Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen fünf Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: Ein Filmporträt über Max Bill, Scherbenbrillen von Daniel Knorr und Weltschmerz.
Die Tipps der Woche:Max Bill, Scherbenbrillen, Weltschmerz

Es werde Geometrie: Max Bill bei der Arbeit an einer Kleinskulptur aus Metall, Ende der vierziger Jahre

Max Bill: "Das absolute Augenmaß"

Erich Schmid, Regisseur des Films "Max Bill – Das absolute Augenmaß", hat ganz schön tief gewühlt. Für das abendfüllende Porträt des Bauhausstars Max Bill hat er nicht nur Weggefährten Bills befragt und altes TV-Material ausgegraben, sondern – und das ist das große Manko des Films – seine Witwe Angela Thomas befragt.

Diese offenbart Dinge, die niemanden interessieren, wie zum Beispiel, dass Bill zu Hause gerne Pyjama trug. Richtig pathetisch wird es gegen Ende des Films, wenn sie sich vom Regisseur (übrigens ihrem jetzigen Ehemann) filmen lässt, während sie weinend auf den Flughafenboden kniet, auf dem Bill gestorben ist. Gut und amüsant ist der Film an den Stellen, an denen Menschen zu Wort kommen, die wirklich etwas zu Bills Werk sagen können.

Oder aber wenn er selbst spricht, beispielsweise bei seiner Dankesrede zur Preisvergabe des Kunstpreises der Stadt Zürich 1968, in welcher er schmunzelnd eingesteht: "Ich bin ein wenig in Verlegenheit über die Vergabe dieses Kunstpreises, weil ich selbst vor fünf Jahren, damals als Gemeinderat, die Erhöhung der Preissumme beantragt habe." Hier lernt man einen Max Bill kennen, der nicht nur genialer Künstler, Designer und Architekt war, sondern auch Politiker und Mensch, der seine Umwelt ästhetischer und besser gestalten wollte. Der Film ist ab Anfang Dezember in sämtlichen Programmkinos zu sehen. Er lohnt sich für alle, die eine ordentliche Prise Pathos vertragen und mehr über den Mensch Max Bill erfahren wollen.

München: "Jeff Wall"

Jeff Walls Arbeiten werden allzu oft als "inszenierte Fotografie" bezeichnet, er selbst wird als "subversiver Geschichtenerzähler" gelobt. Wall kennt sich aber nicht nur damit aus, wie man Geschichten in einem Augenblick erzählt und Spannung in einem statischen Bild erzeugt. Das Inszenierte an seinen Bildern ist auch auf seine besondere Verwendung des Lichts zurückzuführen. Seit den 1980er Jahren zieht Wall sein Großbilddias auf Leuchtkästen. Das surreale Licht, das durch den beleuchteten Hintergrund entsteht, korrespondiert mit den Bildern. So entsteht eine Szene, die auf eine verborgene Dramturgie im Hintergrund verweist und die Motive seiner Bilder intensiviert. In der Galerie Rüdiger Schöttle sind bis zum 24. Januar 2009 Arbeiten Walls zu sehen, die zwischen 1979 und 1990 entstanden sind.

Hamburg: "Hoffnung Nr. 2"

Im Cut-And-Paste-Zeitalter, in dem durch Franchise-Unternehmen Sofakissen auf der ganzen Welt gleich aussehen und Hamburger überall gleich schmecken, sehnt man sich als Konsument zurück nach dem Original, einem Unikat. Das Magazin "Hoffnung" bedient diese Sehnsucht. Das Heftformat ist mit den Maßen 25x16 Zentimeter weit von den handelsüblichen Standards entfernt, eine kleine Auflage sichert den Status des Besonderem, und die Seiten sind einzeln bearbeitet, so dass jede Seite einzigartig bleibt. Auf diesen findet der Leser Zeichnungen, Collagen und Drucke von 18 Künstlern, die sich in der aktuellen Ausgabe des Themas "Weltschmerz" annehmen. "Das Ergebnis", so der Pressetext, "schwankt zwischen ironischem Kommentar und bitterer Katharsis, zwischen Jean-Paul und StudiVZ." Man darf gespannt sein. Zur Vorbereitung also lieber noch mal ein paar Freunde gruscheln und nebenbei den "Titan" lesen. Und dann ab zur Vernissage, die am 5. Dezember im Hamburger Off-Space "Hinterconti" stattfindet.

Filmtipp: "Jeff Koons – Ein amerikanisches Schicksal"

Auf 3Sat wird am 7. Dezember um 11.05 Uhr ein Porträt über Jeff Koon zu sehen sein. "Ein amerikanisches Schicksal" lautet der lakonische Untertitel der Dokumentation, die sich auf die frühen Schaffensjahren Koons konzentriert. Eine Zeit, in der sich Koons beispielsweise für die Fotoserie "Made in Heaven" mit dem Pornostar Cicciolina auf Laken räkelte und Sperma arrangierte. Wie der Regisseur und art-Korrespondent Heinz-Peter Schwerfel in der Wochenzeitung "Die Zeit" erwähnt, hat "sich alles Anstößige, alles Provokative, das Jeff Koons einst besaß, längst verflüchtigt." Gerade deshalb ist es spannend einen Blick zurück zu werfen und zu sehen, was Koons eigentlich vor seinen pompösen Arbeiten am "Doppelnichts", wie Schwerfel seine heutigen Arbeiten kommentiert, getrieben hat. Der Film zeigt den Aufstieg Koons in den 80er Jahren, befragt hierzu werden unter anderem der Galerist Jeffrey Deitch, aber auch Cicciolina kommt zu Wort. Für alle, die sich für die neueren Werke Koons interessieren, sei an dieser Stelle auch noch auf die derzeitige Ausstellung "Celebration" (bis 8. Februar 2009) in der Neuen Nationalgalerie Berlin hingewiesen.

Kassel: "Scherben bringen Glück"

"Scherben bringen Glück" lautet der Titel der Ausstellung von Daniel Knorr im Fridericianum Kassel (ab 7. Dezember). Im Pressetext wird eine "performative Soloshow" angekündigt, die sich erst während der vierwöchigen Ausstellungsdauer entwickelt. So wird Knorr Brillen aus Glasscherben fertigen und diese über den gesamten Ausstellungszeitraum hinweg produzieren. Der Künstlerische Leiter des Fridericianums Rein Wolfs ist überzeugt von Knorrs Arbeiten: Er hat den in Bukarest geborenen Künstler bereits für die Dauer seiner Wirkperiode unter Vertrag genommen. "Die Kunst von Daniel Knorr steht für eine dynamische Verbindung zwischen dem Konzeptuellen und dem Performativen. Sie zeugt von Menschlichkeit, Spielwitz, Engagement und Institutionskritik", so Wolfs. Daniel Knorr wird entscheidend zum künftigen Profil der Kunsthalle Fridericianum beitragen." Hoch gelobt wurde dieses Jahr auch Knorrs Arbeit für die Berlin-Biennale. Hierfür ließ er 58 Fahnen der in Berlin ansässigen studentischen Burschenschaften am Dach der Nationalgalerie wehen. Die Ausstellung "Scherben bringen Glück" wird bis zum 4. Januar 2009 zu sehen sein.