Christo und Jeanne-Claude - Briefmarke

Wir haben nichts gegen Geld

Christo und Jeanne-Claude haben in Wien mit einem verhüllten Flakturm Aufsehen erregt. Bei einer Pressekonferenz in dem von den Nazis erbauten Gefechtsturm im Arenbergpark stellte das Paar am Mittwoch eine Briefmarke vor, die den gigantischen Betonklotz – ähnlich dem Berliner Reichstag – in vollständiger Verhüllung zeigt.
"Wir haben nichts gegen Geld":Die verhüllte Briefmarke von Christo

Verhüllter Flakturm, Projekt für CAT

Mit dem Entwurf des verhüllten Baus – ohne Honorar – will das Künstlerehepaar das Museumsprojekt "Contemporary Art Tower" (CAT) unterstützen, mit dem der Leiter des Österreichischen Museums für angewandte Kunst (MAK) den ansonsten praktisch unbrauchbaren Betonbunker als Heimstatt für zeitgenössische Kunst nutzen will.

Christo betonte vor Journalisten, dass er bereits in den siebziger Jahren einen der insgesamt sechs Wiener Flaktürme verhüllen wollte, dafür jedoch nicht die Genehmigung erhielt. Eine Verhüllung des Gefechtsturms sei inzwischen jedoch nicht mehr geplant. Jeanne-Claude sagte auf der Pressekonferenz, ihr sei es sehr wichtig, dass die ganze Welt von diesem Ort erfahre. "Aus einem Ort des Krieges soll ein Ort der Kunst werden", meinte MAK-Direktor Peter Noever.

Der Briefmarkenblock enthält neben Christos verhülltem Turm eine zweite Marke, die den Entwurf einer Neugestaltung des vom MAK geplanten CAT – Contemporary Art Towers zeigt. Die zwei 55-Cent-Marken haben eine Auflage von 300 000 Stück.

Christo und Jeanne-Claude arbeiten zurzeit an ihrem Projekt "Over the River" im US-Bundesstaat Colorado. Dabei sollen über den Arkansas River hängende Stoffbahnen gespannt werden, die jeweils zwischen den Flussufern an Seilen befestigt würden. Bisher fehle dem Paar allerdings noch die endgültige Genehmigung der amerikanischen Bundesregierung, sagte Christo. Man hoffe jedoch, dass diese unter der neuen US-Regierung von Präsident Barack Obama leichter zu beschaffen sei.

"Wir wollen lebendig und gesund bleiben"

"Wir möchten arbeiten, wo wir wollen und wie wir wollen, nur wann wir wollen, ist schwierig", erläuterte Jeanne-Claude, denn von der Idee bis zur Umsetzung vergingen häufig Jahre wegen Verhandlungen mit Behörden. Sollte die derzeitige US-Regierung ihr Projekt bis 2011 genehmigen, könne es 2012 realisiert werden. Auch die Verhüllung des Reichstags in Berlin benötigte eine lange Vorlaufzeit: Von der Idee 1971 bis zur endgültigen Zustimmung des Bundestags vergingen insgesamt 23 Jahre.

Für ihre Projekte akzeptieren die Künstler nach Aussagen von Jeanne-Claude nach wie vor keine Sponsoren. Nur so lasse sich in totaler Freiheit arbeiten, sagte Christo. Im übrigen habe man grundsätzlich nichts gegen den Kunstmarkt: "Wir lieben den Kunstmarkt (...) und haben auch nichts gegen Geld."

Auf die Frage, ob sie in den kommenden zehn Jahren weitere Projekte in Österreich oder Europa planen, gab Jeanne-Claude eine "eindeutige" Antwort: "In zehn Jahren sind wir Beide 84. Bis dahin haben wir ein großes Projekt: Wir wollen lebendig und gesund bleiben." dpa