Bookmarks - Lesetipps September

Die Lesetipps des Monats

art-Redakteurin Ulrike von Sobbe stellt Ihnen in unserer Rubrik "Bookmarks" jeden Monat zehn spannende neue Kunstbücher vor. Diesmal mit Max Ernst, Alpen-Architektur und Walt Disney's Wurzeln in der europäischen Kunst.
Das müssen Sie lesen:Zehn neue, spannende Kunstbücher

Max Ernst. Traum und Revolution.

Er zählt zu den einflussreichsten Malern und Bildhauern des 20. Jahrhunderts (1891 bis 1976). Eine Ausstellung im Moderna Museet Stockholm (bis 11.1.2009) betrachtet sein revolutionäres vielschichtiges Lebenswerk nun aus neuen Blickwinkeln: seine frühen Dada-Jahre in Köln, seine Bedeutung im Kreis der Surrealisten in Frankreich, wo er von 1921 bis 1941 lebte, das folgende Jahrzehnt im amerikanischen Exil sowie seine späten Jahre nach der Rückkehr nach Europa werden im Katalog vom Herausgeber und Ernst-Kenner Werner Spiess gründlich analysiert. In zahlreichen Werkabbildungen werden besonders jüngere Leser Verbindungen zwischen Ernsts Fantasiewelten und dem Cyberkosmos moderner Computerspiele entdecken können (Hatje Cantz Verlag. 256 S., 288 Abb., 39,80 Euro).

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50 Fotografen, die man kennen sollte.

Wer einen Einstieg in die Kunstform der Fotografie sucht, findet in diesem handlichen Band ihre 50 wichtigsten Vertreter, von Pionieren wie Felix Nadar oder Eadweard James Muybridge über Klassiker wie Man Ray oder Richard Avedon bis zu Gegenwartskünstlern wie Nan Goldin oder Andreas Gursky. Alle werden übersichtlich mit Kurzporträts und wichtigen Werken vorgestellt (Prestel Verlag. 176 S., 200 Abb., 19,95 Euro).

Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst.

Micky Maus und Donald Duck, Schneewittchen und Bambi stehen für eine innovative Bildsprache, die schnell die ganze Welt eroberte. Wie sehr die Fantasiewelten der Disney-Zeichentrickfilme auf die europäische Kunst des 19. Und 20. Jahrhunderts zurückgehen, zeigt nun ein Ausstellungsprojekt in der Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung (bis 25.1.2009). Auf einer Europareise im Jahr 1935 hatte sich Walt Disney von Klassikern der Literatur und der Kunst inspirieren lassen. Mit unzähligen illustrierten Büchern im Gepäck kehrte er nach Amerika zurück, engagierte für seine Studios die besten Zeichner, einige davon Europäer, und schuf so die Basis für jene so erfolgreichen Bildfindungen – den Reproduktionen ihrer einstigen Inspirationsquellen gegenübergestellt, liefern sie im Katalog verblüffende Einsichten (Hirmer Verlag. 302 S., circa 300 Abb., 39,90 Euro).

Muntean/Rosenblum.

Der Blick des Österreichers Markus Muntean und der Israelin Adi Rosenblum gilt immer jungen Menschen. In ihren Malereien, Collagen, Filmen und Installationen werden Jugendliche zur Metapher für die Zeitlichkeit des Lebens, wobei die beiden Künstler häufig auf Attribute vergangener Kunstepochen zurückgreifen und sie in die populäre Bildwelt der Gegenwart übertragen. Der Katalog entstand zu einer Ausstellung in der Galerie Arndt & Partner, Berlin. (Kerber Verlag. 84 S., 35 Abb., 38 Euro).

Leiko Ikemura – Tag, Nacht, Halbmond.

Die in Deutschland lebende Japanerin eröffnet in ihren Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen ein geheimnisvolles Universum, das von mädchenhaften Wesen, von Tieren und Dingen belebt wird, die jenseits von Zeit und Raum zu existieren scheinen. Erstmals zeigt eine Ausstellung im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen (bis 4.1.2009) Arbeiten der Künstlerin aus allen Werkphasen, hochwertig reproduziert im begleitenden Katalogbuch (Verlag Scheidegger & Spiess. 368 S., 240 Abb., 52 Euro).

Annika Backe-Dahmen: Die Welt der Kinder in der Antike.

Kleine Patrizier, Skavenmädchen und junge Götter – die Autorin präsentiert verschiedenste Aspekte menschlicher und mythischer Kindheit im griechisch-römischen Altertum. Faszinierende Einsichten über Spiele und Kinderarbeit, religiöse Riten und gesellschaftliche Erziehung während elf Jahrhunderten (Verlag Philipp von Zabern. 152 S., 98 Abb., 29,90 Euro).

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Der Lyriker Egon Schiele. Briefe und Gedichte 1910–1912.

Ebenso expressiv wie seine Bilder sind auch seine Gedichte und die Briefe, die der Österreicher an seine Frau, Freunde und Kollegen schrieb. Elisabeth Leopold, die mit ihrem Mann die bekannte Schiele-Sammlung aufbaute (sie wird seit 2001 in dem dafür gebauten Wiener Leopold Museum gezeigt), hat für dieses Buch Beispiele aus seinen Schriften ausgewählt, transkribiert und Werken, auf die sie sich beziehen, gegenübergestellt. So eröffnen sich intensive Einblicke in die Gedankenwelt des Künstlers, seine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit Leben und Tod, Erotik und Kunst (Prestel Verlag. 144 S., 100 Abb., 39,95 Euro).

Ute Grosenick, Raimer Stange: Galerien der Welt.

Allein in Berlin gibt es inzwischen über 400 Galerien. Da fällt es schwer, auch nur in einer Stadt den Überblick zu behalten. Dennoch haben sich die Kunstpublizisten Uta Grosenick und Raimar Stange zugetraut, die wichtigsten „Galerien der Welt“ zu küren. Als Auswahlkritierium für die 75 vorgestellten Kunsthändler diente ihnen weniger der wirtschaftliche Erfolg, sondern wie einflussreich die Galerien für den ästhetischen Diskurs ihrer Zeit waren. Das Buch – eine Neuauflage des 2005 erschienenen und lange vergriffenen Bandes „Insight – Inside“ – beschränkt sich auf die Kunstszene nach 1945 und beginnt mit Peggy Guggenheims legendärer Galerie „Art of This Century“ in New York. Natürlich kommen auch Heroen wie Ernst Beyeler, Leo Castelli oder Rolf Ricke vor. Spannender sind jedoch die Kurzporträts von heute fast vergessenen Pionieren wie Iris Clert, die in ihrer 20-Quadratmeter-Galerie in Paris in den fünfziger Jahren Yves Klein ausstellte und 1971 eine Galerie auf Rädern erfand. Dabei verdeutlichen die alten Fotos, wie bescheiden oft die Räume waren, in denen Kunstgeschichte geschrieben wurde. Je näher die Gegenwart rückt, desto willkürlicher scheint jedoch die Auswahl. Da gibt es die Erfolgsgeschichten von Massimo de Carlo und Judy Lybkes Eigen+Art. Dagegen fehlen bedeutende Galerien wie Contemporary Fine Arts oder Annely Juda. Und was den Weltgedanken angeht, spielt sich für die Autoren das Galerienwunder immer noch hauptsächlich in New York, London oder Paris ab. Der Kunstboom in China ist ihnen nur einen einzigen Eintrag wert – neue Galerien wie die Filiale von Pace Wildenstein in Peking werden nicht genannt. Wirklich schade, dass die Autoren die Gelegenheit einer Neuauflage nicht für eine gründliche Überarbeitung genutzt haben (DuMont Buchverlag. 540 S., 500 Abb., 39,90 Euro).

Rom und die Barbaren. Europa zur Zeit der Völkerwanderung.

Es war eine spannende Epoche zwischen Spätantike und frühem Mittelalter, als sich Europa politisch, territorial und kulturell neu formierte. Gewaltige Migrationsbewegungen von Goten, Vandalen, Hunnen, Alemannen und Langobarden ließen eine nachantike Weltordnung mit romanisch-germanischen Kultur entstehen. Der Begleitband zur großen Schau in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (bis 7.12.2008, siehe auch art 6/2008) macht mit Abbildungen von prachtvollen Waffen, edlem Schmuck, Gebrauchsgegenständen und kultischen Objekten sowie fundierten historischen Aufsätzen das Phänomen der Völkerwanderung erlebbar (Hirmer Verlag. 360 S., 387 Abb., 39,90 Euro).

Neues Bauen in den Alpen. Architekturpreis 2006.

Nach den maßstablosen, gesichtslosen Großbauten, die in den sechziger und siebziger Jahren durch den Massentourismus aufkamen, zeigt sich nun seit der letzten Jahrhundertwende ein Umdenken in der europäischen Alpenregion. Architekten und Bauherren gleichermaßen suchen nach einer Formensprache, die der Landschaft ebenso gerecht wird wie den Erfordernissen moderner Baukultur. Der vorliegende Band dokumentiert ausführlich öffentliche Bauten, Tourismusbauten sowie Wohnhäuser, die in der vierten Auflage des Architekturpreises ausgezeichnet wurden und damit einen Überblick geben über neue hochwertige Architektur in den Alpen (Birkhäuser Verlag. 404 S., 265 Abb., 49,90 Euro)