Surrend - Berlin

Schutz für den "Dummen Stein

Nachdem ein privater Sicherheitsdienst organisiert wurde, konnte die umstrittene Surrend-Ausstellung heute wieder eröffnet werden. Und der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde rief Muslime in einer Presseerklärung zu "mehr Gelassenheit" auf.
Wachschutz engagiert:Muslime zu "mehr Gelassenheit" aufgerufen

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Die nach Drohungen von Muslimen geschlossene Plakat-Ausstellung "ZOG" der dänischen Künstlergruppe Surrend wurde am Dienstag wieder eröffnet. Zuvor hatten Politiker die Ausstellung besucht, um so "ein Zeichen zu setzen für die Freiheit von Kunst und Kultur". Berlins Innensenator Ehrhart Körting sagte bei dem Rundgang: "Ich sehe bei dieser Ausstellung keine Probleme, die Aufregung kann ich nicht verstehen."

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Auch der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, besuchte die Ausstellung und rief Muslime in einer Presseerklärung zu "mehr Gelassenheit" auf. "Jeder auch nur halbwegs liberal denkende Mensch wird die Freiheit der Kunst hochhalten, wie übrigens die Freiheit der Meinungsäußerung und die Freiheit der Lehre in der Wissenschaft", sagte Kolat. "Wie Anton Tschechow sagt: Ich teile alle Werke in zwei Gruppen: In die, die mir gefallen, in die, die mir nicht gefallen. Ein anderes Kriterium habe ich nicht."

Das Bezirksamt Mitte organisierte einen privaten Sicherheitsdienst. Die zwei Wachmänner sollen im Notfall eingreifen.

Die Ausstellung war vorläufig geschlossen worden, nachdem sechs sehr aufgebrachte junge Männer den Kunstverein am vergangenen Freitag betreten hatten und drohten, es würden Steine fliegen, wenn "das Scheiß-Plakat" nicht wegkomme.

Das von den Muslimen kritisierte Plakat ist Teil einer Serie von vier, die jeweils mit einem schwarzen Quadrat arbeiten. Karikiert werden ein Mann mit Hitlerbart, ein autonomer Block und orthodoxe Juden. Auf dem vierten Plakat der Serie ist auf einem Foto die Kaaba in Mekka zu sehen, Sprechblasen schreiben Pilgern Verdächtigungen gegen die Juden zu, und kommentiert wird die Szene mit der Überschrift "Dummer Stein". "Die Serie richtet sich gegen Radikalismus jeder Form", sagt der Leiter des Kunstvereins Ralf Hartmann.

Die Künstlergruppe Surrend arbeitet seit Jahren mit provokanter politischer Satire. Nachdem im vergangenen Jahr beispielsweise die Berliner "taz" mit der Überschrift "Polens neue Kartoffel" eine diplomatische Krise mit den polnischen Regierungsbrüdern Kaczynski ausgelöst hatte, verteilte Surrend in Polen Aufkleber, auf denen zwei Kartoffeln auf einer schwarz-rot-goldenen Fahne zu sehen waren, mit dem Kommentar "Deutsche Kartoffeln sind schöner".

Alain Bieber / Elke Buhr

"ZOG – Surrend"

Termin: bis 29. März, Kunstverein Tiergarten, Berlin.
http://www.kunstverein-tiergarten.de/

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