Element of Crime - Basel

Samtweiche Amour fou

Im Rahmen der Art Basel zeigen Sven Regener und seine Bandkollegen von Element of Crime, welche Werke bei ihnen zuhause an der Wand hängen – von Kinderzeichnungen bis Warhol.
Amour fou:Element of Crime zeigen ihr Kunstsammlungen

Die Band Element of Crime gibt im Rahmen der Art Basel zwei Konzerte und präsentiert ihre Kunstsammlung

Kunst und Musik, das ist, zumindest in der Theorie, ein verrücktes Paar, eine Amour fou, in der sich die Partner leidenschaftlich lieben, aber nicht wirklich verstehen.

Einer will den anderen immer dominieren. Meist kommt es nach einer heftigen Romanze zur bösen Trennung. Und dann will man nichts mehr voneinander wissen. Vielleicht sind deshalb die Berührungspunkte zwischen zeitgenössischer Kunst und zeitgenössischer Musik immer noch eher vage und sporadisch. Was jedoch nicht heißt, dass sich daraus keine spannenden Projekte zaubern ließen. Eine charmante Idee hat jetzt Sam Keller, Direktor der Foundation Beyeler und bekennender Club-Junkie, auf den Weg gebracht. Im Rahmenprogramm der Art Basel startet an diesem Wochenende "Velvet", eine Konzertreihe mit ergänzender Kunstausstellung, die die labile Beziehung zwischen Kunst und Musik wiederherstellen will. Namenspatron ist dabei die New Yorker Kunstband The Velvet Underground, die 1965 im Dunstkreis von Andy Warhols Factory entstand.

Protagonisten des Velvet-Debüts sind die Musiker von Element of Crime. Man hätte wahrscheinlich keine bessere Wahl treffen können. Die Berliner Band um Sänger und Schriftsteller Sven Regener entstand in der Postpunk-Ära der achtziger Jahre und hat sich mit düster-romantischem Rock-Pop Kultstatus erspielt. Ihre Konzerte sind immer ausverkauft, die junge Szene in Berlin-Mitte oder im Schanzenviertel in Hamburg kennt die Songtexte auswendig. In Basel gewähren die Bandmitglieder nun Einblicke in ihren persönlichen Kunstgeschmack. In einer von Jens Kloppmann kuratierten Ausstellung zeigen sie, was bei ihnen zuhause so an den Wänden hängt. Bei Regener etwa ist das eine Akt-Zeichnung von Matthias Düwel, einem alten Musikerfreund, Bilder von Karen Koltermann und dem Hamburger Künstler 4000, aber auch ein handgebasteltes Plakat von dem ersten Element-Auftritt 1987 in Ost-Berlin. Gitarrist Jakob Ilja erzählt, wie er als Kind mit Kunst groß geworden ist und auch heute noch manisch Bilder aller Art sammelt: Jonathan Meese, Andy Warhol, René Bertholo, Günther Weseler und natürlich ganz viele von seiner Frau AK Schaffner. Schlagzeuger Richard Pappik wiederum präsentiert die "Mad Rooms" des Berliner Künstlers Prinz, der mit schreiend komischen, tieftraurigen Assemblage-Schaukästen den Dadaismus wiederbelebt. Im begleitenden Katalog erklären die Bandmitglieder ihre Beziehung zu der mitgebrachten Kunst. Die mag zwar nicht unbedingt deckungsgleich sein mit den trendigen Werken, die auf der Art Basel für Millionensummen angeboten werden. Doch die mehr mit Herz als Verstand ausgewählten Bilder sind Zeugen dieser wilden, unmöglichen Liebe zwischen Kunst und Musik.

Velvet, Live Music & Art Show - Element of Crime

Konzert: 15. und 16. Juni 2013, Basel, Spiegelzelt Sarasinpark (gegenüber Fondation Beyeler), Einlass: 18 Uhr, Beginn: 20 Uhr

Ausstellung: 12. bis 16. Juni 2013, Basel, Orangerie Sarasinpark, Öffnungszeiten: 11:00 bis 19:00 Uhr
http://www.actnews.ch/news/details/artikel/velvet-element-of-crime/