Hugo Gernsback - Karlsruhe

Der Vater der Science-Fiction

Schon in Zeiten des Internethypes der neunziger Jahre beschäftigte sich Peter Weibel eingehend mit ihm. Jetzt widmet der Kurator dem Urvater der Technikliebe, Hugo Gernsback, eine Ausstellung im ZKM.

Sieht man Hugo Gernsback mit Fliege und seinen "TV-Augen" auf der Nase, dann kann man eigentlich nur noch müde lächeln darüber, wie sehr Technikblogs wie "Wired" den Google-Gründer Sergey Brin heute für sein "Google-Glass" feiern.

Das Foto von Brin mit der digitalen Brille mitten in der New Yorker U-Bahn gilt als Beweis für eine bahnbrechende Technik. Hugo Gernsback (1884 bis 1967) ließ sich schon 1963 mit den von ihm entworfenen (aber nicht funktionsfähigen) "TV-Eyeglasses" fotografieren und landete damit auf dem Cover von "Life". Die Idee der Zukunft ist eben schon sehr alt – und auch die Euphorie, die die elektronische Kultur antreibt. iPhone, Laptop, "alles was wir heute nutzen, gäbe es ohne Gernsback nicht", sagt Peter Weibel, der zusammen mit Franz Pichler die Ausstellung kuratiert hat. Internetgründer nannten sich damals eben Radiobastler. Von Gernsbacks Prophezeihungen sind viele eingetreten, zum Beispiel Sonnenkraftwerke und TV-Flachbildschirme. Die von ihm veröffentlichten über 50 Magazine enthielten auch bereits Anleitungen zum Selbstbau technischer Geräte, was heute im Internet passiert. Zur Gestaltung seiner Zeitschriften setzte er die besten Zeichner und Künstler ein.

1904 wanderte der in Luxemburg geborene Gernsback nach New York aus. In Syracuse im Staat New York befinden sich heute viele seiner Erfindungen in der Sammlung der Familie Kreuzer. Dort sah Peter Weibel sie in den achtziger Jahren. Anfang der Neunziger in der Aufbruchstimmung des Internets beschäftigte er sich eingehender mit Hugo Gernsback. Jetzt zeigt der medienbegeisterte Kurator im ZKM die Zeitschriften, die Hugo Gernsback herausbrachte. Und auch einige der erhaltenen Maschinen – eine einzigartige Ausstellung. In den USA ist Gernsback bekannter, der wichtigste Preis für Science-Fiction ist nach ihm benannt: der Hugo. Was die Nerds amüsiert – war doch Gernsback dafür bekannt, wie schlecht er seine Zeichner bezahlte.

Die Gernsback-Prophezeihung – Father of Science Fiction

Termin: 20. Juli bis 27. Oktober, ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe

Zur Ausstellung erscheint ein Buch im Trauner Verlag für 24 Euro,
Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt
http://on1.zkm.de/zkm/stories/storyReader$8489