Quadriennale - Düsseldorf

Another Space

Die endgültige Entscheidung steht noch aus, aber nach Lage der Dinge wird die Stadt Düsseldorf ihr Kunstfestival, die Quadriennale, einstellen. So steht es im Kooperationspapier der neuen Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und FDP. Das Budget von 4,2 Millionen Euro soll komplett der freien Kulturszene zugute kommen. Die Ankündigung liegt im Trend: Auch in Hamburg und Berlin will die Kulturpolitik vermehrt kleinere Projekte fördern.

Über 300 000 Besucher können nicht irren, dachten sich die Macher der diesjährigen Quadriennale, und zogen ein selbstbewusstes Resümee: "Ziele erreicht, Düsseldorfs Position als Kunstmetropole gestärkt." Die neue Ratsmehrheit der Stadt sieht das offenbar ein wenig anders.

In einer Kooperationsvereinbarung verständigten sich SPD, Grüne und FDP darauf, das städtische Kunstfestival nach nur drei Ausgaben einzustellen. Damit ist das Ende der Quadriennale zwar noch nicht besiegelt – Mitte November steht die wohl entscheidende Aufsichtsratssitzung des Kunstfestivals an –, aber doch schon abzusehen.

Man kann das Ende der Quadriennale beklagen. Wo gibt es sonst solchen Luxus: Zwischen April und August dieses Jahres wurden in den Museen der Stadt sechs große Ausstellungen gezeigt, sieben in privaten Institutionen und dazu zahlreiche Veranstaltungen rund um die Kunst. Nach der enttäuschenden Ausgabe von 2010 konnten die Organisatoren die Besucherzahlen wieder deutlich, nämlich um 25 Prozent, auf 313 000 steigern. Der Premierenrekord von 2006, als 380 000 Besucher kamen, wurde dagegen abermals deutlich verfehlt. Trotzdem gab das wohl nicht den Ausschlag für das angekündigte Ende.

Vielmehr mangelt es in der Stadt und in den Museen an echtem Enthusiasmus für die Quadriennale: Das übergeordnete Motto "Über das Morgen hinaus" wirkte leicht aufgesetzt, beinahe beliebig, und auch wenn das Festival die Aufmerksamkeit für das, was ohnehin schon da ist, noch einmal erhöht, kommen die großen Düsseldorfer Museen auch ohne das alle vier Jahre ausgetragene Festival zurecht.

Da liegt die Frage nahe, ob die Stadt die zuletzt 4,2 Millionen Euro für die Quadriennale nicht tatsächlich anderswo sinnvoller einsetzen kann. Und genau das will die Ampelkoalition laut Kooperationsvereinbarung nun tun: Das Quadriennale-Budget soll der Kultur (nicht nur der Bildenden Kunst) komplett erhalten bleiben – und dazu dienen, die freie Kulturszene zu stärken. Mit dieser vorsichtigen Neuausrichtung liegt Düsseldorf durchaus im Trend deutscher Großstädte: In Hamburg und Berlin gibt es derzeit ähnliche Initiativen. Auch dort sollen vermehrt kleinere Projekte gefördert werden und die hoch subventionierte Hochkultur tendenziell Opfer für die freie Szene bringen.

So trifft sich Berlins neuer Kulturstaatssekretär Tim Renner am kommenden Montag mit Vertretern von "Haben und Brauchen", einer Initiative der Off-Kunstszene, um mit ihnen neue Fördermodelle zu diskutieren. "Bitte wenden. Sonst: Gegen die Wand!" ist die Veranstaltung überschrieben – eine Wende der Berliner Kunst- und Kulturpolitik ist gemeint. Die Organisatoren beklagen die "gigantische Verteuerung" der Lebenshaltungskosten in der Stadt und das gleichzeitige Scheitern von Großprojekten. Dagegen werben sie für einen "längerfrißtigen Dialogprozess zwischen freien und institutionellen Akteuren der zeitgenössischen Kunst und dem Senat", für den sie bereits einen Fahrplan ausgearbeitet haben.

In Hamburg ist man sogar schon weiter. Dort traf sich Kultursenatorin Barbara Kissler bereits 2013 mit Vertretern der freien Kunstszene. Das Ergebniss ihres gemeinsamen Brainstormings: der Kunstbeutelträger. Dieser anonyme Kurator besucht seit Mitte 2013 Ateliers und Veranstaltungen in Hamburg und entscheidet danach, welche Künstler oder Projekte er mit einer Finanzspritze unterstützt. Ein Modell, das bewusst mit bisherigen Jury- und Subventionsprinzipien brechen will. Die Anonymität und der eingerichtete Blog des Kunstbeutelträgers, auf dem dieser seine Entscheidungen begründet, sollen das Gespräch um Künstler und kleinere Projekte anregen und so "deutliche Impulse an die bildende Kunst im Raum Hamburg" setzen. Das scheint gelungen: Das städtische Experiment wurde 2014 um ein Jahr verlängert und der Inhalt des Kunstbeutels auf 50 000 Euro aufgestockt.

Natürlich sind dies nur erste Schritte. Aber sie zeigen, dass die Bedeutung künstlerischer Graswurzel-Projekte in den Großstädten größere Anerkennung seitens der Kulturpolitik erfährt. Man darf deshalb doppelt gespannt sein, was aus dem Budget der Düsseldorfer Quadriennale wird.