Gib mir fünf - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Christiane Ernst verdächtige Arbeiten in Bielefeld, ehemalige Städelschüler in Frankfurt und Gemeinschaftskunstwerke in Hamburg.

Bielefeld: "Im Moment des Verdachts"

Der Ausstellungstitel ist Programm: Sechs internationale Künstler wollen mit ihren Arbeiten auf verschiedene Weise dazu anregen, gesellschaftliche Zustände kritisch zu hinterfragen. Nachrichten, Medien, Politik, Wirtschaft – in der heutigen Zeit erscheint vieles verdächtig. Auch der Kunst sollte man grundsätzlich mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen.

In der Ausstellung "Im Moment des Verdachts" wird der Betrachter daher aufgefordert, den Wahrheitsgehalt der Kunstwerke zu überprüfen und gezielte Fragen zu stellen: Wieso blickt der Mann auf dem Foto so misstrauisch zur Seite? Was ist wohl die Ursache für den abgebildeten Flugzeugabsturz? Laut Pressetext werden so die "Ausstellung zum Tatort, die Besucher zu Ermittlern, auf der Spur zu einer direkten Auseinandersetzung mit Kunst und seiner aktuellen Bedeutung." Den verdächtigen Werken von Michael Fullerton, Sven Johne, Johannes Maier, Falke Pisane, Clunie Reid und Hito Steierl kann vom 5. Februar bis 25. April im Bielefelder Kunstverein auf den Grund gegangen werden.

Wiesbaden: Andrea Esswein, Max Sudhues und Stephan Mörsch

Surreale Landschaften, Atombomben und Schönheiten aus TV-Programmheften: Am 7. Februar starten gleich drei neue Ausstellungen im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden (NKV). Max Sudhues hat für "Home before Dark" einen geheimnisvollen Projektionsparcours entworfen, der vom Spiel mit Licht und Schatten lebt. Ein zentrales Thema seiner collagierten Projektionen ist die Beschäftigung mit verschiedenen Landschaften und deren Bewohnern. Stephan Mörsch ließ sich für seine Ausstellung "The House in the Middle" von einem Aufklärungsfilm aus dem Jahr 1954 inspirieren, der die Wirkung einer Atombombe auf drei Häuser in der Wüste von Nevada erforscht. Zu sehen sind Modelle und Zeichnungen, die den Versuch – und besonders den Zustand des mittleren Hauses – rekonstruieren. Die Werkschau "Hauptrollen" von Andrea Esswein kreist thematisch um die Auseinandersetzung mit inneren Befindlichkeiten und Zuständen. Für ihre "Kopigraphien" legt die Künstlerin alle möglichen und unmöglichen Dinge auf den Kopierer, um die abgelichteten Blätter anschließend zu zerschneiden und wie ein Puzzle neu zusammenzufügen. Die titelgebende Serie "Hauptrollen" besteht aus Abbildungen digitaler Bild- und Textcollagen. Hier nimmt Esswein das Bild der Frau in den Medien unter die Lupe und lässt klischeehafte Fotos aus TV-Zeitschriften in neuem Licht erscheinen.

Hamburg: "Collaborations – Give and Take"

13 Künstler haben für die Ausstellung Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Siebdrucke und Skulpturen geschaffen – und zwar immer zu zweit. Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Coproduktion kam von dem teilnehmenden Künstler Ki Yoo Ko. Ziel ist es ihm zufolge, den Kunstwerken durch die Kombination zweier Arbeitsmethoden und Stile einen neuen Impuls zu geben. Keine einfache Aufgabe: Die Künstler mussten dafür lernen, die Alleinherrschaft über ihr Werk aufzugeben und zulassen, dass fremde Gefühle in die Arbeit einfließen. Was dabei herausgekommen ist, wird vom 6. bis 27. Februar in der Galerie Feinkunst Krüger zu sehen sein. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt das gemeinsame Werk von Ki Yoo Ko und Igor Maier ein. Im Vordergrund steht hier die Figur des Hasen, der in der Mythologie Fruchtbarkeit, Auferstehung und Wiedergeburt symbolisiert.

Frankfurt: "New Works" der Städelschulabsolventen

Der gemeinnützige Verein "basis" zeigt vom 5. Februar bis 21. März Arbeiten einiger Absolventen der Frankfurter Städelschule. Die mittlerweile international tätigen Künstler Michael Beutler, Dirk Fleischmann, Martin Hoener, Nayon Lee, Sascha Pohle und Mandla Reuter präsentieren hier Werke, die innerhalb der letzten zwölf Monate entstanden sind. Von Beutler, der zwischen 1997 und 2003 an der Städelschule bei Thomas Bayrle studierte, gibt es beispielsweise eine Teppich-Installation zu sehen. Halb aufgerollt liegt der gewebte Stoff im Raum wie eine riesige bunte Schnecke – ein gewohnter Gegenstand und doch ein ungewöhnlicher Anblick. Der Künstler Dirk Fleischmann stellt unter anderem sein Projekt "myforestfarm" vor. Auf ehrenamtlicher Basis betreibt er in den philippinischen Bergen ein Wiederaufforstungsprogramm, das dem weltweit diskutierten CO2-Emissionshandel gegenübergestellt wird.

Berlin: Thomas Rentmeister – "Der Staatsanwalt"

Bekannt geworden ist der Bildhauer Thomas Rentmeister vor allem durch seine ungewöhnliche Verwendung vorgefertigter Markenprodukte. So entwarf er beispielsweise eine Kloschüssel voller Nutella und einen Berg benutzter Tempotaschentücher. Seine neuesten Werke können vom 6. Februar bis 1. April in der Galerie ScheiblerMitte begutachtet werden. Neben dem Aushängeschild "Der Staatsanwalt", der an einen überdimensionalen Schirmständer erinnert, ist auch eine Serie von Naturholzkästen ausgestellt. Die Bildflächen hat der Künstler mit den Kompositionsprinzipien der abstrakten Malerei gestaltet und durch alltägliche Gegenstände bereichert: Was hier mit gelbem Patex fixiert wurde, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung mal als Ohrenstäbchen, mal als Tampon oder Wattebausch. Die sterile Gestaltung der Ausstellungsräume soll die unwillkürliche Assoziation mit Körperlichkeit und Ausscheidungen, die durch die Hygieneprodukte hervorgerufen wird, zusätzlich steigern.