Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Leonie Radine empfiehlt diese Woche Kunst aus dem Meer, tätowierte Engelskörper und Street Art am Alexanderplatz.

Berlin: Fumie Sasabuchi

Liebreiz und Schrecken: Ob tätowierte Engelskörper, Skelette, die sich an mageren Werbemodellen festkrallen oder Todesmotivik im Supermarkt – die japanische Künstlerin Fumie Sasabuchi bricht mit den gängigen Schönheitsidealen und bildet ein Korrektiv für Sehgewohnheiten und Werbeästhetik.

Dabei spielt die Wahl-Münchnerin Sasabuchi nicht den Moralapostel, öffnet jedoch mit ihrer Kunst die Augen für die menschliche Vergänglichkeit, die bisher aufgrund westlicher Kulturtabus hinreichend ignoriert wird. Beeinflusst durch zwei Kulturen, gelingt Sasabuchi die willkommene Gratwanderung zwischen Glamour und Verletzbarkeit, Tradition und Innovation sowie Inszenierung und Naturalismus, sie sprengt gar die Grenzen dieser Gegensätze und schafft darüber hinaus einen Hybrid aus Formen, der die Oberflächlichkeit der Oberflächen – und sei es die menschliche Haut – entlarvt. Sehenswert! Bis zum 20. Dezember 2008 in der Galerie Zink in Berlin.

Hamburg: Manfred Krüger

Objets trouvés in ihrer reinsten Form: Manfred Krügers Materialien ergeben sich im Wesentlichen aus Gegenständen, die das Meer ans Land gespült hat. Nach dem verwandten Prinzip des Displacements gibt er diesen Dingen Raum für neue Bedeutungen und dekonstruiert dabei subtil gesellschaftliche und politische Gegebenheiten. Gesellschaftskritik und Politkunst von verblüffender Simplizität? Lange nicht mehr gehört? Dann wird es wohl mal wieder Zeit, einem "alten Hasen" des Kunstbetriebs zu begegnen, einem der unter anderem die prägende Bekanntschaft mit Joseph Beuys, Nam June Paik und Sigmar Polke gemacht hat. "Ernie als Bert" – ein Titel, der mehr als neugierig macht, auf die Ausstellung, die am Samstag, den 8. November eröffnet und bis zum 4. Januar in der Galerie Durstewitz Sapre zu sehen ist.

Düsseldorf: "Vom Gehen in viele Richtungen"

Was haben Mode, Kunst und Design gemeinsam? Dieser Frage widmet sich ab dem 9. November eine engagierte Ausstellung, welche einen Einblick in die junge namhafte Düsseldorfer Kunstszene gewährt. „Vom Gehen in viele Richtungen“ nennt sich das interdisziplinäre Projekt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Grenzen zwischen kreativen Disziplinen aufzulösen. Den Künstlern wurde in der Umsetzung viel Freiraum zugestanden, und die Gestaltung oblag im wesentlichen den ausgestellten Objekten, Fotografien und Videos, die speziell für diese Schau angefertigt wurden. Verschiedene, aber miteinander harmonierende künstlerische Positionen, unter anderem von Matali Crasset, Thea Gvetadze, Gregor Russ und Mike Meiré, sollen bis zum 4. Januar 2009 im KIT – Kunst im Tunnel Düsseldorf die Fantasie anregen.

München: Horst P. Horst

Am 12. November eröffnet die Münchner Galerie Bernheimer ihre neue Ausstellung: Horst P. Horst, eigentlich Horst Paul Albert Bohrmann, gehört zu den stilbildenden Kreativen der Mode-, Werbe- und Gesellschaftsfotografie des 20. Jahrhunderts. Der vor neun Jahren gestorbene Fotograf ging seit 1931 bei der französischen "Vogue" ein und aus und schmückte die Modemagazine mit seinen zeitlos-klassischen Aufnahmen. Seine Bildkonzeptionen, deren Umsetzungen einem virtuosen Spiel mit Licht und Schatten folgen, erinnern an Ateliersituationen alter Meister. Trotz scharfer Konturierungen verbinden sich die unterschiedlichen Bildelemente zu einem homogenen Ganzen. Bis zum 24. Januar 2009 stehen die malerischen Stillleben- und Aktfotografien erstmals zum Verkauf.

Berlin: "Berliner Straße"

Passion, Risiko und Revolte: Begriffe, die man von der Street Art kaum trennen kann, und dennoch läuft sie Gefahr, mit ihrer sukzessiven Etablierung ihren anarchischen Charakter zu verlieren. Ein Banksy ist heute Millionen wert und die Popularität der Street Art geht schwer konform mit ihrer wichtigsten Eigenschaft: der Subversität. Und doch bietet diese Entwicklung wichtige Chancen, zum Beispiel für die junge Street Art Szene in Berlin, die ihre Ausdrucksmöglichkeiten in den Straßen der Hauptstadt findet. Einige internationale Größen der urbanen Kunst wie zum Beispiel Xoooox, Jaybo a.k.a. Monk, Marok, Mymo und Alex Flach haben sich für das bunte Projekt am Alexander Platz eingefunden. Ganz legal, aber deshalb nicht weniger authentisch präsentieren sich noch bis zum 15. November in der atmosphärischen Siebziger-Jahre-Architektur des BHC Kollektivs Performances, Videos, Skulpturen, Installationen und natürlich Malerei en masse.