Barack Obama

Popaganda

Die grosse Obamamania
Shepard Fairey, "Obama Progress", 2008 (www.obeygiant.com)

DIE GROSSE OBAMAMANIA

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama, 46, ist auf der Siegesspur – er gewann bereits die Vorwahlen in 26 Bundesstaaten. Und vor allem Künstler lieben ihn – ob Rapsong, Poster, Klingelton oder Ballonkunstwerk – noch nie wurde ein Politiker so schnell zum popkulturellen Gesamtkunstwerk stilisiert.
// KATHRIN LEIST

In "Yes, We Can" rappen US-Schauspieler und Musiker für Barack Obama. Sie singen von "Hoffnung" und der ersehnten "Veränderung", sieben Millionen Menschen schauten ihnen bereits auf YouTube dabei zu. "Hope" und "Change", so lauten auch die Schlagworte aus Obamas Kampagne, die der Straßenkünstler und Grafikdesigner Shepard Fairey auswählte, um sie auf Aufkleber, Poster oder T-Shirts unter das Porträt des Präsidentschaftskandidaten zu drucken.

Jahrelang hatte der 38-jährige Fairey Widerstand gegen Bushs Politik geleistet: Soldaten pinseln in seinen Graffiti ein rotes Friedenszeichen an die Wand, Bush wiegt eine Bombe wie ein Baby im Arm. Mit seinem ikonenhaften Porträt eines in die Ferne blickenden Obama will der aus South Carolina stammende Künstler die Mission des Politikers manifestieren. "Indem ich Kunst für ihn mache, setze ich mich für Frieden ein", sagt Fairey. Eigentlich wollte er mit seinen Bildern die Bürger dazu bewegen, sich mit der politischen Misere ihres Landes zu beschäftigen. Doch bald konnte man die Plakate auf Obamas offizieller Webseite für 70 Dollar kaufen. Die Poster sind inzwischen vergriffen und werden zum zehnfachen Preis auf Ebay versteigert.

Fairey ist nicht allein mit seinem Engagement: Matt Revelli, Gründer des Street-Art-Labels "Upper Playground" aus Los Angeles, beauftragte seine Künstler, Obama zu unterstützen. So drückte der 32-jährige Sam Flores dem Politiker eine Kiste in die Hand, aus der weiße Tauben und Schmetterlinge fliegen. Carlos Ramirez, 37, und Armando Lerma, 33, aus Kalifornien, die gemeinsam unter dem Namen Date Farmers arbeiten, inszenierten Obama in limitierter Auflage als einfachen Landarbeiter. Die Poster des Duos wurden eingesetzt, um bei den Vorwahlen in Texas Stimmung zu machen.

Der Künstler "The Mac" wurde von Obamas Team in Los Angeles direkt gefragt, ob er ein Plakat für die kalifornischen Vorwahlen kreieren wollte. "Ich glaube, dass jüngere Leute und Kreative in Obama etwas anderes als den Status Quo sehen", meint Mac. "Er ist jemand, der für sie spricht." Spontan nutzte Straßenkünstler Serge Toussaint die Gunst der Stunde. Als die Stadt Miami ihn beauftragte, eine Wand mit einem Porträt von Martin Luther King zu verschönern, gesellte er Obama einfach dazu. Allerdings verdonnerte ihn die Stadtverwaltung schon bald dazu, den Kandidaten zu übermalen. Der Grafikdesigner Ray Noland, 35, ist dermaßen von Obama besessen, dass er Chicago mit seinen Designs überschwemmte und Obama als Basketballspieler und Robin Hood in seinen Filmchen darstellte.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden