In der Kunsthalle Mannheim reinszeniert der Bildhauer Tobias Rehberger drei Werkgruppen seiner Ausstellung "Fragments of their pleasant spaces (in my fashionable version)". Rehberger lehrt als Professor an der Frankfurter Städel-Kunsthochschule und wurde im Sommer dieses Jahres mit dem Hector Kunstpreis ausgezeichnet, den die Kunsthalle Mannheim erstmals verliehen hat. Rehberger überzeugte die Jury mit seinem umfangreichen Werk, das sich zwischen Kunst und Design bewegt, und zum Beispiel die Beziehung zwischen Kunst und Konsum aufgreift. Der 31 Jahre alte Benjamin Appel erhielt den Hector Förderpreis für seine Rauminstallationen aus schlichtem Material wie Beton, Erde, Holz und Fensterglas. Appel ist Absolvent der Akademie der Künste in Karlsruhe. "Wie der Vogel in seinem Nest" heißt eines seiner Werke, das er nun ebenfalls in Mannheim zeigt. Die Ausstellung eröffnet diesen Freitag, 4. Dezember, um 19.30 Uhr. Rehberger, Appel und ausgewählte Kandidaten des Kunst-Wettbewerbs zeigen ihre Werke bis Ende Februar 2010.

Berlin: "Zeigen" – eine Audiotour durch Berlin

Autos hupen, eine Tür schlägt zu, Stimmengewirr in der Ferne. Dann fängt eine Frauenstimme an, ein Lied auf Arabisch zu singen. Doch der Ort, an dem all diese Geräusche zusammenkommen, ist leer. An den nackten, weißen Wänden der Temporären Kunsthalle Berlin hängt kein Gemälde, keine Fotografie. Bloß die Werkbeschilderung mit dem Namen des Künstlers: Mona Hatoum, eine Palästinenserin aus dem Libanon, die in Berlin lebt und arbeitet. Sie gehört zu den rund 560 Künstlern aus der Hauptstadt, die ihre Arbeit in Audiobeiträge übersetzt haben: frei gesprochen, vorgelesen, mit Geräuschkulisse oder gesungen. Die Konzeptkünstlerin Karin Sander hat die "Audiotour durch Berlin" kuratiert und ihr den Titel "Zeigen" gegeben. Doch genau dies tut die Ausstellung nicht: Sie ist keine Schau, die man mit den Augen erfassen könnte. Die Kunst soll im Kopf entstehen. Die Werke können die Besucher über einen Audioguide hören und sie sich vor ihrem inneren Auge selbst ausmalen. Auf diese Weise will Sander Kunstwerk, Raum und Betrachter miteinander verbinden. Die Ausstellung eröffnet am Freitag, 4. Dezember, um 21 Uhr, und läuft bis 10. Januar 2010.