Jeffrey Deitch - MoCA-Direktor

Jeffrey Deitch soll LA-Museum retten

Der trendige New Yorker Downtown-Galerist wird Direktor des Museum of Contemporary Art in Los Angeles – und sorgt damit für hitzige Debatten. Denn bisher durften in den USA nur verdiente Akademiker öffentliche Kulturinstitutionen leiten. Jetzt macht die Krise das Unmögliche möglich.

Allein schon das Gerücht erschütterte Amerikas Kunstwelt wie ein Erdbeben – und spaltete die Szene wie der Andreas-Graben die auseinanderdriftenden Kontinentalplatten. Jetzt ist es amtlich: Der trendbewusste New Yorker Galerist Jeffrey Deitch, 57, Entdecker und Förderer kontroverser Künstler wie Vanessa Beecroft, Terry Richardson und Dash Snow, übernimmt zum 1. Juni 2010 die Leitung des Museum of Contemporary Art (MoCA) in Los Angeles. Das verkündete der Aufsichtsrat des Museums gestern Abend in einer Pressemitteilung. Bereits seit Wochen kursierte das Gerücht in diversen Kunstblogs und Insiderkreisen – und wurde leidenschaftlich diskutiert. "Brillante, inspirierende Entscheidung" sagen die einen, "nur gut, wenn wir dadurch Deitch Projects, die Adresse für Jugendkult-Geistlosigkeit, los werden", meinten andere. Da sich die neue Rolle als Museumsdirektor nicht mit seinen Aktivitäten als Kunsthändler verträgt, will Deitch bis Juni seine New Yorker Galerie nach rund 14 Jahren Betrieb schließen.

Die Personalie sorgt vor allem deshalb für so viel Aufregung, weil amerikanische Museen bei Stellenbesetzungen in der Regel eher konservativ verfahren. Als Kurator oder Direktor muss man eine einschlägige akademisch-kunsthistorische Vita vorweisen können. Jeffrey Deitch hat sich dagegen als unkonventioneller Galerist und Impresario einen Namen gemacht, als Ausstellungsmacher liebt er Provokationen und Spektakel, etwa, wenn er seine Galerie mit Terry Richardsons kalkulierten Sexbildern tapeziert oder zur Castingshow à la "New York sucht den Superstarkünstler" aufruft.

"Jeffrey lebt, isst, trinkt und atmet Kunst"

"Deitch Projects war weniger eine klassische Galerie, als mein privates Kunstinstitut", erklärte Deitch in einem ersten Interview mit Tyler Green. "Ich habe nur das System des Kunstmarkts dazu benutzt, um sie zu betreiben. Ich habe schon damals immer wieder zahlreiche, nichtkommerzielle und historische Ausstellungen organisiert oder Projekte unterstützt, wie zum Beispiel Michel Gondrys Minifilm-Studio, die wenig bis gar kein Geld einbrachten."

Der flamboyante König der Downtown Art Scene mit der auffälligen runden Brille und einen Business-Abschluss von Harvard war vor seiner Galeristenkarriere Vizepräsident der Citibank. Gerade diese kunstfernen Management-Qualitäten können ihm in Los Angeles nun nützlich sein. Denn das MoCA gehört mit seiner bedeutenden Sammlung zeitgenössischer Kunst zwar zu den wichtigsten Adressen für Gegenwartskunst in Amerika. Durch Mismanagement stand es 2008 aber kurz vor dem Bankrott. Mit finanzieller Unterstützung des kalifornischen Großsammlers Eli Broad versucht sich das 1979 gegründete Museum in Downtown L.A. schräg gegenüber der spektakulären von Frank Gehry entworfenen Disney-Konzerthalle nun neu zu positionieren.

"Jeffrey Deitch passt perfekt in das MoCA. Er hat die Vision und Energie, das Museum zu einer der weltweit ersten Adressen für zeitgenössische Kunst zu machen”, sagte Maria Bell, Vorstandmitglied des Museums. "Jeffrey lebt, isst, trinkt und atmet Kunst." Und auch Glenn Lowry, Direktor des New Yorker MoMA, lobte bereits seinen künftigen Kollegen: "Jeffrey Deitch hat jahrelang eine der abenteuerlichsten und aufregendsten Galerien in New York betrieben und wird zweifellos die gleiche Energie und Begeisterung in das MoCA bringen."

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