Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Redakteurin Petra Bosetti empfiehlt diese Woche: Kunst wie aus Tausendundeiner Nacht, kokelnde Millionen und intime Blicke.
Die Tipps der Woche:ein Märchenprinz, kokelnde Millionen und intime Blicke

Ricarda Roggan: Foto aus der Serie "Garage 9"

Leipzig: "Ricarda Roggan. Creatures of the 20th Century"

Auf den allerersten, flüchtigen Blick glaubt man, eine Serie von Werbefotos für Autos vor sich zu haben. Rasch aber wird klar: Die Aufnahmen haben wirklich nur noch entfernt die Anmutung einstiger Werbeaufnahmen. Denn die abgebildeten Karossen sind demoliert, zerdrückt, verdreckt, mit einem Wort: Wracks. Es ist die jüngste Serie ("Garage 8") der in Leipzig lebenden Fotografin Ricarda Roggan, Absolventin der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (bei Timm Rautert) und Studentin am Royal College of Art in London. Die Künstlerin hat die Autoleichen aus einer Werkstatt in eine aufgegebene Industriehalle im Leipziger Umland gebracht. Dem ursprünglichen Nutzen und ihrer eigentlichen Umgebung enthoben, bahnen sie sich als unergründliche Kreaturen der Neuzeit ihren Weg durch das Dunkel. Die Fotos sind bis zum 18. April in der Galerie Eigen + Art in Leipzig zu sehen. Zu den Serien "Garage" und "Bäume" von Ricarda Roggan erscheint eine Publikation im Prestel Verlag.

Berlin: Jesper Christiansen

Ein Mann, Sohn geschiedener Eltern, auf der Suche nach der verlorenen Zeit und nach der eigenen Identität. Das private Schicksal ist verbunden mit den gesellschaftlichen Erschütterungen und Umbrüchen der Sowjetunion zwischen 1930 und den späten siebziger Jahren. Andrej Tarkowskijs Film "Der Spiegel" war Inspirationsquelle für den Maler Jesper Christiansen. Eine Ausstellung seiner neuen Gemälde ist bis zum 21. März in der Galerie Mikael Andersen in Berlin (Christianenstraße 18/19) zu sehen.

Hamburg: Edgar Degas. "Intimität und Pose"

Der Impressionist Edgar Degas hat über seine Frauendarstellungen einmal bemerkt: "Bislang ist der Akt immer in Posen dargestellt worden, die ein Publikum voraussetzen, aber diese Frauen sind ehrbare, einfache Menschen, die sich allein für ihren körperlichen Zustand interessieren. Es ist, als ob man durch ein Schlüsselloch schaut." Diesen Blick durchs Schlüsselloch können derzeit die Besucher des Hubertus-Wald-Forums der Hamburger Kunsthalle tun, wo die Bronzen des Franzosen ausgestellt sind – Frauen bei der Toilette, Tänzerinnen, die Schritte üben oder sich die Schuhe schnüren, ungeschönt und realistisch. Auch eine Version der "kleinen Tänzerin von 14 Jahren" ist dabei, die gerade eben bei Sotheby’s den Sensationspreis von gut 14 Millionen Euro erzielt hatte. (Katalog Hirmer Verlag, 45 Euro)

Berlin: "Natascha Sadr Haghighian. Früchte der Arbeit"

Wer dieser Tage die Berliner Galerie Johann König betreten möchte, der hat ein echtes Problem. Natascha Sadr Haghighian hat eine Installation gebaut, die erstens den Zugang zum Galerieraum versperrt. Zweitens stellte sie in einen kleinen, zugänglichen Vorraum einen gebrauchten Allesbrennofen. Neben dem befinden sich auf einer hölzernen Palette etwa 400 Briketts aus inzwischen ungültigen, geschredderten Euronoten mit einem Wert von ungefähr 90 Millionen Euro; die Banknoten wurden von der Bundesbank eingezogen, entwertet und zu Briketts gepresst. Ein Ofenrohr lenkt den Qualm der kokelnden Geldscheine in den verschlossenen Teil der Galerie. "Früchte der Arbeit" nennt sich die Installation, mit der sie auf den Wertverlust des Geldes durch Einführung des Euro reagiert. "Unter dem unmittelbaren Eindruck der aktuellen Finanzkrise" bekommt die Arbeit eine weitere "Betrachtungsebene". Aus gutem Grund ist über Natascha Sadr Haghighian nicht allzuviel bekannt: Sie hat "bioswop.net" eingerichtet, eine Vita-Tauschbörse, in der sich Künstler und Kulturschaffende bei Bedarf eine Vita ausleihen, sowie ihren persönlichen Lebenslauf anderen zur Verfügung stellen können. (bis 7. März)

Hamburg: Michael Buthe

Er war der Paradiesvogel der Kölner Kunstszene. Michael Buthe, 1944 im bayrischen Sonthofen geboren und 1994 gestorben, liebte es, sich als orientalischen Märchenprinzen in Szene zu setzen – und er malte Bilder wie aus Tausendundeiner Nacht: Zwischen goldenen Sternen, Monden und unzähligen Punkten schweben geheimnisvolle Augenpaare und Lippen; leuchtende Kreise und schwungvolle Spiralen verdichten sich zu grinsenden Monstern. Ihm widmet jetzt das Ernst-Barlach-Haus in Hamburg eine Ausstellung. Es ist eine der wenigen Einzelausstellungen seit Buthes Tod und die erste museale Präsentation in Hamburg, wo Buthe bereits 1982 sein Environment "Winterreise durch Westfalen" in der Kampnagelfabrik präsentiert hatte. Im Zentrum der Ausstellung stehen Zeichnungen, Collagen und Objekte der 1960er und 70er Jahre. (15. Februar bis 1. Juni, Katalog im Kerber Verlag, 36,50 Euro)